Sinsheim: Ein leeres Parkhaus ist nicht gewünscht, ein volles auch nicht
Von Christian Beck
Sinsheim. "Das Parkhaus neben der Dr.-Sieber-Halle steht zum großen Teil leer" – dies sprachen Gemeinderäte immer wieder an. Momentan läuft noch bis Sonntag eine Aktion, bei der dort kostenlos das Auto abgestellt werden kann, um die Parkmöglichkeit bekannter zu machen. Wie kommt die Aktion an? Und war das Parkhaus überhaupt nötig?
Wer sich in den vergangenen Tagen dort umschaute, sah, dass am frühen Vormittag die ersten beiden Ebenen gut gefüllt waren. Am späten Vormittag füllte sich dann allmählich die dritte von fünf Ebenen. Am Donnerstag gegen 10.30 Uhr waren von 271 noch 122 Plätze frei. Stadtwerke-Leiter Andreas Uhler ist damit zufrieden. Die Aktion solle nun, da nach dem Abflauen der zurückliegenden Corona-Welle wieder mehr Leute in die Stadt kommen, Neugierde wecken. Bis das Parkhaus, das im September eröffnet wurde, in allen Köpfen präsent ist und angenommen wird, brauche es noch. "Beim Burgplatz hat es fünf bis sechs Jahre gedauert", berichtet Uhler.
Eine Schlüsselfrage lautet: Wie viele Personen stellen ihr Auto im neuen Parkhaus ab Montag ab? Denn dann kostet es wieder 50 Cent für jede halbe Stunde. Die Meinungen sind gemischt. Lena Kauth und Carola Mebes finden das neue Parkhaus gut. Wenn sie aus Angelbachtal nach Sinsheim fahren, haben sie auch zuvor ihr Auto auf einem kostenpflichtigen Parkplatz abgestellt. Kauth findet: "Die Parksituation in Sinsheim war zuvor sehr beengt." Norman Seith dagegen wird künftig nicht mehr im neuen Parkhaus parken. Er werde sein Auto dann wieder auf dem kostenfreien Schwimmbadparkplatz abstellen und ein paar Meter weiter laufen. Und er vermutet, dass andere dies ebenso machen. Vor diesem Hintergrund sei das Parkhaus keine sinnvolle Investition gewesen, sagt Seith.
"Ein volles Parkhaus ist ein Riesen-Problem."
Diese Kritik wurde zuletzt häufiger geäußert, auch im Zusammenhang mit Schutzmaßnahmen vor Starkregen, die laut Stadtverwaltung momentan nicht finanzierbar seien. Sechs Millionen Euro hat das Parkhaus gekostet, 2,5 Millionen Euro flossen an Zuschüssen vom Land. Uhler weist diesbezüglich auf mehrere Aspekte hin: Zum einen seien in Corona-Zeiten alle Parkhäuser deutlich weniger belegt gewesen: ein Minus von fast 55 Prozent im Durchschnitt, im Burgplatz-Parkhaus standen laut Uhler 70 Prozent weniger Autos als sonst.
Zum zweiten erzählen der Stadtwerke-Leiter und Oberbürgermeister Jörg Albrecht immer wieder, dass zuvor mehr als 100 Parkplätze weggefallen sind: unter anderem jene vor der alten Stadthalle und vor dem Katharinenstift. Und künftig könnten auf dem Karlsplatz ebenfalls Parkplätze wegfallen. Uhler erklärt weiter, dass das Parkhaus unter anderem auch für jene konzipiert ist, die Veranstaltungen in der Dr.-Sieber-Halle besuchen. Die eine oder andere davon gab es bereits wieder. "Das merken wir im Parkhaus", berichtet Uhler. Auch wenn das Freibad offen ist, sei die Belegung deutlich besser, weil im Sommer das Auto lieber im Schatten geparkt wird.
Das Parkhaus werde auch von etwa 30 Dauerparkern benutzt, die kaum wahrgenommen würden, weil sie außerhalb der Aktion auf der zweitobersten Ebene stehen. Und das Parkhaus solle auch gar nicht bis auf den letzten Platz gefüllt sein, betont Uhler: "Ein volles Parkhaus ist ein Risen-Problem." Denn der Sinn sei, dass dort schnell und unkompliziert eine Parkmöglichkeit gefunden werden kann.
Dass in den elf Tagen der Aktion auf Parkgebühren verzichtet wird, kostet die Stadt rund 1500 Euro, schätzt Uhler. Was das Parkhaus selbst angeht, sagt er: "Ich denke, das Geld war sehr gut angelegt. Das heißt aber nicht, das Geld wäre woanders nicht gut angelegt." > Umfrage rechts