Hirschberg: So lief das Konzert von Johannes Oerding
Von Max Rieser
Hirschberg-Leutershausen. Den ganzen Tag wurde gebangt: Wird es noch gewittern? Als hätte es das Wetter gut mit den Fans von Johannes Oerding gemeint, klarte es aber pünktlich um 17.30 Uhr zum Einlass auf. Mit 1100 verkauften Tickets war die Veranstaltung beinahe ausverkauft, berichtete Dennis Gissel, Geschäftsführer der Hirschberger Eventagentur DeMi Promotion. Gissel freute sich sichtlich, dass er mit der Agentur endlich wieder ein Konzert auf die Beine stellen konnte. Er gab aber auch zu bedenken, dass es bei viel weniger verkauften Tickets der gleiche Aufwand sei.
Vielleicht sogar mehr, denn es wurde extra am Eingang ein Testzentrum eingerichtet, da die drei "Gs" (geimpft, genesen, getestet) von Gästen und Personal eingehalten werden mussten. Diskussionen am Eingang hätte es keine gegeben, wie ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bestätigte. Als die ersten Gäste gegen 18.30 Uhr aufs Gelände kamen, war das Bild von bunten Regenponchos, Hüten und Jacken geprägt. Aufmerksame Platzanweiser führten die Fans zu ihren Stühlen. Die ersten Gäste waren Sara Ersoy und Annemarie Lang. "Wir hören seine Musik sehr gern, aber wir kommen natürlich auch, weil es das erste große Konzert nach so langer Zeit ist", erzählten sie.
Mit einer halben Stunde Verzögerung, die durch die Kontrollen am Eingang entstanden war, ging es endlich los. DeMi-Gesellschafter Uli Roth begrüßte die Gäste. Er sei glücklich, "so viele schöne, gesunde und nasse Menschen" begrüßen zu dürfen, sagte er mit einem Lachen.
Als Johannes Oerding mit seinem Hit "Kreise" das Konzert startete, war das Eis gleich gebrochen und alle jubelten. "So nah an den Menschen, das habe ich lang nicht erlebt. Das ist toll, Hirschberg", rief er begeistert. Es soll ein persönliches "Lagerfeuerkonzert" werden, erzählte der Künstler. Das würde ihm auch die Chance geben, ältere oder weniger bekannte Lieder zu spielen. Als Lagerfeuer war im Hintergrund der Bühne eine riesige Feuerschale aufgebaut, aus der während des Auftritts Flammen züngelten.
Durch die Bindung an die Plätze hatte es auch eher den Charakter eines "Lagerfeuerkonzerts". Es wurde wenig getanzt, und zwischen den Liedern war es auffallend still. Die Pandemie steckt eben doch noch allen in den Knochen. Immer wieder betonte Oerding, wie glücklich er sei, dass er endlich wieder vor Menschen spielen könne.
Die Auftritte vor der Kamera seien zwar eine nette Alternative während des Lockdowns gewesen, er sei aber für genau solche Livekonzerte Musiker geworden. Oerding machte das Beste aus der Situation, verließ die Bühne und ging – mit Maske – ins Publikum, wo er mit den Zuschauern anstieß und witzelte: "Ich wollte schon immer mal wie Florian Silbereisen durch die Reihen gleiten." Unter anderem sprach er mit Isabelle, die eigentlich gerade im Begriff war zu essen. Oerding scherzte: "Du kannst ruhig weiter essen, wir sind unter uns, dich sieht keiner", während natürlich alle Augen auf sie gerichtet waren. Sie durfte sich ein Lied wünschen und entschied sich für "Anfassen", das Oerding, zurück auf der Bühne, direkt spielte.
Emotional wurde es, als er den Song "Flieg mit mir" seinem ersten Plattenboss, der mittlerweile verstorben ist, widmete. Beim Lied "Love Me Tinder" scharte sich die Band um den Bassisten und sang zusammen in ein Mikro wie eine Rock’n’Roll-Band der 1950er-Jahre. Um das Lagerfeuer-Feeling komplett zu machen, gab Oerding Evergreens wie "Take Me Home, Country Roads" oder "Wonderwall" zum Besten. Zum Ende spielte der Sänger das Lied "Ketten", das im Lockdown entstanden sei und seinen Durchbruchshit "Alles Brennt". Nach rund zweieinhalb Stunden endete das Konzert – und alle kehrten trocken und zufrieden heim.