Wiesenbach: Nach zwei Stunden war der Wasserrohrbruch aufgespürt
Wiesenbach. (nah) Einen Wasserrohrbruch aufzuspüren ist so eine Sache: Manchmal geht es ganz schnell binnen weniger Stunden – manchmal kann es bis zu drei Tage dauern. Am Donnerstagmorgen war die Fachfirma Nerstatt Trinkwasserversorgung GmbH aus Michelstadt in Wiesenbach gemeinsam mit Bauhofmitarbeiter Markus Kress im Einsatz, um eine Leckage im Leitungsnetz aufzuspüren. Und diesmal hatte man schon nach weniger als zwei Stunden Erfolg.
Wertvolle Vorarbeit dazu hatte Karlheinz Brodtbeck geleistet. Er ist Wassermeister des Wasserzweckverbandes Gruppenwasserversorgung Unteres Elsenztal, dem neben Wiesenbach auch die Gemeinden Bammental, Gaiberg, Mauer und der Neckargemünder Stadtteil Waldhilsbach angehören. Brodtbeck war es auch gewesen, dem der Wasserverlust im Netz auffiel. Bauhofleiter Hubert Habel sprach von einem Verlust von 0,4 Liter pro Sekunde.
Deshalb wurde nächtens, als die Wasserentnahme aus dem Leitungsnetz gegen Null ging, durch Absperrschieber das Wasser so umgeleitet, dass eine Gebietseingrenzung möglich war. Ein erheblicher Wasserverlust wurde im Oberdorf angezeigt, wie Haupt- und Bauamtsleiter Markus Kustocz feststellte. Er war entweder im Bereich des Gebiets Vorstädter Straße oder auf der gegenüberliegenden Seite auszumachen.
Nun ist es nicht so, dass immer ein Rohrbruch Ursache für den Wasserverlust ist. Bauhofleiter Habel wusste von einem Fall zu berichten, wo "nur" vergessen wurde, einen Gartenschlauch abzustellen – und das Wasser Liter um Liter davonlief. Zu erheblichen Schwankungen im Leitungsnetz kann es auch kommen, wenn private Schwimmbäder befüllt werden. Da dies zumeist über Nacht geschieht, ergeht immer wieder regelmäßig ein Aufruf der Gemeinden, solche Vorhaben rechtzeitig anzuzeigen, um Fehlschlüsse zu vermeiden.
Auf der Hauptstraße zwischen Sportplatz und Vorstädter Straße wurde mit den Messungen begonnen. Dazu wurden im Bereich der Hydranten Hydrophone – quasi "Unterwassermikrofone" – in die Leitung eingelassen. Der Abstand zwischen den Hydranten wurde genau vermessen. Mit Hilfe des Leitungsdurchmessers und -materials konnte der Computer die Stelle berechnen, in der der lauteste Schallpegel – verursacht durch das Entströmen des Wassers – gemessen wurde.
Das Geräusch war im Bereich der Einmündung der Bergstraße am stärksten, woraus Jens Pietsch, Mitarbeiter der oben genannten Fachfirma, schloss, dass das Problem dort liegen könnte. Seit drei Jahren ist Pietsch für die Firma 100 Kilometer rings um den Standort Michelstadt unterwegs und spürt Leitungsleckagen auf. So wurde auch schon Wiesenbacher Wasserrohrbrüchen auf die Spur gekommen, wie Bauhofleiter Habel bestätigte.
Mit der nächsten Messung in der Bergstraße über Hydrophon ließ sich die Leckage weiter eingrenzen, wobei Pietsch ausschließen konnte, dass die Wasserleitung der Straße betroffen ist. Das Problem lag in Richtung eines Hausanschlusses.
Um den Aufgrabungsbereich und die unterirdische Leckage punktgenau zu ermitteln, hörte er den Leitungsabschnitt zwischen Wasserleitung und Hausanschluss mit dem Geophon ab und ermittelte eine Stelle auf dem Grundstück des Hauseigentümers. Ein Geophon ist ein elektromechanischer Wandler, der Bodenschwingungen in Spannungssignale umwandelt. Es kommt zum Einsatz, um Bruchstellen in Wasserdruckleitungen ausfindig zu machen, aber auch in der Bautechnik zur Baugrunduntersuchung oder im Bergbau zur Lagerstättensuche.
Um jeden Irrtum auszuschließen, wurden Markus Kress und Jens Pietsch nun bei den Hausbewohnern vorstellig. Von den Mietparteien trafen sie einen Mieter an, der ihnen Zutritt zum Hauswasseranschluss mit Wasseruhr gewährte. Nachdem, nach Schließung der Leitung, kein Wasser im Bereich des Hauses mehr entwich, verdichtete sich der Verdacht auf ein Leck in der Leitung zwischen Haus und Wasserversorgungsleitung.
Pietsch wollte auf Nummer sicher gehen und mittels Einbringen von Druckluft in den geschlossenen Leitungsabschnitt des Hausanschlusses die Leckage punktgenau lokalisieren. Über einen Schlauch wurde die Druckluft in den Leitungsabschnitt eingepresst und mit dem Geophon ging er oberirdisch den in Frage kommenden Bereich ab, um die Stelle mit entweichender Luft zu ermitteln. "Es ist genau hier", wies er auf den bereits zuvor aufgesprühten blauen Punkt auf der Pflasterfläche.
Damit war die Arbeit der Fachfirma in Wiesenbach beendet. Das Leck im Hausanschluss muss nun der Eigentümer selbst beseitigen. Damit sich der Wasserverlust in Grenzen hält, bleiben ihm dazu zwei bis drei Tage Zeit. "Wenn bis dahin nichts passiert ist, wird die Gemeinde den Schaden beheben und die Kosten dafür dem Hauseigentümer in Rechnung stellen", erklärte Kustocz.