Mehr als 300 Festnahmen bei erneuten Ausschreitungen in Frankreich
Die Unruhen in Frankreich nach dem Tod eines 17-Jährigen durch eine Polizeikugel haben sich die fünfte Nacht in Folge fortgesetzt - die Gewalt nahm dabei aber offenbar ab. Laut einer Zwischenbilanz des französischen Innenministeriums von 01.30 Uhr MESZ in Nacht zum Sonntag lag die Zahl der Festnahmen bei 322. In der Vornacht hatte es laut den offiziellen Zahlen landesweit mehr als 1300 Festnahmen gegeben.
Ausschreitungen gab es in der Nacht zum Sonntag unter anderem im Raum Paris, in Marseille und Lyon. In Marseille lösten die Sicherheitskräfte Ansammlungen junger Menschen im Stadtzentrum auf, es gab dort nach der vorläufigen Bilanz der Behörden 56 Festnahmen. Die Gruppen der Protestierenden waren demnach kleiner als in der Nacht zuvor.
Im Großraum Paris wurden in der Nacht zum Sonntag den vorläufigen Angaben zufolge 126 Menschen während der Proteste festgenommen. Aus Lyon wurden 21 Festnahmen gemeldet.
Auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées in Paris war die Präsenz der Sicherheitskräfte in der Nacht zum Sonntag massiv, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Kleine Gruppen von in Schwarz gekleideten jungen Männern liefen unter den Augen der Polizisten an den Geschäften entlang, die durch Gitter und Holzplanken vor Plünderungen geschützt waren. Gegen 01.30 Uhr begannen die Sicherheitskräfte damit, die letzten verbliebenen Gruppen von Protestierenden aufzulösen.
Innenminister Gérald Darmanin hatte am Samstagabend angekündigt, dass landesweit wieder 45.000 Polizisten und Gendarmen mobilisiert würden - dieselbe Zahl wie in der Nacht zuvor. Wie schon am Vorabend wurde landesweit der Verkehr von öffentlichen Bussen sowie von Straßenbahnen eingestellt.
In der Nacht zum Samstag waren nach Angaben der Behörden bei den Krawallen 1350 Fahrzeuge angezündet, 266 Gebäude in Brand gesetzt oder beschädigt sowie 2560 Brände auf Straßen gelegt worden. 79 Polizisten und Gendarmen wurden demnach verletzt.
Auslöser der Unruhen war der Tod von Nahel M., der am Dienstag von einem Polizisten bei einer Verkehrskontrolle in der Pariser Vorstadt Nanterre erschossen worden war. Der 17-Jährige wurde am Samstagnachmittag in seiner Heimatstadt Nanterre unter Ausschluss der Medien bestattet.
Präsident Emmanuel Macron verschob wegen der Krawalle einen ab Sonntag geplanten Staatsbesuch in Deutschland. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte dafür "vollstes Verständnis", wie es in Berlin hieß. Der Staatsbesuch sollte bis Dienstag dauern und war von langer Hand vorbereitet worden.
dja