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A – Z | Eisern Union: Von Nina Hagen bis zur Tabellenspitze

„Die Eisernen“ stehen an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. Ein Verein, der in den proletarischen Milieus von Ostberlin seinen Ursprung hat. Unser Autor Frank Willmann geht seit Mitte der 90er-Jahre ins Stadion. Ein Lexikon

A

An der Alten Försterei Nichts liebt der Unioner mehr als sein Stadion, sein Wohnzimmer, die Brutstätte des gemeinen Unionertums. Steigt man S-Bahnhof Köpenick aus, geht es über einen romantischen Pfad, der die Fußballfreund:innen im Herbst durch Matsch und vorbei an Fuchs und Häsin direkt in die heilige Stätte führt. Etwa 22.000 passen rein, verteilt auf 18.395 Steh- und 3.617 Sitzplätze. Besonders auf die Stehplätze ist der Fan stolz. Bei diversen Gelegenheiten packten die Unioner in der Vergangenheit ehrenamtlich beim Stadionumbau an.

Zur Weihnachtszeit lockt seit 2003 das Weihnachtssingen (➝ Nina Hagen) das Unionervolk ins Stadion, das liebestoll von allen Unioner:innen als AF bezeichnet wird. In den 1930ern und 40ern nannten manche trinkfreudigen Besucher es Blumentopp (wegen einer lauschigen Kneipe gleich daneben). Der Verein plant seit Jahren den Ausbau.

B

Bürgermeister:innen Berlins letzte drei Bürgermeister:innen waren/sind SPD-Mitglieder. Davor gab es mit Diepgen einen von der CDU. Zu Diepgens Amtszeit machte Union Berlin keine Welle und der Bümei sonnte sich im Glanz von Hertha BSC. Hertha lag meilenweit vor Union, kein Politiker, der was wollte, schlief in Unionbettwäsche. Wowi Wowereit hatte dann mit Hertha nix am Hut und von Union vielleicht mal im RBB gehört. Union geriet dank der sportlichen Leistungen immer mehr in den öffentlichen Fokus, die Zuschauerzahlen schnellten nach oben, der Verein stand plötzlich für ein frisches, neues Berlin. Arm, aber sexy. Auf Wowi folgte ein Herr Müller. Der trat 2016 als Gastredner beim 50. Union-Geburtstag im Velodrom auf und versprach irgendwas. Als die Unioner wie irre „Anziehen, anziehen“ brüllten, zog Michael Müller das Trikot mit der Nummer 10 über. „Passt ja wie angegossen“, schrie die Masse. Zuletzt sah man ein Foto von Franziska Giffey an der AF, mit rot-weißem Vereinstrikot und Jacke.

E

Eisern Die feschen Unioner, die Eisernen aus Ostdeutschland, kennt mittlerweile fast jeder Journalist und fast jede Leserin zwischen Kiel und Freiburg. Eisern Union bedeutet, zu seinen proletarischen Traditionen zu stehen, es drückt aus, ein Schlosserjunge zu sein – und seine ehrliche Manneskraft hinauszuschreien. Schweißerbrille statt Leselampe. IsNunMalSo. Wären wir nicht eisern, wären wir weich wie Käse, und wer will im Fußball weich wie Käse sein? Eisern zu sein bedeutet aber auch, ein kleines bisschen anachronistisch zu sein. Der Fußballplatz als Traumort des ewig Guten.

Mittlerweile ist die Akademikerdichte unter den Ultras noch immer nicht sehr groß, eher Semiproletariat. An der Mittellinie in der ➝ Alten Försterei hing bis vor ein paar Jahren, bis in die Zeiten in der 2. Liga, ein Banner: U. N. V. E. U. Die Abkürzung steht für: Und niemals vergessen, Eisern Union! Ein Kult-Schlachtruf, der heute nicht mehr der Schlachtruf der Schlosserjungs ist, aber von den Unionern immer weiter getragen wird. Es ist auch eine Grußformel, mit der ältere Fans gerne ihre Mails beschließen. Und Jüngere erinnern mit den magischen fünf Buchstaben auf Plattformen wie Twitter oder Instagram jeden Unioner daran, wo er herkommt.

