Sandhausen: In seinen Werken sucht er nach Gott
Region Heidelberg. Die "RNZ-Galerie" bringt den Kunstgenuss nach Hause. In lockerer Folge stellt die Serie Kunstschaffende aus der Region rund um Heidelberg vor, jeweils mit einem ausgesuchten Werk. Heute dreht sich die Reihe um Alf Osman, den der Autor Werner Popanda in Sandhausen besuchte.
> Alf Osman präsentiert seit den 1980er Jahren in zahlreichen Ausstellungen sein künstlerisches Schaffen. Wenn man mit ihm darüber spricht, ist es wohl schon fast eine Zwangsläufigkeit, dass früher oder später das Thema Religiosität in den Mittelpunkt der Unterhaltung rückt. Und zwar deshalb, weil Osman wie er selbst sagt nicht nur schon immer der "Eremit in der Malstube" gewesen sei. Sondern auch ein Gottsucher, in dessen Werken die "Suche nach Gott absichtslos, ungerufen zum Ausdruck kommt". Das rührt ihm zufolge daher, dass er sich stets folgende Fragen stelle: "Woher kommen wir, warum sind wir auf dieser Welt?" Die Antwort, die der Maler hierauf finde, laute so: "Da ist noch etwas, da ist noch etwas Tieferes."
Doch der Reihe nach: Das Licht der Welt erblickte Adolf Friedrich Osman, so der volle Name des Sandhäuser Künstlers, der nach seinen Worten nie anders als Alf gerufen wurde, am 20. Mai 1941 im westpreußischen Graudenz. Dokumentiert ist das und noch vieles mehr in dem Buch "Die Osmans – Eine Familiengeschichte", das sein Vater im Jahre 1994 veröffentlicht hat. 1945 wurde die Familie Osman aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Zur neuen Heimat wurde zunächst Bad Lauterberg im Harz. Sein Vater kehrte 1950 als, so Alf Osman, "schwer gezeichneter Mensch" aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. In die Kurpfalz zog die Familie 1954 deshalb, weil sein Vater hier eine Hühnerfarm übernahm. Erste Station war damals Eppelheim. 1957 erfolgte ein weiterer Umzug, diesmal in den Heidelberger Stadtteil Pfaffengrund.
Von 1961 bis 1966 studierte Osman an der Universität Heidelberg und der Freien Akademie Mannheim die Fächer Kunstgeschichte, Germanistik und Grafik. Mit einem Designer-Diplom in der Tasche betätigte er sich ab 1966 als Grafiker, begann aber zugleich ein Studium an der Pädagogischen Hochschule (PH) Heidelberg mit dem Hauptfach Kunsterziehung.
Nach dem Abschluss dieses Studiums ging er 1969 in den Schuldienst. Zuerst unterrichtete er als Grund- und Hauptschullehrer in Sandhausen an der heutigen Theodor-Heuss-Grundschule. Nach einem "gleichwertigen Zusatzstudium für den weiterführenden Lehrer" unterrichtete er von 1972 bis zu seiner Pensionierung 2001 an der Realschule Walldorf die Fächer Kunst, Deutsch und Religion.
Zu dieser Laufbahn sagt Alf Osman, der seit 55 Jahren mit seiner Frau Inge verheiratet, Vater von zwei Kindern und Großvater von sechs Enkeln ist, dass er natürlich schon einen "Beruf hatte, der mich ernährt". Und in dem es ihm noch dazu möglich gewesen sei, den "künstlerischen Part als Lehrer an die Menschen heranzubringen". So gesehen habe er seine Leidenschaft durchaus zu seinem Metier machen dürfen.
Doch an erster Stelle sei es ihm immer um die eigene Malerei gegangen. In der Tat habe er schon in frühester Kindheit seine Mutter, seinen Großvater oder andere Familienmitglieder unablässig dies wissen lassen: "Mir ist so malig!" Hieran habe sich bis in diese Tage hinein nichts geändert. Nach wie vor sei die Malerei für ihn nicht einfach nur ein Wachstumsprozess, sondern sogar eine Dauerblüte.
Was sein Gesamtwerk anbelangt, kam der jüngst mit dem Willibald-Kramm-Kunstpreis Geehrte 2013 bei einer Vernissage in Sandhausen zu dem Schluss, in seinen Bildern sei zu erkennen, dass er ein "Konstruktivist ist, der die Romantik liebt". Überdies sei er frei nach dem Motto "Alles Überflüssige raus aus den Bildern!" ein überzeugter Anhänger der Reduktion.
Auch an diesem Credo hat sich allem Augenschein nach nichts geändert, denn für ihn gilt nach wie vor dies: "Das ist ein Rausschmeißprozess, die Vielfalt der Dinge will und darf immer auf erzählbare und mitteilbare Form gebracht werden!" Was wiederum seinen Glauben anbelangt, zieht er folgendes Fazit: "Wir sind die großen Seiltänzer, und das sind wir ein Leben lang."
> "Runder Tisch" heißt dieses im vergangenen Jahr erschaffene Öl-auf-Leinwand-Bild, das 100 auf 120 Zentimeter groß ist. Es ist ein Paradebeispiel für ein Gesamtwerk, das sich durch klares magisches Licht und starke Kontraste auszeichnet. Für Alf Osman ist der "Runde Tisch" eine "Einladung, auf den Weg des Zueinanders zu kommen", denn alles andere führt seiner Auffassung nach in den Ruin. Deshalb würden die "Lebensschiffchen unterschiedlicher Individuen einen Versammlungsreigen tanzen" und seien "damit beschäftigt, einander zuzuhören und voreinander zu lernen".