Auf der "Zorro-Ranch" hat Epstein sich über Jahre an Minderjährigen vergangen. Womöglich hat das Anwesen jedoch einen ganz anderen Zweck für ihn erfüllt. Über Jahre hinweg haben Jeffrey Epstein und seine Partnerin Ghislaine Maxwell einen organisierten Menschenhandelsring betrieben, dessen Ziel es war, minderjährige Mädchen sexuell auszubeuten. Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute schwer zu beziffern. Neu veröffentlichte Unterlagen des US-Justizministeriums enthalten jedoch weitere, bislang unbekannte Details. Eines der Dokumente bezieht sich auf ein Anwesen Epsteins, die von ihm so genannte "Zorro Ranch" im US-Bundesstaat New Mexico. Demnach sollen sich in den Hügeln rund um das Anwesen angeblich die Leichen zweier Frauen befinden. In einer der nun veröffentlichten, vom Justizministerium anonymisierten E-Mails heißt es, die beiden Frauen seien während sexueller Handlungen zu Tode stranguliert worden. Epstein-Mails über Trump: Hier können Sie die belastenden Mails in Gänze lesen Die Behauptungen werden von einem ehemaligen Mitarbeiter auf der Zorro Ranch aufgestellt, der berichtet, dass er vor Ort gewesen sei und alles gesehen habe. Zudem habe er Material an sich genommen, das verschiedene Anschuldigungen beweisen würde. Offenbar handelt es sich dabei jedoch um einen Erpressungsversuch. Der Empfänger der Mail ist unbekannt. Der Verfasser forderte jedoch einen Bitcoin im Austausch gegen einen USB-Stick, der angeblich Aufnahmen von Vergewaltigungen von Minderjährigen durch Epstein und andere Personen enthält, sowie den Bericht eines Opfers über einen Selbstmordversuch als Audio-Datei. Die US-Regierung in Washington hält sich zur Causa Epstein weitgehend bedeckt und hat erklärt, keine weiteren Ermittlungen aufnehmen zu wollen. Der Fall gilt auf Bundesebene als abgeschlossen. In New Mexico wächst nun jedoch der Druck. Bereits zu Epsteins Lebzeiten gab es Spekulationen darüber, was sich auf der abgelegenen Ranch fernab größerer Ortschaften zugetragen haben könnte. Um mögliche Verbrechen umfassend aufzuarbeiten, haben zwei Abgeordnete des Bundesstaates New Mexico vorgeschlagen, eine Wahrheitskommission einzusetzen. Ein solches überparteiliches Gremium soll die Vorgänge auf der Zorro Ranch untersuchen. Sollte es tatsächlich zustande kommen, wäre jedoch frühestens in zwei Jahren mit Ergebnissen zu rechnen. Sie war die erste, die versuchte, Epstein zu verklagen Dass bislang nur wenig über Epsteins Machenschaften auf der Ranch ans Tageslicht gedrungen ist, hat unter anderem damit zu tun, dass alle Mitarbeiter vor Ort offenbar Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen mussten, die es ihnen rechtlich untersagten, sich dazu zu äußern. Belegt ist, dass Epstein sich auf der Zorro Ranch in bislang unbekanntem Ausmaß an Minderjährigen vergangen hat. Einer der detailliertesten Zeugenberichte stammt von Annie Farmer, die gemeinsam mit ihrer Schwester Anfang der 2000er-Jahre erstmals versuchte, eine Klage gegen Epstein und Maxwell vorzubringen – jedoch ohne Erfolg. Ihre Schwester akquirierte damals Kunstwerke für Epstein und bot an, ein Studium für ihre zu diesem Zeitpunkt 15-jährige Schwester zu finanzieren. Zu einem ersten Treffen kam es in New York . Epstein, Farmers Schwester und Annie besuchten gemeinsam ein Kino, wo Epstein die 15-Jährige erstmals körperlich bedrängt haben soll. Anschließend sei ihr eine Reise auf die Zorro Ranch angeboten worden, verpackt als "Bildungsreise" mit rund 20 weiteren jungen Menschen. Vor Ort stellte sie jedoch fest, dass sie allein mit Epstein und Maxwell war. Die Präsenz Maxwells habe ihr zunächst ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Maxwell sei ihr gegenüber freundlich und zugewandt aufgetreten und habe sie unter anderem zu Shopping-Ausflügen begleitet. Kurze Zeit später sei es jedoch erneut zu Übergriffen gekommen: Annie Farmer gibt an, man habe sie dazu gedrängt, gemeinsam mit Maxwell Epsteins Füße zu massieren. Maxwell habe zudem darauf bestanden, die 15-Jährige selbst massieren zu wollen. Nach Farmers Angaben habe sie sich ausziehen müssen und sich dabei beobachtet gefühlt, die Tür sei offen gewesen. Sie vermutet, Epstein habe sie beobachtet, während