Elf Tage nach dem tödlichen Attentat auf den ultrarechten US-Aktivisten Charlie Kirk hat es in Arizona eine imposante Trauerfeier gegeben. Auch US-Präsident Donald Trump sprach zu den Kirk-Anhängern. Das Trump-Lager hat mit einer Trauerfeier bei Phoenix im US-Bundesstaat Arizona an den 31-jährigen Charlie Kirk erinnert. Vor Ort waren US-Präsident Donald Trump und sein Vizepräsident JD Vance, US-Milliardär Elon Musk und zahlreiche weitere Regierungsvertreter. Wegen der vielen Teilnehmer aus dem Weißen Haus wurden laut Reportern zwei Flugzeuge für die Anreise aus Washington benötigt. Viele in den USA erinnerte die Zeremonie an eine Heiligsprechung. Inszeniert wie eine Mischung aus Gottesdienst, christlichem Popkonzert und politischer Kundgebung geriet die Veranstaltung mit Zehntausenden Teilnehmern auch zu einer Machtdemonstration der Bewegung hinter Trump – und wohl auch zum Katalysator für eine zunehmend kämpferische Agenda seiner Regierung. Der gewaltsame Tod Kirks vor laufenden Kameras hat die amerikanische Rechte tief erschüttert. Der Aktivist machte sich als angeblicher Verfechter der Meinungsfreiheit einen Namen. Mit seiner Organisation Turning Point USA, die er 2012 mit 18 Jahren gründete, besuchte er Hochschulen und forderte Studierende – auch solche mit anderer politischer Haltung – zur Debatte heraus. Kritiker warfen ihm rassistische, homophobe und sexistische Ansichten vor. Bei einer solchen Veranstaltung wurde Kirk am 10. September im Bundesstaat Utah erschossen. Trump: Attentat hat Kirk "unsterblich" gemacht Trump selbst bezeichnete Kirk in seiner Rede als "Märtyrer für die amerikanische Freiheit". Kirk sei von einem "radikalisierten, kaltblütigen Monster auf abscheuliche Weise ermordet" worden, sagte Trump. Der 31-Jährige sei getötet worden, weil er sich "für Freiheit und Gerechtigkeit, für Gott und sein Land, für Vernunft und gesunden Menschenverstand eingesetzt" habe. Das Attentat habe ihn "unsterblich" gemacht. Nach dem Attentat hatte Trump "radikale Linke" für Kirks Tod verantwortlich gemacht. Seitdem kündigte er ein verschärftes Vorgehen gegen politische Gegner und kritische Medien an. "Ich hasse meine Gegner und wünsche ihnen nicht das Beste." Trump wies auch auf deutliche Unterschiede zwischen Kirk und ihm selbst hin: Kirk sei ein "Missionar mit einem edlen Geist" gewesen, der seine Gegner nicht gehasst habe. "Da stimme ich mit Charlie nicht überein: Ich hasse meinen Gegner, und ich will nicht das Beste für ihn", betonte Trump. "Es tut mir leid, Erika", sagte er an die Witwe gerichtet. "Charlie ist wütend. Sieh nur, er ist jetzt wütend auf mich", sagte der Präsident, während die Menge ihm applaudierte. Kirks Witwe Erika rief die Vereinigten Staaten dagegen zur Versöhnung auf. "Die Antwort auf Hass ist nicht Hass", sagte sie. "Die Antwort, die wir aus dem Evangelium kennen, ist Liebe". An den Attentäter gerichtet sagte Erika Kirk: "Dieser junge Mann, ich vergebe ihm". Die Menge applaudierte ihr, während sie sich die Tränen wegwischte. Dann fügte sie hinzu: "Das ist es, was Christus getan hat und was Charlie tun würde". Jagd auf politische Gegner: Die Stimmung in den USA gerät außer Kontrolle Kirk-Attentat: Ermittler suchen nach Verbindung zu linken Gruppen Tausende kamen zur Trauerfeier für Charlie Kirk Schon im Morgengrauen hatten sich Tausende vor dem Stadion in Glendale im Bundesstaat Arizona versammelt, wo Kirk zuletzt mit seiner Familie lebte. In der Schlange stimmen sie "USA"-Rufe an, viele sind in Rot, Weiß oder Blau gekleidet – wie von Turning Point erbeten. Die Arena fasst bis zu 73.000 Zuschauer, zusätzlich wurde eine weitere Halle für diejenigen eingerichtet, die nicht mehr hineinkommen. Um ins Stadion zu gelangen, mussten Besucher ausführliche Sicherheitskontrollen passieren. Zwar wären die Vorkehrungen ohnehin streng, angesichts der Umstände ist die Sorge vor möglicher Gewalt besonders groß. Nach US-Medienberichten stufte das Heimatschutzministerium die Trauerfeier auf eine ähnliche Sicherheitsstufe wie den Superbowl oder den New-York-Marathon ein. Am Mittag (Ortszeit) begann das Programm- mit christlicher Musik, Gebeten und Gesang. "Ihr werdet vom Who's Who hören", kündigte ein Pastor zu Beginn an. Auf der Rednerliste standen neben Kirks Witwe Erika auch Präsident Trump und Vizepräsident JD Vance. Elon Musk winkt der Menge zu Trotz seines Bruchs mit