F

FischerRuhnertKombinat Cheftrainer Urs Fischer und Sport-Geschäftsführer Oliver Ruhnert sind die Paten des Erfolgs. Ruhnert war lange Leiter der Nachwuchsarbeit auf Schalke. Er wurde 2017 als Chefscout zu Union geholt und lockte im Jahr darauf Urs Fischer vom FC Zürich zu Union. Wieder ein Jahr später stieg Union erstmals in die Bundesliga auf und die zwei Herren führten Union in den letzten beiden Jahren in den Europapokal, obwohl Union jedes Jahr wichtige Spieler an Großkopfetenclubs abgeben musste.

Aktuell steht der Verein auf Platz eins der Bundesliga, weit vorm FC Mordor München. Eine Fußballsensation. Das FischerRuhnertKombinat ist es gewohnt, zu zaubern. Fischer angelt in seiner Freizeit gern. Ruhnert ist als Schiedsrichter in der Kreisliga und für die Linkspartei im Stadtrat von Iserlohn aktiv.

H

Hohenschönhausen Der Hauptfeind aller älteren Unionfans ist der BFC Dynamo aus Hohenschönhausen. Erich Mielkes Lieblingstruppe, der Dauermeister der DDR, damals in der DDR ähnlich verhasst wie heute der FC Bayern München. Bis 1989 war für viele Ostberliner Fußballfreund:innen der BFC = Staatssicherheit. Hohenschönhausen gehört zum Bezirk Lichtenberg, wo sich auch die Zentrale des MfS und das Gefängnis befanden. Auch heute spielt der BFC, obwohl er drei Ligen tiefer kickt, im Selbstverständnis der älteren Unioner:innen eine Rolle.

J

Jetzt, Frauen! Frauen gingen schon immer zu Union, in den letzten Jahren wurden es zusehends mehr, auch wenn die hiesige Ultrakultur wie fast überall stark maskulin geprägt ist. Im Präsidium entdecken wir mit Nadine Schulz eine Frau, die neben fünf Männern Assistentin des Präsidiums sein darf. Vielleicht wird sie die erste Präsidentin? Zeit wäre es. Sie könnte sich dann gleich um das Stiefkind Frauenfußball kümmern. Das zählt leider für ganz Berlin, erst in der 3. Liga findet man Union und fünf weitere Berliner Frauenmannschaften, bei Hertha BSC gibt es gar keinen Frauenfußball. 1969 gab es schonmal für zwei Jahre ein Frauenteam bei Union, dass auf Anordnung „von oben“ nach zwei Jahren zur BSG Kabelwerk Oberspree wechseln musste.

K

Köpenick Der FCU spielt im Berliner Vorort Köpenick, der zum Beispiel den legendären Müggelturm und die NPD-Zentrale beherbergt. Köpenick ist ostdeutsch geprägt, Plattenbauten stehen neben Altbausubstanz, angeblich ist die Spree in Köpenick sauberer als in Mitte. Weil es kein In-Viertel ist, schlug die Gentrifizierung und Verdrängung der alteingesessenen Ostberliner:innen nicht ganz so fett zu. Für Zugezogene aller Couleur ist der Bezirk in Teilen gewöhnungsbedürftig. Die Menschen sind stolz auf Union und den Hauptmann von Köpenick, ein Spitzbube, der 1906 als Hauptmann kostümiert das Rathaus besetzte und die Stadtkasse klaute. Damals schrieb sich Köpenick noch mit C und war eine eigenständige Stadt vor den Toren Berlins. Die Fans (Unioner:innen) wollen kein Kiezverein sein, in den Nullerjahren gab es mal zaghafte Versuche, Union zu versanktpaulisieren, das hat nicht geklappt. Auch weil die proletarisch aufgestellte Fanszene sich nur bedingt mit den linken Sanktpaulianern anfreunden konnte.

N

Nina Hagen Das wichtigste Unionlied wird von Nina Hagen gesungen. „Immer wieder ➝ Eisern Union … Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?“ Als Kind ging sie mit ihrem Vater ins Stadion, dann ist sie vom Osten in den Westen geflüchtet und war dort lange Jahre Deutschlands Punklady Number 1. Insofern hohes Geilomatenniveau, wenn man die Einlaufhymne etwa mit Herthas (➝ Bürgermeister:innen) ödem Schlagergedudel „nur nach Hause gehen wir nicht“ vergleicht. Musikalisch ist Union ganz vorn, Stadionmuckenmensch Wumme schickt den Sound ins Rund, das passt und fetzt, nur bei Tennis Borussia Berlin ist die Musik ähnlich gut, aber wer kennt TeBe? Neben Nina und anderen lauten Bands mit frohen Unionbotschaften – die neueste stammt von DJ Iron Henning und geht so: „Wir sind eure Hauptstadt, ihr Bauern“ – findet man auch das sogenannte Weihnachtssingen. Für mich eine problematische Angelegenheit. Alljährlich versammeln sich Zehntausende Unionmenschen, die den rot-weißen Weihnachtsmann besingen. Gruselig!

