Heidelberg: Drei gute Ideen für das Areal an der Kurfürstenanlage
Von Birgit Sommer
Heidelberg. Die Print Media Academy (PMA) am Bahnhof steht. Noch weiß niemand, was letztlich mit dem Gebäude geschieht. Doch für die von der Heidelberger Druckmaschinen AG verlassenen Gebäude nebenan und das Gelände der Stadtwerke gibt es neue Konzepte. 17 Architekturbüros machten sich im Ideenwettbewerb Gedanken.
Den alleinigen Sieger gab es allerdings nicht. Die Jury kürte drei Büros mit zweiten Preisen für Arbeiten, deren Qualität als gleichwertig betrachtet wurde. Sie sollen mit Anregungen des Preisgerichtes ihre Planung nun weiter ausarbeiten. Zum Jahresende könnten dann der endgültige Sieger feststehen und das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden.
Der angespannte Heidelberger Wohnungsmarkt wird von dem neuen Projekt profitieren, das von der Epple GmbH und der Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz Heidelberg (GGH) gemeinsam gestemmt werden soll. 400 bis 500 Wohnungen für vielleicht 1200 neue Bewohner entstehen dort, ausdrücklich nur wenige Ein-Zimmer-Wohnungen. Dazu kommen Gewerbe, Restaurants, Räume für Kreativwirtschaft. Geschäftsführer Andreas Epple rechnet mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe auf dem gesamten Areal.
Epple hatte vor fünf Jahren die Gebäude der ehemaligen Hauptverwaltung der Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen und als Zwischennutzung einen Campus installiert. Start-ups, Künstler und Ausbildungseinrichtungen haben dort Platz gefunden und sollen ihn auch mit der Neubebauung nicht verlieren. Andreas Epple zeigte sich bei der Vorstellung der Planungen beglückt, wie die Architekturbüros die komplexen Aufgaben zu einem besonderen Ergebnis geführt hätten.
Die Stadtwerke werden in das ehemalige Forschungszentrum von "Heidelberger Druck" einziehen und ihr Gelände bis hin zum Landratsamt mit in die Neubauplanung einbringen, die hier in den Händen der GGH liegt. "Wir wollen attraktive und preiswerte Wohnungen schaffen", erklärte Ronald Odehnal, der Leiter der Projektentwicklung bei der GGH. Blockheizkraftwerk und Gasheizkraftwerk bleiben allerdings bestehen. Ein Planungsentwurf fügte dem Schornstein sogar eine äußere Spirale samt Aussichtsplattform an, was Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Teigeler zum Schmunzeln brachte: "Das kann ich mir gut vorstellen, sogar mit Rutschbahn." Und vielleicht auch einen vertikalen Garten am Heizwerk, den ein Büro entwarf?
Heidelbergs Baubürgermeister Jürgen Odszuck sieht in der Planung einen Meilenstein in der Entwicklung der Stadt, die seit Jahren in den Westen führt, nicht zuletzt mit der Bahnstadt. Die Kurfürstenanlage spanne die Altstadt mit dem Bahnhofsareal zusammen. Doch die begrünte Straße sei nicht als Boulevard erkennbar, bemängelte er. Deshalb war die Durchlässigkeit der Neubebauung zur Kurfürstenanlage auch von den Planern zu berücksichtigen, genauso wie die private und öffentliche Wegführung zwischen Kirchstraße und Gaswerkstraße. "Eine andere Art von zeitgenössischer Urbanität" will Odszuck an diesem Standort erreichen. "Und wir brauchen auch einen neuen Leitgedanken, wie sich die Grünfunktion heute weiterentwickeln kann", sagte er beim Presse-Gespräch. Es gehe um Schatten, Kühle und Luftaustausch.
Die drei Preisträger – A + R Architekten, Stuttgart, Fink + Jocher, München, und Bilger Fellmeth, Frankfurt, bekommen für ihre Arbeit je 35.000 Euro – platzierten alle die Mathematik-Informatik-Station (MAINS) der Stiftung Heidelberg Laureate Forum Foundation an die Kurfürstenanlage unmittelbar neben der Print Media Academy. Verhältnismäßig kompakte Gebäude planten sie, wie auch gewünscht, an der Kurfürsten-Anlage, während im Innenteil des Areals kleinteiliger und mit verschiedenen Höhen gearbeitet wurde. Damit passt man sich an die Gründerzeitbebauung jenseits der Alten Eppelheimer Straße an. Während sich die Stuttgarter mehr auf die Innenhöfe konzentrierten, öffneten die Münchener und Frankfurter Architekten auch einen kleinen Platz zur Kurfürstenanlage.
Ein besonders mutiger vierter Entwurf, so Daniela Reich, Projektleiterin bei der Epple GmbH, bekam eine Anerkennung: Blöcke, die nach außen abschließen und einen großen Innenhof mit Bäumen umschließen, der nach Ansicht eines Klimatologen die Luft im Sommer um fünf bis sieben Grad abkühlen könnte. Doch das Preisgericht fand, diese Planung sei Qualität zulasten der Umgebung und zu wenig einladend für die Nachbarschaft.