Eppingen: Baulandpotenzial im Spannungsfeld
Von Armin Guzy
Eppingen. Mit Blick auf das erhoffte weitere Wachstum Eppingens hat der Gemeinderat bei einer Enthaltung einhellig einer Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt, die nun noch vom Gemeinsamen Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Eppingen/Gemmingen/Ittlingen gebilligt werden muss, um das ganze Rechtsverfahren einzuleiten.
Durch die Änderung sollen zwei Gebiete – "Weststadt IV" und "Zylinderhof IV" – in das Planwerk aufgenommen werden, um dann zu einem späteren Zeitpunkt eine Bebauung möglich zu machen. "Wann das Ganze in ein Bebauungsplanverfahren umgesetzt wird, ist noch nicht sicher", sagte Stadtplaner Maximilian von Versen, "in drei oder zehn Jahren, oder vielleicht auch gar nicht." Zugleich wurde aus den Reihen des Gemeinderats deutlich, dass auch brachliegende innerörtliche Flächen nicht vergessen werden sollten – inzwischen ein Dauerproblem.
Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes – genauer: der dritten Gesamtfortschreibung des 2009 aufgestellten Planwerks für den Verwaltungsraum – schafft die Stadt zwar bislang lediglich die Möglichkeit, diese Flächen zu bebauen, doch der Siedlungsdruck ist auch in Eppingen anhaltend hoch – trotz mehrerer neuer Baugebiete, die gerade in der Planungsphase sind. Und zuletzt hat die Diskussion um die Bebauung des "Roten Platzes" in Kleingartach gezeigt, welche Hürden und auch Widerstände zu überwinden sind, wenn freie Areale innerhalb eines Ortes bebaut werden sollen. "Wir kennen das Spannungsfeld", sagte Oberbürgermeister Klaus Holaschke, der an diesem Sitzungsabend "keine große politische Diskussion" wollte, sondern einen "Weichenstellung": "Wir haben in den letzten Jahren nicht über Gebühr (Flächen) erschlossen."
Diese Aussage untermauerte auch von Versen: Der Flächenverbrauch in Eppingen liege unter dem Landesdurchschnitt, während die Bautätigkeit zugleich überdurchschnittlich sei, sagte er. Er dröselte den Gemeinderäten zudem die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen zehn Jahre auf, in denen die Stadt rund 1200 Einwohner hinzugewonnen hat und nun mehr als 22.000 Köpfe zählt. Bemerkenswert auch: 40 Prozent der Eppinger gehen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach, im Landkreisdurchschnitt sind es nur 35 Prozent – das freut auch den Kämmerer, weil damit ein höherer Anteil an der Einkommensteuer in die Stadtkasse kommt. In Eppingen selbst arbeiten hingegen die wenigsten: Die Statistik zeigt ein Pendlersaldo von mehr als 2720; es fahren also weniger Menschen nach Eppingen zur Arbeit als Eppinger zur Arbeit in andere Kommunen "auspendeln".
An den Zahlen lasse sich ablesen, dass Eppingen eine für viele attraktive Wohngemeinde sei – und das wohl auch in Zukunft sein wird, zumindest, wenn genügend Bauplätze zur Verfügung stehen. "Wie nähern wir uns in ersten Schritten den Potenzialen?" fragte Holaschke in die Runde und stellte dabei klar, dass er solche Potenziale durchaus auch in bereits bebauten Gebieten sieht.
Gleichwohl: Im Areal "Weststadt IV" könnten 0,6 Hektar Gewerbe- und im "Zylinderhof IV" 4,6 Hektar Wohnbaufläche erschlossen werden, also Platz für viele neue Häuser, wo derzeit noch Felder sind. Hinsichtlich des Gebiets "Zylinderhof IV" schwebt der Stadtverwaltung eine mögliche ähnliche Gestaltung vor, wie sie im "Zylinderhof III" derzeit geplant wird: mit einer höheren Dichte an Mehrfamilienhäusern, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im noch geltenden Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft ist für die Eppinger Kernstadt lediglich noch eine zusammenhängende größere Wohnbauflächen-Reserve enthalten, allerdings mit der stattlichen Größe von sieben Hektar: im Bereich des "Lerchenbergs" nördlich des Baugebiets "Vogelsgrund II".
Erschließungen außerhalb des Flächennutzungsplanes seien für seine Partei "immer ein bisschen mit Bauchweh verbunden", äußerte sich Peter Wieser von den Grünen. Man müsse die Außenentwicklung nun etwas bremsen und auch über neue Wohnformen in dichterer und höherer Bebauung und über mehr Ökologie nachdenken, forderte er und kündigte zugleich an: "In der Planung werden wir das massiv einfordern." Froh darüber, "dass man weiterdenkt", zeigte sich Hartmut Kächele von der SPD. "Über die konkrete Ausgestaltung muss aber noch diskutiert werden", deutete aber auch er an, dass es mit der Sicherung von Potenzialflächen alleine noch nicht getan ist.