RTL-Moderator : Peter Kloeppel über den 11. September, Pannen im Studio und Donald Trump
Seit mehr als drei Jahrzehnten steht Peter Kloeppel bei RTL vor der Kamera, hauptsächlich als Moderator von "RTL Aktuell". Im stern-Interview spricht er über das neue RTL-Studio, seine Arbeit und die USA, zu denen er eine enge Beziehung hat.
Bald sendet "RTL Aktuell" aus einem neuen Nachrichtenstudio. Das wievielte RTL-Aktuell-Studio ist das jetzt für Sie?
Ich glaube, es ist das fünfte. Ich weiß, dass ich 1992 in einem völlig neu konzipierten Studio angefangen habe. Danach kam dann nochmal eins – oder zwei. Und dann haben wir einen relativ großen Sprung gemacht. Das war Anfang der 2000er-Jahre. Das Studio war ein virtueller Raum mit einem großen geschwungenen Tisch, der mir sehr gefallen hat. Das fanden wir schon sehr futuristisch. 2010 sind wir dann in das jetzige Studio gewechselt – und jetzt wieder in ein neues.
Sie sind schon Jahrzehnte für RTL Aktuell im Studio, haben viele Nachrichten moderiert und dort viel erlebt. Welchen Moment im Studio werden Sie nicht vergessen?
Natürlich werde ich nie den 30. März 1992 vergessen, an dem ich die Hauptnachrichten zum ersten Mal moderieren durfte. Dann gab es natürlich herausragende Nachrichtenereignisse, wie den 11. September 2001, an dem ich sehr lange im Studio war. Schöne Nachrichten, wie der Empfang der Fußballnationalmannschaft nach einem WM-Sieg, wo man freudig erregt im Studio guckt, was die Jungs da so machen. Es gab viele schöne Momente. Aber auch Pannen. Die letzte, die wir jetzt hatten, war schon außergewöhnlich, als im Sommer 2021 im Studio das Licht mitten in der Sendung ausfiel. Wir konnten zwar noch moderieren, saßen aber im Dunkeln.
In Summe ist es aber: Man darf jeden Abend aus einer ganz speziellen Umgebung heraus, die Menschen 20 Minuten mit Informationen versorgen. Das ist für mich jeden Tag aufs neue schön.STERN PAID Afghanistan Doku RTL Interview 18Uhr
Sie sind ja nicht nur Moderator im Studio, sondern waren auch eine Zeit lang US-Korrespondent und haben auch privat enge Verbindungen zu den USA. Wie eng verfolgen Sie heute die Politik dort?
Sehr intensiv natürlich. Ich verbringe seit ein paar Jahren immer mehr Zeit in den USA. Da gucke ich viel Fernsehen, lese Zeitungen oder Online-Dienste und sehe was da passiert und wie das von den Journalisten gecovert wird. Die Aufspaltung in den Medien wurde immer deutlicher in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren. Medien wie Fox News oder MSNBC haben sich da auf der einen und auf der anderen Seite in verschiedene Richtungen entwickelt. Nachrichten werden da von den Sendern und Moderatoren gesponnen, die den Namen Nachrichten eigentlich gar nicht mehr verdienen. Teilweise beobachte ich das mit Schrecken. Es ist aber auch Teil der amerikanischen Medienlandschaft, die auch die politische Landschaft stark widerspiegelt.
Erleben Sie die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft auch bei Freunden und Verwandten?
Ja, das ist jedem bewusst, der in Amerika mit offenen Augen und Ohren lebt, dass sich eine politische Bewegung entwickelt hat, die eher auf Auseinanderbewegung als auf Zueinanderbewegung beruht. Die Spaltung in den politischen Lagern ist sehr viel größer und tiefer geworden in den letzten 15 bis 20 Jahren. Der Wille, aufeinander zuzugehen ist weniger geworden. Die Rhetorik ist schärfer geworden. Das zieht sich teils auch in den privaten Bereich. Auch ich habe Bekannte und Freunde, sowohl auf der einen als auf der anderen Seite. Das bewirkt, dass man Politik aus den täglichen Gesprächen versucht auszuklammern. Und es hat auch zur Folge, dass sich Menschen nur mit Gleichdenkenden umgeben wollen, weil sie es nicht ertragen, wie "Andersdenkende" argumentieren und diskutieren.
Ich will mich dem aber nicht verschließen, da ich der Meinung bin, dass man beiden Seiten zuhören muss, um besser zu verstehen, warum die Meinungen so sind, wie sie sind. Aber ich halte auch nicht mit meiner Meinung hinterm Berg, wenn ich gefragt werde. Man sucht bei mir aber auch als Ausländer in den USA den Blick von außen. Der Wille ist da, zu verstehen, warum es bei uns anders ist.WWM Fotostrecke 7.34 Uhr
Was denken Sie: Werden die Republikaner in zwei Jahren noch einmal jemanden wie Donald Trump aufstellen oder sogar Trump selbst?
