Nachruf Gernot Otto
Der FC Germania Forst trauert um sein langjähriges Mitglied Gernot Otto. Am 05.12.2025 verstarb er für uns alle völlig überraschend. Gernot war nicht nur Mitglied, sondern auch ehemaliger Spieler und schrieb unter anderem für die BNN was sich Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger und später am Forster Heuweg abspielte. Seine Aufzeichnungen, Berichte und Anekdoten sind ein wertvoller Teil der Forster Germanen-Geschichte.
Gernot hatte seine Antennen in Richtung vieler Sportarten ausgefahren und war eigentlich beim Turnverein, dem Lokalkonkurrenten der „Germanen“, zunächst mit Turnen und Leichtathletik, dann mit dem Tischtennis groß geworden. Allerdings vermochte auch er sich dem Fußball-Geschehen auf dem Platz an der Hambrücker Landstraße nicht zu entziehen. Als Forster Neubürger der 50er Jahre hatte bei ihm keine durch Generationen überlieferten, knorrigen Verwachsungen an Erzrivalität innerhalb der örtlichen Vereinslandschaft bestanden.
Seine erste Berührung mit den „Germanen“ geschah zunächst von den Stehplätzen aus, danach als Kicker auf etlichen Positionen – bisweilen gar im Trikot der ersten Mannschaft – und vor allem als Schreiberling. Zu jener Zeit, da der FC Germania Forst in der zweiten Hälfte der 60er Jahre in Leistungs-Hochblüte stand, wurden Forsts sportliche Großtaten den oft staunenden Lesern der Bruchsaler Rundschau, des Grünen Sportbericht Stuttgart, des Mannheimer Morgen sowie auch des ASZ Sportblatt in Ludwigshafen präsentiert.
Die beiden Meistertitel 1966 und 1969 in der ersten badischen Amateurliga, der dritthöchsten fußballerischen Leistungsstufe, bedeuteten absolute Höhepunkte schlechthin in Forst – für Spieler, Vereinsfunktionäre, Anhänger und naturgemäß für Vertreter der schreibenden Zunft wie ihn.
Aber von vorne – So berichtete Gernot 2009 über sich:
(…)In dessen Fußstapfen (BNN-Redakteur Wilhelm Blumhofer (Die Redaktion)) trat ein Pennäler, der bis dahin die Anfänge und hernach eine stete Aufwärtsentwicklung des Tischtennissports in Forst miterlebt und beschrieben hatte. Ein Buch mit sieben Siegeln war der Fußball für ihn gleichwohl nicht. Doch vor über vier Jahrzehnten nahmen sich Begleitumstände, auf welch wundersame Weise die meist handgeschriebenen Manuskripte stets pünktlich an Sonntagen um 18.30 Uhr in der Bruchsaler Redaktion eintrafen, bisweilen doch recht abenteuerlich aus. Der Erinnerungswert jener Epoche stieg inzwischen umso mehr, vergleicht man die Entstehung von jenen Erzeugnissen, welche tags darauf dem Leser auf dem Frühstückstisch von glanzvollen Germania-Auftritten kündeten, mit den weitaus größeren Möglichkeiten der modernen Medienwelt. Gibt’s denn heute noch einen Ersatzkeeper, der während des Matches auf der Bank hockt und dort schon den Bericht vom Spiel für die nächste Ausgabe per Hand zu schreiben beginnt? Findet man in der Gegenwart solche Protagonisten einer Kickermannschaft, die gar im Vereinsdress in die Redaktion stürmen, um festgesetzte Schlusszeiten bloß nicht zu verpassen? Zu Zeiten, als Mitschüler im Unterricht eifrig mit Lernübungen vor dem Abitur beschäftigt waren, entstand unter der Schulbank im Bruchsaler Justus-Knecht-Gymnasium so mancher Zeitungsbericht über das Geschehen beim FC Forst.
Die Feder ließ sich – zugegeben – leicht führen, als damals weit bekannte Spieler wie Adolf Luft, Heinz und Roland Firnkes, Heinz Riffel oder die aus dem Kreis Bruchsal verpflichteten Manfred Sauter, Kurt Händel, Stefan Tagscherer, Walter Lanz, Willi Wirth, Werner Knaus oder Siegfried Somnitz ihren Fans und den Schreiberlingen unvergessliche Fußball-Momente bescherten.
Ein heuer 100 Jahre alt gewordener Verein wie der FC Germania Forst lebt und zehrt freilich nicht allein von den glänzenden Darbietungen seiner Akteure. Am Rad, das den Jubelverein in Schwung hielt und hält, drehten und drehen viele Hände. Mal wurde dabei – übereifrig – übers Ziel hinausgeschossen. Doch meist war das Wohl des Vereins die bestimmende Triebfeder solchen Handelns. Episoden sowie Geschichten und Geschichtchen gab’s zuhauf, die seinerzeit über Wochen hinweg so manchen Stammtisch in Beschlag genommen, die viel Blut in Wallung gebracht hatten. Mitunter waren die Schmankerl ganz so druckreif nicht. Amüsant jedoch waren sie allemal. Sie künden – in mancherlei Ausprägung – von Verbundenheit der Hauptpersonen mit dem Verein. Und ebenso zeigen etliche Erlebnisse, wonach Leben im und mit dem Verein am Heuweg nicht allein einer puren Meierei gleichzusetzen ist. Ergötzliches bleibt auch dann amüsant und liebenswert, wenn zwischen jenen Episoden einer glanzvollen Germania-Epoche und der Gegenwart inzwischen mehrere Jahrzehnte und kaum zu zählende Kilometer liegen.
Wir behalten Gernot in großer Dankbarkeit als geselligen, zuverlässigen und wertvollen Menschen und Vereinskameraden in Erinnerung.
Er wird uns und allen Sportbegeisterten weit über Forst hinaus fehlen.
Unsere Gedanken und Wünsche sind bei seiner Frau und seiner Familie. Wir werden Gernot Otto stets ein ehrendes Andenken bewahren