Maxwell ihre Brüste massierte. Sie sei jedoch wie gelähmt gewesen und habe aus Angst nicht gewagt, nachzusehen, ob Epstein die beiden tatsächlich beobachtete. Am nächsten Morgen sei sie davon aufgewacht, dass Jeffrey Epstein ihr Zimmer betreten und sich zu ihr ins Bett gelegt habe. Dies sei für sie der beängstigendste Moment gewesen. Sie habe sich daraufhin ins Badezimmer zurückgezogen und dort möglichst lange aufgehalten, in der Hoffnung, Epstein würde gehen. Epsteins Vision: "Die Optimierung der Menscheit" Auch wenn die Serie der Übergriffe an Minderjährigen wie Annie Farmer sowohl auf der Ranch als auch andernorts weiterging, soll Epstein auf dem Gelände der Ranch eines seiner Großprojekte geplant haben. Eine weitere Überlebende berichtet, dass auf der Ranch Dinge geschehen seien, die "so schrecklich gewesen seien, dass sie bis heute nicht darüber sprechen könne". Sie beschreibt ihre Erinnerungen als brüchig. Woran sie sich jedoch erinnere, sei eine Reihe von pseudo-gynäkologischen Untersuchungen, die Epstein an ihr vorgenommen habe. Zudem sei sie eines Morgens in einer Art Labor aufgewacht, umringt von Menschen in Schutzanzügen. An Epsteins private Insel könne sie sich noch lebhaft erinnern – was die Ranch angehe, habe sie jedoch unerklärlicherweise massive Erinnerungslücken. Die Ranch sollte für Epstein jedoch darüber hinaus einen weiteren Nutzen erfüllen. Lange eiferte er einer Vision nach: der "Optimierung der Menschheit". Berichten unter anderem der "New York Times" zufolge wollte er die Ranch in New Mexico zu seiner persönlichen "Baby-Farm" umfunktionieren, auf der er reihenweise Frauen mit seiner DNA befruchten wollte. Kopf und Penis wollte er sich für die Zukunft einfrieren Er folgte damit einer Ideologie, die heute als Transhumanismus bezeichnet wird und die Optimierung des Menschen durch Gentechnik und Künstliche Intelligenz propagiert. Kritiker bezeichnen diese Vorstellung häufig als moderne Form der Eugenik, der Erbgesundheitslehre der Nationalsozialisten. Elon Musk, dessen Name auch in den Epstein-Dokumenten auftaucht, hat heute ähnliche Visionen. Er will sich seine ganz persönliche Kinder-"Legion" an Nachkommen zeugen. Zudem habe Epstein sich stark für Kryonik interessiert – eine Praxis, bei der menschliche Körper oder Körperteile unmittelbar nach dem klinischen Tod eingefroren werden, in der Hoffnung, sie mit zukünftigen Technologien wiederbeleben zu können. Ein Wissenschaftler berichtete der "New York Times", Epstein habe ihm erzählt, er wolle seinen Kopf sowie seinen Penis einfrieren lassen. Um seine Projekte in die Wirklichkeit zu übersetzen, finanzierte Epstein eine Reihe hochrangiger Wissenschaftler, die ihn regelmäßig auf der Ranch besuchten und mit ihm über seine Visionen diskutierten. Laut "New York Times" habe Epstein aus seinen Vorstellungen kein Geheimnis gemacht. Mehrere Wissenschaftler erklärten nach der Aufdeckung seiner Verbrechen, sie seien durch seine finanzielle Unterstützung geblendet gewesen und hätten so seine Straftaten nicht bemerkt. Prominente Gäste auf Zorro Ranch Zu den bekannten Gästen auf der Zorro Ranch zählten unter anderem der ehemalige Prinz Andrew , Bill Richardson, der frühere Gouverneur von New Mexico, sowie Woody Allen, der gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Kind auf der Ranch gewesen sein soll. Eine der Überlebenden erinnert sich zudem daran, in die Residenz des damaligen Gouverneurs gebracht worden zu sein, beschuldigte Richardson jedoch nie der sexuellen Ausbeutung. Eine Mitarbeitende meint, auch die Clintons einmal vor Ort gesehen zu haben. Belege dafür gibt es jedoch nicht. Der ehemalige US-Präsident sowie seine Frau sollen am Ende des Monats vor einem Untersuchungsausschuss zum Fall Epstein aussagen. Was sich tatsächlich auf der Zorro Ranch zugetragen hat, muss nun ermittelt werden. Dass Epstein das Anwesen nach der amerikanischen Roman- und Filmfigur Zorro benannte – einem Helden, der für die Schwachen eintritt und gegen Machtmissbrauch kämpft –, wirkt im Rückblick obszön. Ironischerweise hat der Name "Zorro" im Bundesstaat New Mexico jedoch eine weitere Bedeutung: In der regionalen Umgangssprache steht er für ein Stinktier.