Ein Portfolio nur aus Aktien? Klingt einfach, ist es aber nicht. Warum die Mischung entscheidend ist. Wenn Aktien langfristig die höchste Rendite bringen, könnten Sie doch alles in Aktien stecken, das dazugehörige Risiko aushalten und fertig – oder? Aber halten Sie diese Anlagestrategie über Jahre wirklich durch – finanziell und nervlich? Was in der Theorie verlockend klingt, sieht in der Realität oft ganz anders aus. Deshalb sollten Anleger auf die sogenannte Asset Allocation setzen – den entscheidenden Faktor für den Anlageerfolg. Wir erklären Ihnen, wie dieses Konzept funktioniert und warum vielen Anlegern nicht bewusst ist, wie wichtig eine Aufteilung des Vermögens ist, statt alles auf eine Karte zu setzen. Aktien schlagen alle Anlageklassen, aber ... Historisch betrachtet gibt es eine klare Gewinnerin unter den Anlageklassen: die Aktie. Wer weltweit gestreut in Aktien investiert und das Investment jahrzehntelang hält, hat die höchste Renditeerwartung. Laut einer Auswertung des US-Ökonomen Jeremy Siegel erzielten amerikanische Aktien 6,6 bis 7 Prozent reale Rendite pro Jahr über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten. Das Prinzip ist simpel: Unternehmen wachsen, erwirtschaften Gewinne, und als Aktionär profitieren Sie davon durch steigende Aktienkurse und Dividenden. In der Theorie könnten Sie also Ihr gesamtes Vermögen in Aktien stecken, alle Kursschwankungen ignorieren und am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr herausbekommen als mit jeder anderen Anlageform. Aktienrückkäufe oder Dividenden: Diese Strategie bringt Anlegern mehr Gewinn Defensive Aktien: Die Crème de la Crème der Langeweile Das Problem: Die Theorie blendet den Weg dorthin aus. Aktienmärkte schwanken stark – minus 30, 40 oder sogar 50 Prozent in einzelnen Jahren sind keine Seltenheit. Wer in solchen Phasen Liquidität braucht oder nervlich aussteigt, zerstört den Renditevorteil. Stolpersteine an der Börse Wer sein gesamtes Kapital an der Börse in Aktien investiert, sollte sich in jedem Fall des hohen Risikos bewusst sein. Risiko umfasst dabei weit mehr als nur die Gefahr, alles zu verlieren – es schließt auch Kursschwankungen, Kaufkraftverlust und andere finanzielle Unsicherheiten ein. Die größten Stolpersteine liegen oft auch in der Unfähigkeit, in jeder Situation völlig rational zu handeln – und in den Momenten, in denen das Leben anders verläuft als geplant. Diese Risiken könnten Ihre Aktienstrategie durchkreuzen: Liquiditätsrisiko: Was, wenn Sie plötzlich Geld brauchen und der Markt gerade um 40 Prozent eingebrochen ist? Wer dann verkaufen muss, realisiert Verluste – selbst wenn sich die Kurse später erholen. Verhaltensrisiko: Starke Kurseinbrüche lösen bei vielen Panik aus. Das führt zu Verkäufen am Tiefpunkt und dem verpassten Wiedereinstieg – der Renditekiller Nummer eins. Pfadabhängigkeit (Sequenzrisiko): Es zählt nicht nur der Endwert, sondern auch die Reihenfolge der Renditen. Wer zu Beginn einer Entnahmephase Verluste erleidet, kann sein Kapital dauerhaft schwächen, selbst wenn die Märkte sich später erholen. Zielrisiko: Nicht jeder braucht oder will die maximale Rendite. Wer etwa für ein konkretes Ziel in zehn Jahren spart, riskiert mit einem zu hohen Aktienanteil, dieses Ziel zu verfehlen, wenn kurz vor der Auszahlung ein Crash kommt. Asset Allocation entscheidend Um solche Risiken zu umschiffen oder zu minimieren, ist eine strategische Aufteilung des eigenen Vermögens auf verschiedene Anlageklassen notwendig. Die 