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DHBW Mosbach: Währungen im Wettbewerb

Von Caspar Oesterreich

Mosbach. Die Deutschen lieben Bargeld. Viel mehr als das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte. Noch immer sind bei rund 80 Prozent aller Zahlungen Münzen und Scheine im Spiel. Altmodisch, jedenfalls aus Sicht etlicher europäischer Nachbarn, wo an den Kassen längst primär zu Plastik oder App gegriffen wird. Auch wenn Kartenzahlungen und das kontaktlose Überweisen per Smartphone hierzulande während der Coronapandemie um knapp ein Viertel zugenommen haben: Deutschland ist Bargeld-Land.

Doch während wir noch in der analogen Vergangenheit verweilen, die Anonymität des Bargelds predigen, bereitet die Europäische Zentralbank (EZB) längst den nächsten Schritt vor. Früher oder später wird der digitale Euro kommen – auch wenn offiziell noch nichts entschieden ist. Zu groß ist die Angst der Währungshüter, durch Bitcoin, Ethereum und Co den Einfluss zu verlieren. Und auch China, das fleißig den E-Yuan entwickelt, will man das Feld der Kryptowährungen nicht alleine überlassen. Ein umfangreicher Themenkomplex, dem das Kooperationsnetzwerk "watch.it" der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach dieser Tage einen Vortragsabend widmete.

Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) im Euroraum auf Banken und Sparkassen. Dr. Heike Winter von der Bundesbank stellte die Pläne für einen digitalen Euro in der Europäischen Währungsunion vor. Dr. Udo Milkau, ehemals DZ-Bank, und Dr. Alexander Bechtel von der Deutschen Bank, setzten sich mit den Chancen und Risiken einer CBDC für die Geschäftsmodelle der Banken, aber auch für das Finanzsystem insgesamt auseinander. Prof. Dr. Jan Greitens ging mit einer historischen und theoretischen Perspektive auf mögliche Auswirkungen eines Währungswettbewerbs ein. Den Vorträgen schloss sich eine Diskussionsrunde an. Diese und sämtliche Vorträge sind jetzt auf der Webseite des Kooperationsnetzwerks abrufbar.

Vollkommen anonym wie Bargeld könne der digitale Euro nicht sein, verdeutlichte Dr. Heike Winter von der Bundesbank. Zwar solle der Datenschutz auch mit der neuen Währungsform gewährleistet sein, "aber es ist uns klar, dass das nicht ganz so einfach ist", betonte die erste Referentin des Abends. Schließlich wolle man Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung effektiv verhindern können. Entgegen der öffentlichen Auffassung solle der digitale Euro eine Ergänzung, jedoch kein Ersatz des Bargelds sein.

Positiv am digitalen Euro findet Winter, dass es sich um eine risikofreie Einlage handele, bei der die Verbindlichkeiten bei der EZB liegen. Diese könne – im Gegensatz zu privaten Geldhäusern – "definitionsgemäß nicht bankrott gehen". Außen vor wolle man die Kreditwirtschaft allerdings nicht lassen – sie solle weiterhin "die Schnittstelle zum Kunden" bilden. "Da muss man natürlich schauen, dass sich das in irgendeiner Weise auch für die beteiligten Institute lohnen kann", so die Expertin. Es gebe aber noch viele offene Fragen, etwa die nach der Verzinsung.

Kritiker befürchten, die EZB könne durch den digitalen Euro ihren geldpolitischen Einfluss deutlich ausweiten, durch negative Zinsen Verbraucher direkt dazu bewegen, ihr gespartes Geld auszugeben, statt es auf dem Konto liegen zu lassen. Über die genaue Ausgestaltung der sogenannten "Design features" müsse man noch viel diskutieren, so Winter, bevor man zu einer Entscheidung kommen werde. Auch die Frage, wie man einen digitalen Euro technisch implementiert, sei noch nicht beantwortet.

"Entweder es scheint nicht ohne große Nebenwirkungen zu gehen, oder man macht so viele Einschränkungen, dass man letztlich bei einer relativ trivialen Lösung endet", leitete Dr. Udo Milkau seinen Vortrag ein. Der digitale Euro erzeuge ein Spannungsfeld, "weshalb ich mir einen fundierten ersten Bericht der EZB zu dem Thema gewünscht hätte". Geld basiere auf einer sozialen Vereinbarung "und ist immer mit der Frage des Vertrauens verbunden", betonte Milkau.

Ihn trieb die Frage um, wer die Infrastruktur des digitalen Euros aufbaue und bezahle, wenn für den privaten Nutzer die Anwendung wie vorgesehen gebührenfrei bleibt. Mit der Sepa-Sofortüberweisung habe man eine der modernsten Infrastrukturen der Welt geschaffen. "Da erschließt sich mir nicht, warum wir die jetzt mit einem digitalen Euro wieder ablösen wollen." Zumal bargeldloses Bezahlen bereits quasi überall in Europa möglich sei. "Wenn sich der digitale Euro für etwas anbietet, dann eher für Lösungen, die ich im politischen Bereich verorten würde", so Milkau.

Volkswirt Prof. Dr. Jan Greitens von der DHBW stellte die "extrem libertäre" Position der Bitcoin-Anhänger vor, die sich von den Einflüssen der Zentralbanken lossagen wollten und die wichtigste Aufgabe von Geld in der Wertaufbewahrung, nicht aber in der Fiskalpolitik sähen. Laut Greitens befindet sich die EZB in einem Währungswettbewerb, den man mit "Zuckerbrot und Peitsche", dem digitalen Euro und dem Regulieren dezentralisierter wie privater Kryptowährungen, zu gewinnen versuche. Am Ende sprach er sich für eine CBDC mit dem Fokus auf den Zahlungsverkehr aus – in Verbindung mit einer neuen politischen Fundierung der EZB.

Dr. Alexander Bechtel von der Deutschen Bank stellte den öffentlichen digitalen Euro einem privaten gegenüber. Er sprach sich dafür aus, die Einlagen der Banken auf ihren Konten bei der EZB in eine digitale Währung zu überführen und diese Token allein auf der Transaktionsebene der Geldhäuser/Börsen zu nutzen. Über sogenannte "Smart Contracts" ließe sich das Gegenparteirisiko dann ausschließen. Aus Sicht des Bänkers werde in Zukunft sowohl ein öffentlicher als auch privater digitaler Euro koexistieren, Finanzwirtschaft und EZB müssten aber weiterhin an einem Strang ziehen.

Info: Vorträge und Podiumsdiskussion unter watchit-konferenz.de/#tab-6-2.



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