(Lacht) Das ist die Millionen-Dollar-Frage in Amerika, die mir ständig gestellt wird. Es gibt viele Indizien, dass Donald Tump antreten würde. Da muss man den Konjunktiv wählen, weil es auch viele Indizien gibt, die ihm eine solche Kandidatur schwermachen würden. Das sind die derzeit laufenden Verfahren und Vorermittlungen gegen ihn. Aber auch die Frage, inwieweit die republikanische Partei wie eine feste Wand hinter ihm steht oder ob es da bröckelige Entwicklungen gibt. Ich gebe keine Prognose ab. Es gibt von den Umfragen her eine ganz klare Tendenz, die heißt: Die Amerikaner sind weiterhin 50:50 gespalten. Das Mittelfeld, das sich zwischen den Parteien bewegt, wird immer kleiner.
Solche Themen vermitteln Sie den Zuschauer:innen vor dem Fernseher sehr professionell, so wie mir jetzt. Was passiert aber im Studio, wenn ein Beitrag läuft und die Moderation nicht sieht? Bereiten Sie sich auf die nächste Moderation vor? Oder schäkert man da auch gemeinsam?
Wir sind schon ziemlich konzentriert bei der Arbeit. Wir hören den Beiträgen zu. Ulrike und ich sehen auf Monitoren, was die Zuschauer sehen. Teilweise sehen wir das auch zum ersten Mal. Grundsätzlich wissen wir, welche Themen kommen, natürlich kennen wir den Ablauf haarklein. Aber es gibt immer mal wieder Momente, bei denen wir oft selbst erstaunt sind. Wir sprechen, wenn dann über das, was die Zuschauer gerade sehen. Aber es ist eher wenig. Es ist eher still bei uns im Studio. Wir sind konzentriert dabei. Wir wissen auch immer, dass im schlimmsten Fall ein Beitrag abstürzen kann und wir dann plötzlich wieder auf dem Schirm sind. Da kann man nicht über das Abendessen von gestern sprechen.
Ulrike von der Groeben ist ja schon Jahre an Ihrer Seite. Auf dem Bildschirm wirken Sie beide sehr freundschaftlich. Ist das auch privat so?
Wir kennen uns ja jetzt schon sehr lange. Ulrike ist schon seit Ende der 1980er-Jahre hier im Sport in der Sendung. Wir kennen uns seit 35 Jahren, wir sitzen hier im Büro gerade mal drei Meter voneinander entfernt. Wir teilen gewisse Interessen, aber es ist nicht so, dass wir uns ständig mit den Familien treffen. Das ist eher die Ausnahme. Aber wir sind beide leidenschaftliche Nachrichtenmacher und -gucker. Auch leidenschaftliche Sportler. Es gibt immer Themen, über die wir reden können. Aber außerhalb der Arbeit hat jeder sein eigenes Leben.
Im neuen Studio können Sie auf jeden Fall mehr und freier bewegen als jetzt. Worauf freuen Sie sich im neuen Studio am meisten?
Auf den Wechsel. Ich bin es sehr gewöhnt, an einem Tisch zu sitzen, meine Papiere und meinen Computer vor mir zu haben. Ich weiß aber auch, dass das manchmal auch etwas statisch wirkt. Deshalb freue ich mich, dass ich mich bewegen kann. Dass ich vor Bildschirmen entlanggehen und auf Dinge zeigen kann, die ich auch sehe. Und nicht wie bisher auf eine grüne Wand blicke und aus dem Augenwinkel versuche einen Monitor zu erkennen, wo das Bild zu sehen ist, was die Zuschauer zu Hause bekommen. Das wird uns also mehr Freiheiten geben. Ich bin aber auch kein Fan davon, dass ich die ganze Zeit wie bei einer Messepräsentation durch das Studio laufe. Das wird es hier und da geben, dass ich an den Screens stehe und präsentiere. Aber das klassische Bild eines Moderators oder einer Moderatorin an einem Tisch sitzend wird es auch weiterhin geben. Aber ich kann zeigen, dass ich auch ein Mensch mit Unterleib bin.
Mit dem neuen Studio kommt auch viel neue Technik. Die Frage ist vielleicht etwas frech, aber: Kommt man da als alter Nachrichten-Hase überhaupt mit bei den ganzen Neuerungen?
(Lacht) Ach ja. Der größere Sprung war tatsächlich die virtuelle Technik, weil wir uns da sehr intensiv Gedanken machen mussten, wie die Kameratechnik funktioniert, wie die Bilder aussehen, die auf die Screens gehen. Wie ist die Bewegung der Kamera im Raum? Das Virtuelle im alten Studio ermöglichte uns, dass Kamerabewegungen machen konnten und sich der Hintergrund entsprechend veränderte. All das war ein riesiger technischer Aufwand. Jetzt mit dem neuen Studio ist das alles einfacher. Es ist wie eine klassische Bildeinstellung, wenn man etwas reales filmt. Das Bild auf dem Screen etwa ist auch das reale Bild, was zu sehen ist. Das verstehe ich auch alle gut. Als alter Nachrichten-Hase bin ich da also noch up to date. Die Herausforderung wird aber sein, dass die Bilder und Grafiken auf den Screens auch mit der Moderation zusammenpassen und die nicht zu sehr ablenken.
Am 4. September geht es los mit den neuen Sendungen aus dem neuen Studio. Wir freuen uns auf die erste RTL-Aktuell-Ausgabe im neuen Studio!
"Ich mich auch!"