Harry Kane pulverisiert einen historischen Rekord und überflügelt dabei zwei Starspieler. Anschließend spricht er Klartext über die Spekulationen um seine Zukunft. Aus München berichtet Julian Buhl In den vergangenen Tagen wurde viel über Harry Kane und seine Zukunft beim FC Bayern geredet. Am Freitagabend ließ der Stürmer beim 4:0 gegen Werder Bremen zunächst wieder mit einem Doppelpack Taten auf dem Platz für sich sprechen. Im Anschluss folgten deutliche Worte – auch zu den Spekulationen um einen möglichen Abschied aus München. "Es ist verrückt, auch für mich", sagte Kane, als er in den Katakomben der Arena auf den historischen Rekord angesprochen wurde, den er mit seinen beiden Treffern soeben aufgestellt hatte. Es waren seine Tore Nummer 99 und 100 für Bayern, die ihm im 104. Pflichtspiel gelungen waren. So schnell schaffte das vor ihm noch keiner – zumindest nicht im 21. Jahrhundert in Europas Top-5-Ligen. Kane übertrumpfte damit sogar Cristiano Ronaldo und Erling Haaland , die beide jeweils 105 Partien benötigten, um die 100-Tore-Marke zu durchbrechen. "Es ist eine Ehre, für diesen tollen Klub 100 Tore zu schießen", so Kane. Das auch noch in Rekordzeit zu schaffen, sei etwas, worauf er "extrem stolz" sei. Eines Tages, wenn er älter sei, werde er davon wahrscheinlich seinen Kindern und Enkelkindern erzählen, scherzte er und lachte. Kanes Versprechen klingt wie eine Drohung Aber in diesem Moment, betonte der 32-Jährige, habe er die Einstellung, dass er auch die nächsten 100 Tore so schnell wie möglich erzielen wolle. Was er dann noch folgen ließ, dürfte für die Konkurrenz wie eine Drohung klingen: "Hoffentlich kriegen wir das dann noch schneller hin." Die große Frage, die in diesen Tagen im Raum stand, war dabei, ob er gewillt ist, die nächsten 100 Tore ebenfalls für den FC Bayern zu schießen. Kane beantwortete sie nun unmissverständlich: "Natürlich für Bayern München . Ich bin sehr glücklich hier." Ihm sei bewusst, dass es von außen viel Gerede, Geräusche und Gerüchte um seine Person gebe. Das sei nachvollziehbar und üblich, wenn Spieler in ihrem Vertrag nur noch "ein paar Jahre" übrig hätten. Er sehe derartige Diskussionen "immer als Kompliment", stellte gleichzeitig aber klar: "Ich kann nur sagen, dass mein Fokus hier beim FC Bayern München liegt." Auch seine Familie sei glücklich in München und dort nach mittlerweile zwei Jahren komplett angekommen. Die Kanes sind in ihrer Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald heimisch geworden. Kane wird zum 100-Millionen-Euro-Schnäppchen Aus Sicht des deutschen Meisters hat sich die Rekordinvestition von knapp 100 Millionen Euro, die der Klub vor zwei Jahren für Kane an Tottenham Hotspur überwiesen hatte, schon jetzt mehr als bezahlt gemacht. Mit 100 Toren hat er das in ihn gesetzte Vertrauen in Rekordzeit zurückgezahlt. Mehr noch. In Anbetracht seiner derzeitigen Topform und auch dessen, was er in den vergangenen zwei Jahren insgesamt in München abgeliefert hat, muss man vielmehr festhalten, dass er für Bayern längst zu einem 100-Millionen-Euro-Schnäppchen geworden ist. Zuletzt berichtete die "Bild" allerdings von einer Ausstiegsklausel in Kanes Vertrag im kommenden Sommer über 65 Millionen Euro, die Kane wohl aber bis spätestens Ende Januar aktivieren müsste. Seinen Worten war nun jedoch alles andere als irgendwelche kurzfristigen Abschiedspläne zu entnehmen. Kane spricht Klartext zu den Abschiedsgerüchten An den Gerüchten, dass er im kommenden Sommer gerne zurück nach England wechseln würde, ist also nichts dran? "Nein, nicht im Moment. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag und genieße jede Minute hier", sagte Kane. Im Gegenteil kann er sich sogar eine Verlängerung seines noch bis Sommer 2027 datierten Vertrags beim Rekordmeister vorstellen. "Darüber können wir sicher reden", sagte Kane: "Es ist aber nicht so, dass ich im letzten Vertragsjahr bin und jemand in Panik gerät." Und weiter: "Mir geht es gut. Dem Verein geht es gut. Ich denke, sie sind zufrieden mit mir, und ich bin zufrieden mit ihnen. Solche Gespräche könnten stattfinden." Den Torrekord von 260 Treffern in der Premier League noch zu knacken, den aktuell noch Alan Shearer mit 47 Treffern mehr hält, habe er bei seinem Wechsel nach Deutschland zwar im Hinterkopf gehabt, so Kane. Momentan spiele dieser für ihn aber keine große Rolle mehr. Warum? "Seit ich hier angekommen bin, genieße ich es so sehr, auf diesem Level, in diesen Nächten in der Champions League zu spielen und dort mit Bayern einer der Favoriten zu sein", führte Kane aus. Auf diesem höchsten Level wolle er sich weiter so lange wie möglich beweisen und schauen, wie weit er es dabei schaffen könne. Und nicht etwa irgendwelche individuellen Auszeichnungen verfolgen. Jetzt jagt Kane Lewandowski Bestmarken gibt es aber auch beim FC Bayern noch einige zu knacken. Etwa den Torrekord mit 41 Treffern in einer Bundesligasaison, den sein Vorgänger Robert Lewandowski innehält. "Das wäre ein weiterer fantastischer Rekord", sagte Kane, den er natürlich ebenfalls versuchen werde, zu überbieten. Es sei aber noch viel zu früh in der Spielzeit, um zu beurteilen, ob er tatsächlich in Reichweite kommen könnte. Mit Lewandowskis Fabelmarke sei er bereits in seiner ersten Saison bei Bayern häufig konfrontiert worden, erinnerte sich Kane, der damals am Ende auf 36 Bundesligatore kam. Diese Diskussion könne man im März oder April besser führen. "Jetzt waren es zehn Tore in fünf Spielen", sagte Kane. Exakt die gleiche Bilanz hatte übrigens auch Lewandowski in seiner Rekordsaison 2020/21 nach fünf Spieltagen vorzuweisen. Kane scherzte: "Wenn ich diesen Schnitt halten kann, dann ist es natürlich möglich. Aber das wird verdammt schwer, das über eine gesamte Saison aufrechtzuerhalten." In der Form, in der sich Kane momentan präsentiert, wäre ihm das aber zuzutrauen. Nach Ronaldo und Haaland könnte das auch Lewandowski schon bald zu spüren bekommen.