Kürnbach: Keine Gastronomie auf dem Weingut Gravino
Kürnbach. (fz) Jochen Grahm hatte alles versucht, um den Gemeinderat zu überzeugen. Am Ende einer fast einstündigen lebhaften Diskussion versagte der Kürnbacher Gemeinderat dem Bauantrag Grahms mehrheitlich das Einvernehmen. Dass das Vorhaben, die Einrichtung einer Gaststätte im Weingut Gravino, nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, hatte sich bereits in der Gemeinderatssitzung der vergangenen Woche abgezeichnet.
Grahm hatte nun die Gelegenheit, dem Gremium sein Konzept vorzustellen. Ruhig und sachlich trug er die Vision seiner Gaststätte "Zum Grenzgänger" vor. Direkt am badischen Weinradweg gelegen, habe er vor allem Radfahrer, aber auch Wanderer und Spaziergänger als Zielgruppe im Blick. Denen wolle er eine Einkehrmöglichkeit bieten, von denen es in Kürnbach ohnehin nicht allzu viel gebe.
Auch wenn einige Gemeinderäte durchaus von der Idee einer touristischen Stärkung angetan waren – "im Grunde ist das genau, was uns fehlt", hieß es –, wogen die Bedenken doch schwer. Mit einer Gaststättenerlaubnis seien Öffnungszeiten von täglich 6 bis 22 Uhr möglich, gab Bürgermeister Armin Ebhart zu bedenken.
Da half es auch nicht, dass Grahm den Sonntag von 10.30 bis 21 Uhr als geplante Hauptöffnungszeit angab. "Wir sind ein Winzerbetrieb, wir wollen kein Gastronomiebetrieb werden", versicherte Grahm. Die hohe Anzahl der Sitzplätze – innen 45, außen 145 –, waren ebenfalls Stein des Anstoßes. Grahms Lebenspartnerin Tanja Kirchgeßner begründete die Zahl mit der notwendigen Flexibilität, um wirtschaftlich agieren zu können. Die Versuche einiger Gemeinderäte, hierüber in "Verhandlungen" einzusteigen, unterband der Verwaltungschef mit dem Hinweis, dass über den Antrag in seiner vorgelegten Form zu entscheiden sei. Letztendlich wird zwar das Landratsamt als Untere Baurechtsbehörde über den Antrag entscheiden, dieses berücksichtigt jedoch in der Regel das Votum des Gemeinderats. Die Gemeinderäte taten sich sichtlich schwer, zwischen den Belangen des Weinguts und den Bedenken der Anwohner, die wieder zahlreich auf der Empore die Sitzung verfolgten, abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen. Obwohl Ebhart beständig seine Bedenken vortrug, war er erst auf mehrfache Nachfragen aus dem Gemeinderat bereit, einen Beschlussvorschlag zu formulieren. Dieser fiel dann gegen das Baugesuch aus. Die Mehrheit des Gemeinderats folgte ihm.
Anschließend wurde über weitere Themen diskutiert. Da die Gemeinde den aktuellen Bauhof zugunsten einer Wohnbebauung aufgeben wird, wurde mit dem Kauf eines Bauernhofes eine alternative Lösung angestrebt. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass das Wohngebäude nur mit einem hohen sechsstelligen Betrag für eine dauerhafte Nutzung hergerichtet werden könne. Architekt Manuel Müller stellte eine Planung vor, wie durch den Kauf von Aufenthalts- und Sanitärcontainern eine schnelle Einsatzbereitschaft des Bauhofes ermöglicht werden könnte.
Einige Gemeinderäte zeigten sich erstaunt, dass vom gekauften Bauernhof nur die Scheune nutzbar sein soll, und lehnten eine dauerhafte Containerlösung für die Bauhofmitarbeiter ab. Hier bestehe noch Beratungsbedarf.
Eine der angedachten Nutzungsmöglichkeiten des Wohngebäudes war die Einrichtung einer Obdachlosenunterkunft, was Bürgermeister Ebhart aufgrund der hohen Kosten jedoch nicht befürwortete. Als alternative Nutzung brachte er die Idee eines Interessenten ein, der dort Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste einrichten möchte. Die Gemeinderäte wollten aber die Planungs– und Verfügungsgewalt über das Wohngebäude nicht aus der Hand geben – zumal dann die Probleme des Bauhofs und der Obdachlosenunterkunft weiterhin nicht geklärt wären – und lehnten diesen Vorschlag mehrheitlich ab.