S

Staatsfeind Ein DDR-Satiriker formulierte einst im Satireblatt Eulenspiegel: „Nicht jeder Staatsfeind ist Unioner, aber jeder Unioner ist ein Staatsfeind.“ Das gibt ein wenig die Gemengelage zu DDR-Zeiten wieder. Obwohl der 1966 gegründete 1. FC Union Berlin einer der elf besonders geförderten (Union unter anderem von KWO, TRO, Bezirksleitung der SED, FDGB) Fußballclubs war, fühlte sich mancher Fan gegenüber dem allmächtigen Ortsrivalen BFC Dynamo mit Stasichef Mielke an der Spitze benachteiligt. Viele Unioner sahen den SC Union Oberschöneweide, der 1923 in Blau-Weiß die deutsche Vizemeisterschaft gewann und dessen Spieler den Spitznamen „Schlosserjungs“ (Eisern) trugen, als einen der zahllosen Vorgängervereine des 1. FC Union. 1977 kam es am 7. Oktober anlässlich eines Rockkonzerts am Alexanderplatz zu Randale, aus denen politische Proteste erwuchsen (laut BRD-Medien). Aus der Menge ertönten Eisern Union!- und United!-Rufe. Die Stasi folgerte später, dass viele junge Fußballfans an den Unruhen beteiligt waren, in deren Folge ein großes Kaufhaus am Alexanderplatz komplett entglast wurde und es zu Plünderungen im großen Stil kam. Ab 1977 beschäftigte sich die Stasi mit den „negativ-dekadenten“ (Stasisprech) Fußballanhängern in Ostberlin. Die Clubführung des 1. FCU war bis 1989 nie im Widerstand und bestand größtenteils aus angepassten Funktionären mit SED-Mitgliedsbuch. Viele Unionfans wären in der DDR gern Staatsfeind gewesen, einige wenige waren es.

U

Unioner:innen Die Heimat des wahren Unioners ist ein gallisches Dorf, der wahre Unioner ist ein Eigenbrötler und macht gern sein Union-Ding. Jeder Fußballfan hält seinen Club für den einzig wahren, der Unionfan aber ist im Besitz höherer Union-Wahrheit. Mit missionarischem Eifer tut er das am liebsten sich und seinesgleichen kund, wenn der Rest der Welt zuhört und das gut findet, ist es dem Unioner ziemlich egal, weil er weiß, dass er weiß, was er weiß. Unioner kämpfen nicht darum, ewig zu leben, sie leben ewig. „Einmal Unioner, immer Unioner“, auch und vor allen Dingen bei Niederlagen. Das besondere Gefühl, Unioner zu sein, vererbt sich durch die Generationen (➝ Köpenick). Sie lassen sich nicht vom Westen kaufen, sie kaufen den Westen. Egal, ob du auf der Waldseite stehst oder im VIP-Bereich Wachtelhirn schlürfst, du bist als Unioner automatisch und für immer auf der richtigen Seite. Dir braucht niemand was zu erklären, du hast alles schon gesehen, wer das nicht versteht, gehört zur Sekte der NICHTUNIONER.

Z

Zingler Dirk Zingler ist seit achtzehn Jahren Union-Präsident und eine der Säulen Unions. Als Kind der Fankurve (➝ Nina Hagen) machte er, gerade volljährig, einen kleinen Schlenker zum Wachregiment des MfS. Dort passte er wahrscheinlich auf, dass der böse Westen über Nacht nicht die DDR kaufte. Nach der politischen Wende wurde er ein sehr erfolgreicher ostdeutscher Unternehmer, der seinen geliebten FCU mit viel Geschick und Schaffenskraft zum Blühen brachte. Heute ist er der unangefochtene Patriarch und eine verdienstvolle Lichtgestalt der Unionhistorie. Gelegentlich kommt er im modernen Fußballkontext leicht altmodisch um die Ecke. Die Unioner lieben es. Wünschen wir ihm Kraft!

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