Wiesloch: Hauptstraßen-Neugestaltung wird sich erheblich verzögern
Von Hans-Dieter Siegfried
Wiesloch. Noch im Mai hatten sich die Mitglieder des Wieslocher Ausschusses für Technik und Umwelt mit der Neugestaltung der unteren Hauptstraße (zwischen Kreisel an der Stadtgalerie und Ringstraße) beschäftigt, jetzt musste der angekündigte Zeitplan revidiert werden. "Wir haben auf unsere Ausschreibung keine einzige Rückantwort erhalten und dies, obwohl elf Firmen die dazu notwendigen Unterlagen bei uns abgerufen haben", musste Anja Dahner vom städtischen Tiefbauamt in der jüngsten Sitzung des Ausschusses mitteilen. Der Grund: volle Auftragsbücher bei den möglichen Anbietern. Somit verzögert sich das gesamte Projekt, da eine erneute Ausschreibung erst im Herbst dieses Jahres erfolgen soll.
"Somit wird sich die gesamte Maßnahme um ein halbes Jahr nach hinten verschieben, da wir wohl, sollte sich dann eine Firma melden, erst im Januar des kommenden Jahres die entsprechenden Aufträge vergeben könnten. Mit dem Start der Tiefbauarbeiten rechne ich dann im Februar oder spätestens im März 2022", erläuterte Dahner im Gespräch mit der RNZ. Unter der Erde werden dann verschiedene Leitungssysteme (Gas, Wasser, Fernwärme und der Kanal) erneuert. Eigentlich hätte die Ausschreibung bereits im Frühjahr erfolgen sollen, dann aber wurde eine Kontamination des Bodens festgestellt, was ebenfalls schon zu zeitlichen Verzögerungen führte. Um die hohen Entsorgungskosten von über einer Million Euro zu vermeiden, wurde seitens des Tiefbauamts eine machbare Alternative vorgestellt, die auf Zustimmung stieß. "Wir haben durch Untersuchungen eine Möglichkeit gefunden, die Kanalerneuerung nicht durchführen zu müssen", sagte Dahner. So werde in der Bahnhofstraße in dem dortigen Kanalabschnitt eine Stauvorrichtung eingebaut und im Bereich der Hauptstraße sei es im Notfall möglich, das dortige Netz mit einem sogenannten "Inliner" zu sanieren. Dabei wird ein "Rohr im Rohr" verlegt. All dies jedoch kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchgeführt werden.
Die Gesamtkosten für die Umgestaltung der Hauptstraße und des neuen Haltebereichs der Busse in der Ringstraße belaufen sich nach den jetzt vorliegenden Berechnungen auf etwa 3,5 bis vier Millionen Euro. Mit dazu zählt außerdem ein provisorischer Kreisel, der im Bereich der Messplatzstraße/Einmündung Tuchbleiche, angelegt werden muss. "Da sind leider die Arbeiten bereits vergeben, der Kreisel wird in den kommenden Tagen eingerichtet. Auch die Bodenschweller, die dazu dienen, die Geschwindigkeit in der Tuchbleiche zu reduzieren, sind teilweise bereits entfernt worden." Wie Dahner hinzugefügte, hat man dieses Verfahren jetzt nicht mehr stoppen können. So war man im Rathaus davon ausgegangen, den Verkehr während der Arbeiten in der unteren Hauptstraße teilweise über die Tuchbleiche umzuleiten.
Fördermittel werde man beantragen, aber hohe Zuwendungen seien wohl nicht zu erwarten, so Dahner. "Wir gehen davon aus, finanzielle Unterstützung beim barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen in der Ringstraße zu bekommen, sicher ist dies jedoch noch nicht." Einschnitte wird es an dieser Bushaltestelle geben und zwar im nördlichen Bereich. Der kleine Park und die dort aufgestellt Kelter müssen weichen. "Die große Linde bleibt stehen und wir haben vorgesehen, drei neue Bäume zu pflanzen". Sitzmöglichkeiten sollen ebenfalls geschaffen werden.
Ziel der Planungen ist, den Bereich der Hauptstraße zwischen Ringstraße und Kreisel am Fachmarktzentrum umzugestalten. Dazu gehören unter anderem eine Einbahnregelung in nördliche Richtung, nur Fahrradfahrer und Busse können beide Richtungen benutzen. Insgesamt sieht der Entwurf eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität und eine bessere Anbindung an die Innenstadt vor. So sollen von den ursprünglich 19 Parkmöglichkeiten nur noch zwei erhalten bleiben, eine Umweltspur wurde mit aufgenommen, die Gehwege sollen verbreitert werden, mehr Grün zur Verbesserung des Mikroklimas angepflanzt und im Bereich der Ringstraße eine Abstellmöglichkeit für Fahrräder geschaffen werden – und die wird dann mit Ladestationen für E-Bikes ausgestattet.
In Sachen "Bürgerbeteiligung" sind Dahner nach bereits einige Vorschläge, Änderungswünsche und Ideen vorgetragen worden. "Wir werden diese alle prüfen und – wenn möglich – berücksichtigen." Sie verwies auf die nach wie vor bestehende Möglichkeit, sich auf der Homepage der Stadt aktiv zu beteiligen: www.wiesloch.de.