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Zeitgeschichte | Stravinskys „Le sacre du printemps“ in Paris: Revolution auf der Bühne, Revolte im Saal

Mit Igor Stravinskys Ballett „Le sacre du printemps“ wird 1913 in Paris ein Jahrhundertwerk uraufgeführt, doch durchsetzen kann es sich mit der ersten Vorstellung noch nicht so recht

Glückliche Fügung! Sergei Djagilev, Jahrgang 1872, lebt aus St. Petersburg kommend seit 1906 in Paris, hier kennt man ihn als Serge Diaghilev. Mit Energie, Charme und feinem Gespür dafür, was gute Kunst ist, präsentiert er Ausstellungen, organisiert Konzertreihen, knüpft Kontakte zwischen Kreativen. 1909 stellt er eine Ballett-Compagnie zusammen, Les Ballets Russes. Deren Superstars heißen Anna Pavlova, Ida Rubinstein und Vaslav Nijinsky. – Seit 1906 ist Serge Diaghilev mit dem Theaterdirektor Gabriel Astruc bekannt, begnadeter Kunst-Initiator wie er selbst, dem es tatsächlich gelingt, in Paris ein eigenes Opernhaus erstehen zu lassen, das im April 1913 eröffnet wird, das Théâtre des Champs-Élysées. – Schließlich: Zwei russische Ausnahmekünstler, der Komponist Igor Stravinsky und der Maler und Wissenschaftler Nikolaus Roerich, haben (wer auch immer zuerst) die Idee, ein Werk zu schaffen, das in slawischer Frühzeit spielt. Die Vision einer heidnischen Feier, eines barbarischen Rituals. – In dieser Konstellation entsteht Le sacre du printemps, das Frühlingsopfer.

Es ist nicht die erste Schöpfung innerhalb des Netzwerks. Die Ballets Russes haben 1910 Stravinskys Feuervogel und 1911 seinen Petruschka uraufgeführt. Im Mai 1912 gab es Trubel um Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune (Nachmittag eines Fauns). Zum ersten Mal hatte der Lebenspartner Diaghilevs, Vaslav Nijinsky, in diesem Werk nicht nur die Hauptrolle getanzt, sondern das Ballett auch choreografiert. „Wir haben einen unanständigen Faun mit krassen Bewegungen der erotischen Bestialität und mit massiv obszönen Gesten gesehen“, schrieb das Feuilleton. Aber auch: „Keine Rolle zeigt Nijinsky als einen so außerordentlichen Tänzer wie seine letzte Schöpfung ‚Prélude à l’après-midi d’un faune‘.“ Es folgten zehn umjubelte Vorstellungen in Paris, bevor die Compagnie mit ihrer Inszenierung auf Welttournee ging.

Ein Jahr später nun Le Sacre. Roerich und Stravinsky haben die Story entwickelt. Stravinsky hat komponiert. Roerich Bühne und Kostüme gestaltet. Nijinsky eine Choreografie geschaffen, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat. Als Tänzer tritt er diesmal nicht auf. Impresario Astruc lädt vorab Kritiker in den Saal seines eben eröffneten Opernhauses an der Rue Montaigne, sie sehen eine der Endproben. Freunden und Kollegen hat Stravinsky bereits gern und oft seinen Sacre am Klavier vorgespielt und -gestampft. Alle Vorkehrungen sind also getroffen, Gerüchte ausreichend gestreut. Paris ist bereit für den nächsten heftigen Theaterskandal.

„Le sacre du printemps“ wir im Pariser Opernhaus uraufgeführt

Im Saal des Opernhauses findet sich am 29. Mai 1913 die Pariser Elite ein. Es glänzen die Grandes Dames der Gesellschaft mit Diademen und Colliers. Es sind Diplomaten gekommen und Künstler. Pablo Picasso ist anwesend, Marcel Proust, Maurice Ravel, Jean Cocteau, Eric Satie. Auch Bohemiens in Pullover oder Trenchcoat. Die einen wie die anderen lauern auf einen unvergesslichen Abend.

Le Sacre mit seiner circa 40-minütigen Spieldauer ist das zweite Stück. Ein Fagott-Solo macht den Anfang, eine hohe Kantilene. Dann hebt sich der Vorhang. Das Publikum blickt im Hintergrund der Bühne auf eine schlicht gemalte Landschaft: grüner Hügel, blauer Teich, ein dunkel bemooster Findling, Wolken. „Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Akten“ sind angekündigt. Fünf Männer tanzen in kleinem Kreis. Doch was heißt tanzen? Rücken und Knie gebeugt, mal auf einem, mal auf beiden Beinen stampfend, bespringen sie den Boden. Sie, „les adolescentes“ (die Heranwachsenden), reißen die Fäuste hoch, werfen den Kopf in den Nacken, zelebrieren einen Ritus. Kein Fuß ist auch nur annähernd in „korrekter“ Ballettposition, kein Arm gerade. Die Männer führen einen Veitstanz auf, um die Erde wachzurütteln nach langem Winter – und zertrampeln vom ersten Moment an jede Konvention anmutig-klassischen Balletts. Schneidend, ruppig, akzentuiert geben die Streicher im Orchester den Rhythmus vor. Ein musikalisches Erdbeben ereignet sich, dissonant, antiromantisch, fragmentiert, montiert. Strukturen werden gegeneinander geschoben wie Flächen kubistischer Bilder. Doch das Ballett-Erdbeben auf der Bühne ist der eigentliche Grund für den Tumult im Saal.

