Rettungsmedaille verliehen: Auszeichnung für den Neckar-Retter
Von Julia Schulte
Heidelberg. Ein kalter Januarabend, circa 22 Uhr, es ist dunkel und die Wassertemperatur des Neckars beträgt neun Grad. Das waren die äußeren Umstände, als Artur Solowiej mit seinen Hunden an der Alten Brücke Gassi ging und plötzlich Hilfeschreie hörte, die aus dem Neckar kamen. Solowiej zögerte nicht lang, übergab seine beiden Hunde Passanten und rannte über die Brücke an das nördliche Ufer des Flusses. Dort zog er sich aus, stürzte sich ins Wasser und rettete eine sich in Lebensgefahr befindende Frau (die RNZ berichtete).
Für seine mutige Rettungsaktion wurde der heute 36-jährige Artur Solowiej jetzt mit der Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet, die ihm von Oberbürgermeister Eckart Würzner im Heidelberger Rathaus verliehen wurde. Die Medaille erhalten Personen, die Menschen unter Einsatz des eigenen Lebens aus einer Lebensgefahr retten. Bei der Verleihung am Mittwoch waren außerdem der erste Vorsitzende der DLRG-Stadtgruppe, Steffen Wörner, sowie der stellvertretende Leiter der Wasserschutzpolizei, Reiner Eigenmann, anwesend und gratulierten.
Auch wenn die Ereignisse inzwischen anderthalb Jahre zurückliegen, erinnert sich Solowiej noch an die Geschehnisse des Abends. Er habe die Hilferufe gehört und eine Art Tunnelblick eingenommen, erzählt er. Am anderen Ufer angekommen, habe bereits ein älterer Herr am Wasser gestanden und gemeinsam hätten sie versucht, die rufende Person zu verorten. Anschließend sei er, ohne weiter nachzudenken, ins Wasser gestiegen. "Man versucht dann einfach, heil wieder rauszukommen", so Solowiej, der bloß Hobbyschwimmer und "nicht der Fitteste" ist, wie er selbst sagt. In Erinnerung geblieben seien ihm vor allem zwei Geräusche, die er vernahm, kurz bevor er ins Wasser stieg: Das Jaulen seiner Hunde vom gegenüberliegenden Ufer und die Sirenen der Einsatzkräfte. Letztere hätten ihm Sicherheit gegeben, da er gewusst habe, dass Hilfe auf dem Weg sei. "Es war wirklich beeindruckend, wie schnell so viele Einsatzkräfte angerückt waren."
OB Würzner lobte Solowiejs Zivilcourage und bedankte sich bei dem Retter: "Was Sie gemacht haben, ist großartig, und deshalb sagen wir heute gemeinsam danke." Viele Menschen würden in solchen Situationen passiv bleiben, anstatt aktiv Hilfe zu leisten, so Würzner. Tatsächlich war Solowiej an jenem Abend der einzige Anwesende, der beherzt eingriff und zur Tat schritt. Der Oberbürgermeister übergab dem ehemaligen Altstädter Solowiej neben der Rettungsmedaille auch eine Urkunde des Ministerpräsidenten. Ein ganz besonderes Geschenk erhielt der 36-Jährige auch von der DLRG, in deren Name Wörner ihm einen Rettungsschwimmerkurs und eine Fahrt mit dem DLRG-Boot versprach.
Der Trubel um seine Person ist dem Retter ein wenig unangenehm, doch er sei natürlich stolz auf seine Tat, sagte Solowiej. Zur Verleihung kam auch seine Frau, Katrin D’Inka, die ihm nach seiner Heimkehr erst gar nicht geglaubt habe, was da passiert sei. "Erst habe ich sogar geschimpft, weil die Aktion so riskant war, aber dann war ich natürlich unheimlich stolz", erzählte sie.
Wie man sich verhalten sollte, wenn man bemerkt, dass jemand im Wasser in Gefahr ist, erklärten Wörner und Eigenmann. "Auf jeden Fall zuerst den Notruf wählen", so Eigenmann. "Und danach Hilfe suchen und andere Anwesende ansprechen", erklärte der Polizist weiter. Ob man tatsächlich selbst zur Hilfe eilen sollte, sei Abwägungssache: "Man sollte sich nicht überschätzen, im Zweifel sind die Einsatzkräfte sehr schnell vor Ort." Eigenmann erinnerte auch noch einmal daran, dass der Neckar eine Schifffahrtsstraße und die Strömung nicht ohne sei: "Natürlich zieht der Fluss die Menschen an, aber ich rate dringlichst davon ab, im Kanal zu schwimmen."