Bitcoin war lange ein Spielplatz für Mutige. Laut einer Expertin könnte dieses Jahr aus dem Nervenkitzel erstmals etwas Dauerhaftes werden – mit Folgen für Anleger. Bitcoin stand in den vergangenen Jahren für starke Kursschwankungen und große Versprechen auf hohe Gewinne. Oftmals ging es mit den Kursen explosionsartig aufwärts – und ebenso schnell wieder nach unten. Nach Einschätzung von Johanna Beelitz, Expertin für digitale Vermögenswerte beim Krypto-Emittenten Valour, scheint genau diese Phase vorbei zu sein. Das Jahr 2026 könnte zum Wendepunkt werden: Entweder finden Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum endgültig ihren Platz im globalen Finanzsystem – oder sie verlieren für viele Privatanleger an Reiz. Die entscheidende Veränderung: Der Markt wird ruhiger, professioneller und stärker von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Für Anleger bedeutet das weniger Nervenkitzel, aber auch weniger Chaos. Oder anders gesagt: weniger Mut, dafür mehr Geduld. Der große Unterschied zu früheren Krypto-Jahren Nach Ansicht von Beelitz floss in den vergangenen Boomphasen viel frisches Geld in den Kryptomarkt. Niedrige Zinsen und eine sehr lockere Geldpolitik machten riskante Anlagen attraktiv. Davon profitierten Bitcoin und viele andere Kryptowährungen massiv. Die sieben größten Bitcoin-Mythen: Was stimmt wirklich? Digitale Altersvorsorge: Immer mehr Menschen setzen auf Bitcoin für die Rente Dieses Umfeld existiere 2026 nicht mehr. Die großen Zentralbanken lockerten ihre Geldpolitik nur vorsichtig, der US-Dollar bleibe vergleichsweise stark. Internationale Liquidität fließe daher eher langsam als in großen Wellen. Bitcoin profitiere zwar weiterhin von Verbesserungen der finanziellen Rahmenbedingungen, erklärt Beelitz. Der starke Rückenwind eines neuen globalen Geldschubs bleibe jedoch aus. Genau das mache 2026 zu einem Schlüsseljahr für Bitcoin, Ethereum und den gesamten Kryptomarkt. Bitcoin folgt stärker der Weltwirtschaft Nach Einschätzung der Krypto-Expertin reagiert Bitcoin heute deutlich sensibler auf makroökonomische Faktoren als früher: Inflation , Zinsen und die Stärke des US-Dollars bestimmten zunehmend die Kursentwicklung. Für Anleger heißt das: Bitcoin steigt nicht mehr allein wegen guter Stimmung an den Märkten oder neuer Trends. Er reagiert stärker auf das wirtschaftliche Umfeld und verliert damit einen Teil seines spekulativen Charakters. Große Investoren setzen den Ton Ein weiterer Wandel betrifft die Akteure am Markt. 2026 bestimmen Beelitz zufolge nicht mehr euphorische Privatanleger das Geschehen, sondern vor allem institutionelle Investoren, also Banken, Fonds und große Vermögensverwalter. Diese gehen Risiken ein, aber sehr gezielt. Ihr Fokus werde auf wenigen, etablierten Kryptowährungen liegen. Bitcoin stehe dabei klar im Mittelpunkt, gefolgt von Ethereum und einzelnen weiteren großen Kryptoprojekten. Breite Wetten auf viele kleine Coins spielten kaum noch eine Rolle. Bitcoin-Papst Adam Back: Hat der Engländer mit seiner Untergangsprognose recht? Tech-Visionär Ian Rogers: "Das Smartphone ist unsicher – und das wird sich nie ändern" Beelitz beschreibt diese Entwicklung so: Institutionelle Anleger suchten vor allem Liquidität, klare Regeln und eine verlässliche Marktstruktur. Genau das fänden sie vor allem bei Bitcoin und Ethereum. Der Markt sei reifer geworden, aber keineswegs frei von Risiken. ETFs verändern den Kryptomarkt grundlegend Ein zentrales Thema für 2026 sind laut Beelitz börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs . Diese Produkte ermöglichen es Anlegern, in Bitcoin oder Ethereum zu investieren, ohne die Kryptowährungen selbst zu halten. Die Geldflüsse in diese ETFs gewinnen zunehmend an Bedeutung. Fließt Kapital hinein, steigen die Kurse. Ziehen Anleger Geld ab, geraten sie unter Druck. Diese Entwicklung führt dazu, dass große Kryptowährungen stabiler werden, während kleinere Projekte stärkeren Schwankungen ausgesetzt bleiben. Auch Unternehmen, die Bitcoin oder Ethereum in ihren Bilanzen halten, spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Ihre Kauf- oder Verkaufsentscheidungen wirken sich direkt auf den Markt aus. Altcoins unter Druck Für kleinere Kryptowährungen beschreibt Beelitz ein deutlich härteres Marktumfeld. Kurzfristige Trends oder Hypes reichten nicht mehr aus, um dauerhaft Kapital anzuziehen. Ohne eine sehr lockere Geldpolitik fehle häufig die Nachfrage. Sinnvolle Alternative: Das steckt wirklich hinter Ripple und XRP Chancen haben vor allem Projekte mit klaren Anwendungsfällen, etwa im Bereich stabiler digitaler Währungen oder technischer Infrastruktur. Für Anleger bedeutet das: Die Auswahl wird wichtiger, pauschale Spekulationen werden riskanter. Regulierung bringt Klarheit – und neue Hürden 2026 stellt auch regulatorisch ein Schlüsseljahr dar, so Beelitz. In den USA wird über neue Regeln für den Kryptomarkt diskutiert, die mehr Klarheit schaffen könnten. In der Europäischen Union endet Mitte 2026 eine Übergangsfrist, ab dann gelten strengere Zulassungspflichten für Anbieter. Neues Transparenzgesetz: Krypto-Gewinne werden künftig automatisch erfasst Kryptoverluste: Dürfen sie steuerlich verrechnet werden? Diese Regeln bremsen den Markt kurzfristig. Langfristig schaffen sie jedoch Vertrauen. Die Krypto-Expertin betont, dass gerade diese regulatorische Klarheit entscheidend dafür sei, ob Kryptowährungen dauerhaft im Finanzsystem bestehen können. Ausblick 2026: Weniger Nervenkitzel, mehr Stabilität Der Kryptomarkt verliere 2026 einen Teil seines Nervenkitzels, fasst Beelitz zusammen. Doch genau darin liegen seine Chancen. Bitcoin und Ethereum entwickeln sich zunehmend zu digitalen Basiswerten. Extreme Kurssprünge werden seltener, dafür steigt die Planbarkeit. Für Anleger bedeutet das: Sie müssen weniger auf den perfekten Einstiegszeitpunkt hoffen und weniger Risiko eingehen. Stattdessen rücken Geduld, ein langer Atem und der Blick auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den Vordergrund. 2026 entscheidet sich, ob Kryptowährungen endgültig erwachsen werden. Für Anleger, die auf schnelle Gewinne abzielen, mögen das schlechte Nachrichten sein. Für alle, die auf Stabilität und langfristige Entwicklung setzen, könnten es sehr gute sein.