Während es dort laut wird, verrenkt auf der Bühne eine 300 Jahre alte Frau Hände und Rücken, hopst, geistert und steht schief zwischen den barbarischen Burschen. Weitere Figuren, Frauen und Männer, mischen mit beim archaischen Stampftanz. Alle tragen leuchtend farbige, folkloristisch inspirierte Kostüme. Sie agieren in Blöcken. Ihre Gesichter sind bemalt wie die von Puppen. Es gesellen sich weitere Stämme dazu, Kämpfe werden dargestellt, es gibt Zweiertänze zwischen Frauen und Männern. Aber alles ist ritualisiert. Menschen geben den Mächten, den Geistern, an die sie glauben, Zeichen. Zeichenhaft ist ihr Tanz. Wir blicken auf eine Welt vor der Erfindung des subjektiven Glücks. Die Gemeinschaft, ihre Einrichtungen und Riten sind unantastbar heilig. Jeder Einzelne ist dem untertan.

Igor Stravinsky liebte den Frühling

Der zweite Akt spielt nachts. Ein Mädchen wird auserwählt, um geopfert zu werden. Als die Jüngste, Schönste zunächst verherrlicht, wird sie sich am Ende zu Tode tanzen (ein Subjekt nun doch!), damit es endlich Frühling werde. „Diesen heftigen Frühling“, bekennt Igor Stravinsky auf die Frage, was er am meisten geliebt habe in Russland. „Er schien in einer Stunde zu beginnen, und die ganze Erde schien mit ihm aufzubrechen. Das war das herrlichste Ereignis in jedem Jahr meiner Kindheit.“ – Es existierte in frühgeschichtlicher Zeit ein Brauch, Toten im Grab, das Gesicht gen Himmel, Samen in den Mund zu legen, bevor man Erde auf sie schüttete. Warum bepflanzen wir Heutigen Gräber mit Blumen? Wir sind dieselben. Lehm an den Füßen, Samen im Mund. So keimt, so spricht die Natur aus uns.

Von all dieser sinnlichen Kraft und philosophischen Tiefe muss an jenem warmen Maiabend in Paris nicht viel zu spüren gewesen sein. Denn das Publikum performt lautstark sein eigenes Event. Revolution auf der Bühne. Revolte im Saal. Die Gegner rufen zornig Bravo, lachen, husten, klatschen hysterisch. Trillerpfeifen, Fahrradklingeln und Hupen sind „zufällig“ am Start und kommen zum Einsatz. Die Fans, ebenso schrill, schimpfen auf die Kulturbanausen, fluchen und drohen den feinen Herrschaften Prügel an. Einer ruft: „Maul halten, Saupack!“

Der Dirigent gibt weiter mutig den Takt vor. Nijinsky steht auf einem Stuhl auf der Seitenbühne und schreit seinen Tänzerinnen und Tänzern Anweisungen zu. Gabriel Astruc wird der Krawall zu bunt, er nutzt einen günstigen Moment und ruft aus seiner Direktionsloge in den aufgebrachten Saal: „Hören Sie erst zu! Pfeifen Sie später!“

Tatsächlich, die Meute beruhigt sich. Man folgt der Aufführung. Um am Ende umso schöner rauszulassen, was sich angestaut hat. Hundegebell, Wolfsgeheul, Kikeriki. „Das war nicht Le Sacre, das war Le Massacre du Printemps“, schreibt am nächsten Tag die Kritik. Aber die Kulturindustrie liebt den Skandal. Sie erträumt ihn und zehrt davon. Denn was heute Tumult macht, ist der Kassenschlager von morgen. Oder übermorgen. Sacre ist mehr als ein Aufreger und Tagesgespräch. Er ist ein Jahrhundertwerk, und das braucht tatsächlich Zeit, um populär zu werden.

Walt Disney bringt 1940 einen abendfüllenden Animationsfilm heraus, Fantasia. Ein Episodenfilm ohne Dialoge, gezeichnet auf klassische Musik. Eine Episode schildert die Frühzeit der Erde. Urgewalten wüten. Vulkane explodieren. Feuer und Wasser kämpfen. Leben entsteht. Dinosaurier kommen und gehen. Die Musik des Sacre, auf die der Film gezeichnet wird, passt perfekt zu Gewalten und Bestien. Prähistorischer Jazz. Bis dahin noch immer als schwierig geltend und selten gespielt, wird Disneys Film das Werk weltweit bekannt machen. Heute ist es dauerhaft angekommen im Repertoire der Ballett-Compagnien und Konzerthäuser. Gezähmt, leider, klingen viele aktuelle Einspielungen.

Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des Freitag.



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