Schwetzingen: Sie hilft Familien in Not
Von Stefan Kern
Schwetzingen. Nach ein paar Minuten mit Nicole Blem wird klar: In der Familienhilfe liegen Beruf und Berufung oft nah beieinander. Sie arbeitet im Generationenbüro der Stadt Schwetzingen, das als zentrale Anlaufstelle für Senioren, Familien und andere Bürger in verschiedenen Lebenslagen dient. Nicole Blems Job ist es, Menschen in Not zu helfen.
Das Leid, mit dem sie dabei immer wieder konfrontiert wird, setzt ihr durchaus zu. Schlimm sei vor allem, wenn es um kranke Kinder gehe. Ein Fall ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Ein alleinerziehender Vater stieß bei der Betreuung seines krebskranken Kindes an seine Grenzen. "Solche Schicksale steckt man nicht so einfach weg", sagt Blem. Um Abstand zu gewinnen, hat sie zwei Strategien: Entweder sie schaut Fantasie-Thriller wie "Game of Thrones" an, oder sie hört Heavy Metal oder Hardcore Techno und backt dabei Torten. Das hilft ihr beim Abschalten. Tatort-Krimis und andere sozialkritische Filme wie das Drama "Systemsprenger" könne sie sich nicht antun. "Zu viel Realität, da komme ich nicht runter", sagt Blem.
Und das muss sie. Denn der Job im Generationenbüro bringt auch sie hin und wieder an ihre Grenzen. Doch Nicole Blem kann damit umgehen. Oft geht es um finanzielle Probleme, größtenteils bei alleinerziehenden Müttern oder Vätern. Dabei wird zunächst die finanzielle Situation der Familie geprüft. Keine angenehme Situation für die Beteiligten. Doch wenn die Allgemeinheit in die Verantwortung gehe, seien solche Kontrollen vertretbar, meint Blem.
Außerdem braucht sie einen Überblick, um zu erkennen, wo es hakt. Dabei müsse sie den Betroffenen mitunter klar machen, dass sie etwas sparsamer leben müssen. Die meisten Menschen, die zu ihr kommen, haben aber ein anderes Problem: Sie wissen nicht, welche staatlichen Leistungen ihnen zustehen. Viele Familien und Alleinerziehende würden sich ohne Hilfe kaum zurechtfinden. "Aber genau dafür ist das Generationenbüro ja da", sagt Blem. Sie und ihre Kollegen prüfen alle möglichen Leistungsansprüche: von Zuschlägen für Eltern- oder Kindergeld über den Mietzuschuss und Hilfe aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Auch Hilfen bei der Kinderbetreuung und die Übernahme des Essensgeldes sind Thema. Vor Kurzem kam eine alleinerziehende Mutter mit einem "klassischen" Notfall ins Generationenbüro. Das Kinderbett war zusammengebrochen, und ihre finanziellen Mittel reichten nicht aus, um schnell Ersatz zu besorgen. Ein Fall für die Notgemeinschaft. "Ich habe sie in ein Möbelgeschäft geschickt, um ein Kinderbett zu kaufen", berichtet Blem. Die Frau müsse die Quittung bei ihr einreichen und bekomme den Betrag in bar erstattet.
Wenn es um Überschuldung geht, müssen aber die Profis von Diakonie und Caritas ran. Das Generationenbüro ist auch mit der Jugend- und Sozialarbeit, den Schulen, der Polizei und vielen anderen Institutionen vernetzt. Dieses Netzwerk sei auch im Kontext der häuslichen Gewalt sehr wichtig. Deren Ausmaß werde häufig unterschätzt, und die Möglichkeiten zu helfen seien alles andere als optimal. "Die Frauenhäuser sind voll, da geht nichts mehr", erzählt Blem. Die Corona-Krise habe mögliche Ausweichräume weiter eingeschränkt. Aus Gesprächen mit der Polizei weiß sie, dass auch in Schwetzingen die Zahlen deutlich gestiegen sind. Für Blem steht fest: "Wir lassen die Frauen und Kinder niemals allein." Neben dem Zuhören geht es vor allem um Hilfe bei der Wohnungssuche. Die Stadt verfügt über einige Notwohnungen, um Frauen und Kinder für eine gewisse Zeit unterzubringen.
Die momentanen Quadratmeterpreise erleichtern die Suche nicht. Aber Lösungen zu suchen, ist Nicole Blems oberste Pflicht. "Man muss die Gewaltspirale durchbrechen und Perspektiven schaffen", sagt sie. "Dafür lohnt es sich, jeden Morgen aufzustehen."
Info: Nicole Blem ist im Generationenbüro unter der Telefonnummer 06202 / 87.497 oder per E-Mail an nicole.blem@schwetzingen.de erreichbar. Mehr Infos gibt es unter www.schwetzingen.de.