Trump war auch Tech-Milliardär Elon Musk bei der Kirk-Trauerfeier mit dabei. In der Liveübertragung war zu sehen, wie er mit Politikern der Republikanischen Partei sprach und der Menge zuwinkte und sogar mit Trump selbst sprach. Musk hatte im vergangenen Jahr mehr als 250 Millionen Dollar für Trumps Wahlkampf gespendet. In den ersten Monaten von Trumps Amtszeit wurde er zu einem engen Vertrauten des Präsidenten und war auch wiederholt im Weißen Haus zu sehen. Doch dann kam das Zerwürfnis nach einem teilweise öffentlich ausgetragenen Streit über ein von Trump vorangetriebenes Haushaltsgesetz. Das Verhältnis der beiden erholte sich bislanbf nicht. Musk beschränkt seine politische Aktivität seitdem darauf, auf seiner Online-Plattform X rechte Ansichten zu vertreten. Auf der Bühne erinnerten sich Weggefährten Kirks an den 31-Jährigen. Solche Beiträge sind bei Trauerfeiern in den USA üblich. Weniger üblich ist die politische Bedeutung der Veranstaltung: Mit stark religiös aufgeladener Sprache wurde Kirk nicht nur als Verstorbener, sondern auch als Symbolfigur für die Zukunft der von ihm mitgeprägten "Make America Great Again"-Bewegung dargestellt. Ermittlungen zu Attentat laufen Im Laufe der Jahre war Kirk zu einem der bekanntesten Gesichter der amerikanischen Rechten aufgestiegen. Über seine Plattformen, darunter auch ein erfolgreicher Podcast, erreichte er ein Millionenpublikum, vor allem junge Menschen. Im Wahlkampf half er Trump, bei ihnen populärer zu werden. Er galt als enger Vertrauter von Vizepräsident Vance; Trumps ältester Sohn Don Jr. erklärte nach dem Attentat, Kirk sei für ihn wie ein Bruder gewesen. Kirks mutmaßlichem Mörder – einem 22-Jährigen – droht die Todesstrafe. Nach ersten Erkenntnissen handelte er allein. Über sein Motiv herrscht bislang keine abschließende Klarheit. Ermittler erklärten unter Berufung auf Angehörige und sichergestellte Textnachrichten, der junge Mann – der aus einem konservativen Elternhaus stammen soll - habe zuletzt eine linke politische Haltung eingenommen. Er war Medienberichten zufolge außerdem wohl in der Gamer-Szene aktiv. Wie genau dies sein Handeln beeinflusste, ist offen. In einer Nachricht schrieb er laut Anklage, er habe genug von Kirks "Hass". Im Netz verbreiteten sich nach dem Anschlag rasch Mutmaßungen über mögliche Hintergründe. Während die Trauerfeier lief, erklärte FBI-Chef Kash Patel, man gehe zahlreichen Theorien nach. Patel selbst hatte vor seiner Ernennung in Podcast-Auftritten wiederholt Verschwörungstheorien geschürt. Sorge um Meinungsfreiheit in den USA Trump und sein Umfeld machen die Rhetorik der "radikalen Linken" für das Attentat verantwortlich – und blenden damit nach Ansicht von Kritikern das breitere Problem einer zunehmenden Radikalisierung im Land aus. Stattdessen, so der Vorwurf, gieße Trump mit seinen Äußerungen zusätzlich Öl ins Feuer. Im Zuge dessen wird auch heftig darüber gestritten, wie über Kirk und seinen Tod gesprochen werden darf. Beobachter warnen, das Attentat könne zu einem Hebel werden, um Opposition, Presse und kritische Stimmen einzuschränken. "Tränen in Feuer verwandelt" Wie eng sich Trauer, Wut, religiöse Botschaften und politische Deutung bei der Feier verbanden, zeigte sich in den Reden auf der Bühne. Manche riefen zu Liebe und Einheit auf, erzählten von persönlichen Erinnerungen an Kirk. Andere schlugen deutlich härtere Töne an und knüpften teils auch an die "Great Replacement Theory" an – eine in rechtsextremen Kreisen verbreitete Verschwörungserzählung, wonach Migration und gesellschaftlicher Wandel einen gezielten Austausch der weißen Mehrheitsbevölkerung herbeiführen sollen. "Wir werden über die Mächte des Unrechts und des Bösen siegen", sagte etwa Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller und erklärte, die Tränen über Kirks Tod hätten sich in ein "Feuer" verwandelt, das die "Feinde" nicht verstehen könnten. Der rechtsradikale Kommentator Benny Johnson rief die Menge auf, zu heiraten und Kinder zu bekommen, "damit Millionen neuer Charlie Kirks entstehen und wir unser Land retten können". Verschwörungstheoretiker Jack Posobiec erklärte, man werde die Linke, die Medien und die Demokraten den Namen Kirk niemals vergessen lassen. In den Geschichtsbüchern werde sein "Opfer" als Wendepunkt erscheinen - als einer der entscheidenden Momente zur "Rettung der westlichen Zivilisation".