Eigentlich wollten Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen. Doch nach sechs Spieltagen stehen bei beiden Zweitligisten die Cheftrainer kurz vor dem Aus. "Der Trainer ist verantwortlich dafür, dass sich das bessert", wurde Klaus Allofs neulich zitiert. "Es wäre nicht glaubwürdig, wenn ich sagen würde, der Trainer ist außerhalb jedweder Diskussion." Sportvorstand Allofs ist der starke Mann bei Fortuna Düsseldorf , aber auch nicht gänzlich unschuldig an der aktuellen Misere, wie etwa der "Kicker" in dieser Woche analysierte. Düsseldorf hatte in der Vorsaison den Aufstieg knapp verpasst, im Sommer Mittelfeldspieler Ísak Jóhannesson und Verteidiger Jamil Siebert verloren, aber im Gegenzug auch einige Spieler verpflichtet. Jedoch gab es bei den Neuzugängen einige Haken. Manche konnten verletzungsbedingt die Vorbereitung nicht bestreiten und sind bislang kein Faktor. Das trifft etwa auf Linksverteidiger Christopher Lenz zu, der von TSG Hoffenheim kam. Offensive Neuzugänge wie Cedric Itten und Florent Muslija trafen erst kurz vor oder nach dem Saisonstart in Düsseldorf ein. Allofs, der vor dem Trainingsstart erklärte, dass Fortuna in dieser Saison unbedingt aufsteigen wolle, hat also Thioune kaum geholfen. Der Kader bildet noch keine Einheit und der Cheftrainer muss erst austüfteln, wie genau diese Spieler in sein 4-2-3-1- oder 4-1-4-1-System passen. Bereits zum Ende der Vorsaison kraftlos Was jedoch Thioune am meisten schadet, ist die relative Energielosigkeit des Teams – gerade bei Heimauftritten, in denen Fortuna bislang kein Treffer gelang und nur einen Punkt erzielte. Diese Spielweise zieht sich gewissermaßen schon seit der Schlussphase der Vorsaison durch, als Düsseldorf nur noch minimale Aufstiegschancen hatte und mehr oder weniger abschenkte. Thioune muss es also auch ohne Führungsspieler wie Jóhannesson und Siebert schaffen, dass die Mannschaft mehr Einsatz zeigt. Allerdings ist allseits bekannt, dass Einsatzbereitschaft allein in der modernen 2. Bundesliga nicht ausreicht, um Spiele zu gewinnen. Thiounes Spielsystem war schon in den Vorjahren recht deutlich auf Stabilität ausgelegt. Selten wurden Partien komplett dominiert, meist spielte man aus einer kompakten Formation heraus und ging gerne über die Flügel. Allerdings schlichen sich – auch aufgrund der ausbaufähigen Abstimmung innerhalb des Teams – in dieser Saison schon einige Fehlpässe ein. Auch 50:50-Zweikämpfe wurden selten gewonnen. Schon bröckelt das System von Thioune gewaltig. Er hat sich sicherlich keinen Gefallen damit getan, innerhalb weniger Wochen von seinem 4-1-4-1/4-2-3-1 wegzugehen und zwei Spiele lang ein 3-5-2 auszuprobieren. Eingespieltheit ist ein wichtiger Schlüssel für seine Art von Fußball. Am Samstagabend gegen Bochum muss bestenfalls ein Sieg gegen jenes Team her, gegen das man vor etwas mehr als einem Jahr in der Aufstiegsrelegation auf dramatische Weise verlor. Gelingt der Umschwung im Ruhrstadion nicht, wird Allofs wohl die Reißleine ziehen. Saisonvorbereitung brachte in Berlin keine Besserung Eine ähnliche Gemengelage gibt es auch in der Bundeshauptstadt. Bei Hertha BSC ist Cheftrainer Stefan Leitl zusammen mit Kaderplaner Benjamin Weber gehörig angeschlagen. Der neue Geschäftsführer Peter Görlich, der erst seit Anfang des Monats im Amt ist, möchte sicherlich ungern in seinen ersten Tagen direkt eine drastische personelle Veränderung vornehmen. Allerdings verliert Hertha nicht nur das Ziel des Aufstiegs aus den Augen, sondern droht wieder einmal im Abstiegskampf zu versinken. Ein möglicher Abstieg in Liga drei würde aufgrund der Verschuldung, des negativen Eigenkapitals und der dann ungeklärten Stadionfrage den Klub an den Abgrund drängen. Anders als in Düsseldorf stand der Kader von Hertha bereits zum Saisonstart Anfang August. Leitl hatte Zeit, mit dem Team zu arbeiten und auch die Unzulänglichkeiten, die er in der Rückrunde der Vorsaison sah, zu beseitigen. Immerhin kam Leitl erst am 17. Februar als Nachfolger von Cristian Fiél . Eigentlich genießt der Münchener ein hohes Ansehen in der 2. Bundesliga und wurde zuletzt noch in einem Atemzug mit Christian Titz oder Horst Steffen genannt. Darum ist es noch erschreckender, dass es in der Sommervorbereitung nicht gelang, gerade auch die Schwächen im Pressing auszubessern. Das Anlaufen einiger seiner Spieler ist weiterhin ausbaufähig. Zudem führt das teils aggressive Vorschieben dazu, dass sich im 3-5-2 die Außenspieler quasi auf Inseln befinden und dort gegen schnelle Gegenspieler verteidigen müssen, ohne eine entsprechende Absicherung im Rücken zu haben. Der 21-jährige Julian Eitschberger etwa war seinen Gegenspielern mehrfach deutlich unterlegen. Paderborn und Co. erhöhen den Druck auf die Großen Mittlerweile hat sich auch Leitl wie zuletzt Thioune dazu entschieden, die Grundformation anzupassen. Zunächst kam es zum 3:0-Sieg bei Leitls Ex-Klub Hannover 96 , der jedoch etwas glücklich vonstattenging. Im heimischen Olympiastadion gab es eine Woche später erneut eine Enttäuschung, nämlich ein 0:2 gegen Paderborn. Manches spricht dafür, dass der Kader für ein System mit Viererkette besser geeignet wäre, dagegen spricht aber das eigentliche Fehlen eines Linksverteidigers. Auf der linken Seite musste zuletzt stets Deyovaisio Zeefuik ran. Sicherlich musste auch Hertha die Abgänge der Offensivkräfte Derry Scherhant und Ibrahim Maza verkraften, aber das ist noch lange kein Grund dafür, dass der Hauptstadtklub in nahezu allen Spielen wie die unterlegene Mannschaft wirkt und allenfalls über offensives Umschalten Gefahr ausstrahlen kann. Der Anspruch vor der Saison war ein gänzlich anderer. So steigt der Druck auch im weiten Rund des Olympiastadions, ähnlich wie in Düsseldorf oder Bochum oder Nürnberg. Die 2. Bundesliga ist weiterhin die Heimat vieler Traditionsklubs, die sich vom Selbstverständnis her eher in Liga eins oder zumindest an der Tabellenspitze von Liga zwei sehen. Weil aber kleinere Vereine wie Paderborn, Darmstadt oder mittlerweile Elversberg immer wieder oben reinstechen und den Großen ein Bein stellen, ist ein Drama im Unterhaus des deutschen Profifußballs – inklusive der obligatorischen Trainerdiskussionen – wohl abzusehen.