80–90-Prozent-Regel, die auf die US-amerikanischen Finanzwissenschaftler Brinson, Hood und Beebower (1986, 1991) sowie Ibbotson und Kaplan (2000) zurückgeht, beschreibt genau dieses Vorgehen. In Studien haben die Wissenschaftler die Renditen von Pensionsfonds untersucht. Ihr zentrales Ergebnis: Der größte Teil der langfristigen Wertentwicklung eines Portfolios wird nicht durch die Auswahl einzelner Wertpapiere oder das Market Timing – also den Zeitpunkt des Kaufs bestimmter Wertpapiere – bestimmt, sondern durch die strategische Vermögensaufteilung. Damit ist die grundsätzliche Aufteilung des Kapitals auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien gemeint. Vom Traum vieler Anleger: Geldanlage ohne Risiko – gibt's die? Ewige Rente : So funktioniert die unendliche Geldquelle Mit anderen Worten: Ob Sie 60 oder 100 Prozent Aktien halten, prägt Ihr Risiko- und Renditeprofil weit stärker als die Frage, ob Sie Apple oder Microsoft im Depot haben. Die richtige Vermögensaufteilung ist damit das Fundament, auf dem jede Anlagestrategie stehen sollte. Stabilität durch Diversifikation Andere Anlageklassen als Aktien sind selten Renditetreiber – ihre Aufgabe liegt woanders: Sie sollen das Portfolio stabilisieren, Schwankungen abfedern und in Krisen Liquidität sichern. Anleihen: Sie bringen zwar langfristig weniger Rendite als Aktien, schwanken dafür aber deutlich weniger . In Crashphasen können sie wie ein Stoßdämpfer wirken und Kapital für Umschichtungen freihalten. Gold und Rohstoffe: Sie zahlen keine Zinsen oder Dividenden, können aber in Phasen hoher Inflation oder geopolitischer Krisen als "Krisenwährung" dienen und das Portfolio vor extremen Verlusten schützen . Immobilien: Ob direkt oder über Fonds , sie können langfristig stabile Mieterträge liefern und sind oft weniger stark mit den Schwankungen der Aktienmärkte korreliert. Der Punkt ist: Diese Anlagen sollen nicht die Wertentwicklung von Aktien übertreffen, sondern dafür sorgen, dass Sie Ihre Aktieninvestments durchhalten. Ein Portfolio, das nicht wie die Nadel eines Erdbebenseismografen hektisch ausschlägt, lässt sich leichter aushalten – und genau das erhöht die Chance, am Ende die Rendite zu bekommen, die Ihnen zusteht. Was das für die Praxis bedeutet Für die meisten Anleger sind diese Erkenntnisse trotzdem schwer umzusetzen. Sie agieren eher emotional als strategisch, vielen fehlen die Zeit oder das Interesse, sich detailliert mit dem Thema zu beschäftigen. Daher raten Experten wie Kim Felix Fomm, Anlagechef der Spar- und Anlageplattform Raisin, sich durch digitale Angebote helfen zu lassen, was meistens dann die bessere Wahl ist im Vergleich zum Do-it-yourself-Ansatz. Tools wie Roboadvisor oder Vermögensverwaltungen könnten Anleger bei der richtigen Vermögensaufteilung unterstützen, erklärt Fomm weiter. "Viele denken, dass sie mit einem MSCI World die Märkte abgedeckt haben, dabei fehlt darin einiges: Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung, Rohstoffe oder auch Schwellenländer", so Fomm. Portfolio-Strategie stabil halten Wer einmal die Struktur festgelegt hat, muss dann nur noch darauf achten, dass sie stabil bleibt. Märkte schwanken, Kurse steigen und fallen, und ohne regelmäßiges Rebalancing – das heißt, die prozentuale Aufteilung wiederherzustellen – driftet Ihr Portfolio schnell von der ursprünglichen Strategie ab. Fazit: Asset Allocation lebt von einem klaren Plan, Ausdauer und etwas Fingerspitzengefühl. Ohne das bleibt sie eine schöne Idee – mehr nicht.