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Ernährung in Deutschland: Warum Fertiggerichte der falsche Feind sind

In Deutschland werden so viele Fertiggerichte verzehrt wie nie zuvor. Viele finden das schlimm. Aber das muss es nicht sein. Eine Roulade mit Rotkohl und Kloß für die Mikrowelle, die Tiefkühlpizza oder doch lieber die Sushi-Box aus dem Supermarkt? Pünktlich zur "Grünen Woche" hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass in Deutschland mehr Fertiggerichte hergestellt werden als je zuvor. Obwohl Ärzte, Gesundheitsforscher und Ernährungsberater immer dringlicher vor dem Verzehr hoch verarbeiteter Nahrungsmittel warnen, werden sie offenbar immer häufiger gekauft und verspeist. Deutschland futtert Fertiggerichte, als seien Blumenkohl und Rote Bete neuerdings hochgefährliche Aliens aus einer feindlichen Galaxie. Diese Erkenntnis muss die aufgeklärte Gemeinde erschüttern. Denn Fertiggerichte gelten nachgewiesenermaßen als gesundheitsschädlich. Sie sind für Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht mitverantwortlich, fördern chronische Entzündungen und vorzeitigen Gelenkverschleiß. Doch die millionenschweren Aufklärungskampagnen zur Verbreitung dieses Wissens haben offenbar nichts gebracht: Die Deutschen werfen die Fritteuse trotzdem an. Steigende Beiträge: "Die Länder machen die Krankenversicherung kaputt" Kalorienarme Rezepte: "Mit diesen Ernährungstipps nehmen Sie gesund ab" Es ist Zeit, umzusteuern – nur nicht so, wie sich das die Gesundheitsexperten vorstellen. Sie verlangen politische Maßnahmen wie hohe Steuern auf Fett, Zucker und Salz oder noch mehr Aufklärung. Dabei wäre es wahrscheinlich viel schlauer, den Staat vor der Tür zu lassen. Fertiggerichte sind sehr beliebt Verbraucher reagieren genervt auf die Versuche, sie zu Linsen und Olivenöl zu bekehren, und bleiben im Zweifel erst recht bei alten Gewohnheiten. Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen schickte 1.400 Konsumenten regelmäßig Newsletter zu den Vorzügen vegetarischer Ernährung und zum Fleischkonsum. Doch erreicht wurden nur die, die ohnehin schon wenig Fleisch aßen. Bei denen aber, die zu Beginn der Studie am meisten Fleisch auf dem Teller hatten, bissen die Aufklärer auf Granit. Ein Teil von ihnen aß am Ende der Studie mehr Fleisch als zuvor. Wahrscheinlich aus Trotz. So ist es wohl auch mit Fertiggerichten. Wer sie mag, isst sie weiter, unabhängig davon, wie laut die Ermahnungen sind: Vor allem die Generation, die mit Lebensmittelwarnungen aller Art aufgewachsen ist, isst heute am liebsten Fertiges. Bei unter 45-Jährigen sind Tiefgefrorenes und Fertiggerichte am beliebtesten, berichtet der "Germany Convenience Food Report" des Marktforschungsinstituts Yougov. Statt noch mehr Bevormundung zu fordern, könnten jetzt die anderen handeln: 1. Die Krankenkassen Die meisten Menschen sind nicht übergewichtig, weil sie das toll finden. Sie sind es, weil sie nicht anders können. Wer abnehmen will, aber seinen Lebensstil nicht ändern kann, hatte bisher kaum eine Chance. Diäten sind anstrengend und wirken meist nur kurze Zeit. Sport und Fitnessstudio nimmt man sich vor, lässt es dann aber lieber doch. Die neuen Abnehmspritzen dagegen wirken bei den meisten. Doch sie sind teuer und werden in der Regel von den Krankenkassen nicht bezahlt, weil sie als Lifestyle-Medikamente gelten. Das ist merkwürdig: Die Krankenkassen zahlen nach Schätzungen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft lieber rund 60 Milliarden Euro im Jahr für die Folgen von Übergewicht, als den Leuten den einfachen Weg zur Gewichtsreduktion zu öffnen. Die gesetzlichen Krankenkassen sollten umdenken und ihren Versicherten mit krankhaftem Übergewicht die Abnehmspritze genauso bezahlen, so wie sie das mit Insulin und Blutdrucksenkern selbstverständlich tun. Die neuen Medikamente werden nicht allen helfen, und nicht alle werden sie wollen. Aber für einen Teil werden sie ein längeres gesundes Leben möglich machen, selbst wenn die Versicherten nicht von Fertiggerichten lassen wollen. 2. Die Ernährungsindustrie Vor allem die Rezepte und die Portionen sind schuld daran, dass das Fertigessen vielen nicht gut bekommt. Würden die Hersteller Zucker, Salz, Fleischgehalt und gesättigte Fette reduzieren, ohne das groß an die Glocke zu hängen, würde das niemandem auffallen. Auch kleinere oder leichter portionierbare Packungen wären vernünftig. Sie kämen nicht nur Nutzern der neuen Abnehmspritze entgegen, sondern auch Älteren, die weniger Hunger haben. Je mehr es von ihnen gibt, desto eher werden kleine Portionen nachgefragt. Für viele wäre es ein Glück, wenn sie eine halbe Lasagne ohne Mühe in den Ofen schieben könnten, anstatt dem Tiefkühlblock vorher mit einem Beil zu Leibe rücken zu müssen. Fettleber droht: Fünf Lebensmittel, die der Leber schaden Ernährungsfalle: Diese drei Lebensmittel hindern den Fettabbau 3. Die Kantinen Pro Tag essen nach Schätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums etwa 16 Millionen Menschen in einer Schul- oder Universitätsmensa, in der Kantine oder in einem Krankenhaus oder Pflegeheim . "Ein Gesundheitsrisiko" könne ausgerechnet die Verpflegung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werden, urteilt eine Studie der Charité und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Für eine bessere Ernährung mit mehr Gemüse und Salat könnten diese Großküchen problemlos sorgen. Sie tun es aber zu selten. Das wird auch so bleiben, solange die Klage über schädliche Fertiggerichte oder das Verlangen nach gesetzlichen Höchstgrenzen diejenigen entlastet, auf die es wirklich ankommt. Das Fertiggericht ist der falsche Feind. Bessere Fertiggerichte zu machen, wäre für alle gut.


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