Mannheim: Christliches Schulprojekt in ehemaligem Hofgut
Von Heike Warlich-Zink
Mannheim. "Wir haben Kirschgartshausen – Gott sei Dank": Mit diesem Satz begrüßt der Dietrich-Bonhoeffer-Verein für christliche Pädagogik Mannheim aktuelle die Besucher seiner Homepage. Sie hat vom Land Baden-Württemberg den Zuschlag für das ehemalige Hofgut erhalten. Das Grundstück mit einer Fläche von insgesamt 35.000 Quadratmeter wird dem Verein auf Erbpacht überlassen.
Darauf befinden sich neun Gebäude, darunter die ehemalige, um 1780 errichtete Gutsschänke, Wiegehäuschen und ein Verwalterwohnhaus aus dem Jahr 1790, das ehemalige Saisonarbeiterwohnhaus, Baujahr 1824, ein Wohnhaus im Einfahrtsbereich (1803) sowie zwei zwischen 1784 und 1964 errichtete Scheunengebäude. Da es sich bei der Anlage um ein Kulturobjekt handelt, bedürfen bauliche Veränderungen der Zustimmung der Denkmalschutzbehörde.
Der 1272 erstmals unter dem Namen "Husen" erwähnte Weiler im Norden Mannheims liegt nur einen Steinwurf von Lampertheim und damit von Hessen entfernt. Zwei Kilometer sind es zur Grenze nach Rheinland-Pfalz. In diesem "Dreiländereck" soll ein Schulstandort in christlicher Trägerschaft einschließlich Jugendlandwirtschaft und einem Dauerprojekt gegen Antisemitismus entstehen. Als erstes einziehen wird die staatlich anerkannte Grundschule, die der Verein seit September 2020 im "Im Rott" betreibt. Für dieses Vorhaben müssen die Gebäude zuvor umfassend saniert und das Areal aus dem Dornröschenschlaf geholt werden.
"Es ist traumhaft hier", sagt Daniel Ehmer. Der Erste Vorsitzende des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins hatte Kirschgartshausen im Rahmen einer Radtour kennengelernt. "Als dann die Ausschreibung des Landes kam, haben wir uns mit dem Konzept einer christlichen Schule beworben", erzählt der Vorstandsvorsitzende. Auf den ersten Blick mag man seine Begeisterung für das Hofgut vielleicht nicht nachvollziehen können. Zwar lassen Herrenhaus, Jugendstilvilla und einige andere Häuser noch den adeligen Glanz früherer Zeiten erahnen. Doch schon in der Ausschreibung steht unter Besonderheiten: "Gebäude befinden sich in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Sie wirken verlassen, teilweise verwahrlost. Die Natur hat sich viele Bereiche zurückerobert. "Genau der Ort, den wir uns vorstellen, um im Einklang mit Denkmalschutz, Fauna und Flora unser pädagogisches Konzept zu realisieren", sagt Ehmer.
Im Herbst 2021 soll der offizielle Spatenstich für den Umbau sein. Begonnen wird mit dem Herrenhaus, das zuletzt als Ausflugslokal diente. Zwei Jahre später rechnet er mit dem Umzug der Grundschule. Weiterführende Schulen sollen folgen. "Aber da ist noch alles offen", erklärt er. Ehmer engagiert sich ehrenamtlich im Verein. Aus seiner Tätigkeit als Schulleiter einer christlichen Schule in Nordbaden wisse er aber, dass kurzfristige Impulse nicht ausreichen, um langfristig ein Lerninteresse zu wecken. "Was müssen wir tun, damit du schwere und trockene Lerninhalte begeistert lernst?", wurden daher 240 Kinder und Jugendliche bei einem Sommerlager in Mannheim gefragt, das der Verein seit 1996 ausrichtet.
Ob Sport, Naturwissenschaft oder Erlernen des ABC: Die jungen Menschen hätten vor allem angegeben, dass sie verstehen wollen, wofür sie lernen und Gelerntes praktisch anwenden können. Nicht minder wichtig sei eine ansprechende Lernumgebung. All das soll perspektivisch in Kirschgartshausen umgesetzt werden. Der geplante Bauernhof soll später einmal von den Kindern betrieben werden. Auch andere Schülerfirmen wie ein Bauernladen oder das "Reisebüro für Klassenfahrten" sei denkbar. "Gelernte Anwendung" nennt es Ehmer. Und das bezieht sich durchaus auch auf den christlichen Glauben. Dieser ist seiner Meinung nämlich nicht out. "Junge Menschen suchen Werte, Orientierung und Inhalte", sagt er und ergänzt, dass die christliche Privatschule praxisnah und international ausgerichtet sei. Man wolle sich daher auf dem Hofgut nicht abschotten, sondern einen offenen Begegnungsort schaffen.
Mit diesem Konzept habe man beim Land überzeugen können. "Stiftungen und Firmen unterstützen uns. Wir werden Schulbaufördermittel und Denkmalschutzfördermittel beantragen. Vor allem aber brauchen wir jetzt die Ehrenamtlichen unseres Vereins sowie weitere tatkräftige Helfer, kreative Ideengeber und wohlwollende Spender", sagt Ehmer mit Blick auf das Mammutprojekt, dass Stück für Stück und in enger Abstimmung mit den Behörden umgesetzt werden soll.