Auszeichnungen: Oscar-Rekord: 16 Nominierungen für "Blood & Sinners"
So viele Nominierungen gab es noch nie für einen Film: Das Vampir-Südstaatendrama "Blood & Sinners" ist der große Oscar-Favorit, vor "One Battle After Another". Deutsche Chancen sind diesmal minimal.
Mit sensationellen 16 Nominierungen geht das musikalische Vampir-Südstaatendrama "Blood & Sinners" als großer Favorit ins Oscar-Rennen - und übertrumpft damit die bisherigen Rekordhalter.
14 Gewinnchancen hatten in der langen Oscar-Geschichte der Klassiker "Alles über Eva" von 1950, der "Titanic"-Blockbuster im Jahr 1998 und zuletzt das Film-Musical "La La Land" (2017). Die Zahl der Kategorien, in denen die Filmpreise verliehen werden, hat sich in der Geschichte der Oscars allerdings immer mal wieder leicht verändert.
13 Nominierungen für "One Battle After Another"
Abräumen könnte auch der schwarzhumorige Politthriller "One Battle After Another" von Regisseur Paul Thomas Anderson, mit immerhin 13 Gewinnchancen - gefolgt von dem Monsterfilm "Frankenstein", der Tragikomödie "Marty Supreme" und dem norwegischen Familiendrama "Sentimental Value" mit je neun Nominierungen. Acht Nennungen gab es zudem für das Drama "Hamnet" über die Shakespeare-Familie.
Neben diesen sechs Favoriten sind in der Topsparte "Bester Film" weitere vier Werke im Rennen - "Train Dreams", "Bugonia", "The Secret Agent" und der Rennsport-Streifen "F1". Die Oscar-Trophäen werden am 15. März in Hollywood zum 98. Mal vergeben.
Deutsche Oscar-Hoffnung geplatzt
Deutsche Oscar-Hoffnungen wurden diesmal enttäuscht. Das in Cannes gefeierte Drama "In die Sonne schauen" der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski schaffte es nicht in die Nominierungs-Endrunde. In der Sparte International Feature Film sind Frankreich ("Ein einfacher Unfall"), Brasilien ("The Secret Agent"), Norwegen ("Sentimental Value"), Spanien ("Sirât") und Tunesien ("The Voice of Hind Rajab") im Rennen.
Im vorigen Jahr hatte es für Deutschland der Politthriller "Die Saat des heiligen Feigenbaums" des Iraners Mohammad Rasoulof ins Oscar-Finale geschafft. 2023 holte die deutsche Literaturverfilmung "Im Westen nichts Neues" des gebürtigen Wolfsburgers Edward Berger nicht nur den Oscar als bester internationaler Film, sondern auch noch drei weitere Preise für Kamera, Szenenbild und Filmmusik.
Nur der im niedersächsischen Hameln geborene und in Großbritannien aufgewachsene Komponist Max Richter ist diesmal im Rennen - mit seiner Musik zum Drama "Hamnet" von Regisseurin Chloé Zhao. Er ist einer von fünf Anwärtern in der Sparte "Beste Filmmusik", neben Komponisten wie Ludwig Göransson ("Blood & Sinners"), Jonny Greenwood ("One Battle After Another") und Alexandre Desplat ("Frankenstein").
Erster Oscar für Timothée Chalamet?
"Blood & Sinners" von US-Regisseur Ryan Coogler ist ein außergewöhnlicher Vampir-Genremix, der sich um Rassismus, Freiheit und Identität dreht, von Blues und Folkmusik unterlegt. Michael B. Jordan - in einer Doppelrolle - kann sich Hoffnung auf einen Oscar als bester Hauptdarsteller machen. Doch hier gibt es Konkurrenz von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio, der sich in "One Battle After Another" vom militanten linken Aktivisten in einen besorgten Vater verwandelt.
Zuschlagen könnte auch Timothée Chalamet, der in der Tragikomödie "Marty Supreme" als ambitionierter Tischtennisspieler brilliert. Zweimal war er schon für einen Hauptdarsteller-Oscar nominiert gewesen (zuletzt vor einem Jahr als singender Bob Dylan in "Like a Complete Unknown"), aber bisher leer ausgegangen. Vielleicht holt er mit 30 Jahren sein erstes Oscar-Gold.
Frauenriege mit Neulingen
Die irische Schauspielerin Jessie Buckley, die in "Hamnet" die Frau von William Shakespeare spielt, gewann mit ihrer bewegenden Darstellung kürzlich ihren ersten Golden Globe - und ist nun auch auf Oscar-Kurs. In der Sparte "Beste Hauptdarstellerin" trifft sie unter anderem auf die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Stone (für "Bugonia" nominiert), auf Kate Hudson ("Song Sung Blue") und auf die Norwegerin Renate Reinsve ("Sentimental Value"), die zum allerersten Mal nominiert wurde.
Internationaler Fokus
Mehr als 10.000 Mitglieder der Film-Akademie stimmen bei den Oscars ab, mit einer wachsenden Zahl internationaler Filmschaffender. Das mag auch die starken neun Nominierungen für "Sentimental Value" des Norwegers Joachim Trier erklären, darunter in Top-Sparten wie Bester Film und Regie.
Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård, der bereits bei den Golden Globes den Preis als bester Nebendarsteller holte, ist jetzt auch auf Oscar-Kurs. Der 74-Jährige überzeugt in der Rolle eines Vaters, der von seinen Töchtern entfremdet ist.
Der Brasilianer Wagner Moura, der den Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama mit seiner Rolle in dem Thriller "The Secret Agent" gewann, ist nun ebenfalls Oscar-Anwärter. Der brasilianische Film von Regisseur Kleber Mendonça Filho über einen Akademiker, der in den 1970er Jahren während der Militärdiktatur verfolgt wird, hat vier Gewinnchancen, auch als Bester Film.
Ein bewährter Gastgeber
Für die Oscar-Gala am 15. März steht ein Star auf der Bühne schon fest: Nach seiner Premiere als Gastgeber im vorigen Jahr soll der US-Comedian Conan O'Brien das Trophäenspektakel erneut moderieren. Der Komiker hatte jahrzehntelang seine eigene Late-Night-Show und arbeitet derzeit vor allem als Podcast-Gastgeber.