Eingemeindung: Rosenberg und Bronnacker schlossen sich vor genau 50 Jahren zusammen
Rosenberg/Bronnacker. (joc) Es war keine dieser schmerzlichen Zwangsverheiratungen von selbstständigen Ortschaften wie sie bei der umfangreichen Gemeindereform in Baden-Württemberg im Jahr 1972 an der Tagesordnung waren, es war eine echte Liebesheirat! Die Rede ist vom Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinde Bronnacker mit dem Nachbarort Rosenberg am 1. Juli 1971 – also heute vor genau 50 Jahren. Das Ereignis soll natürlich heute feierlich mit einem kleinen Fest begangen werden.
Im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung betonen Rosenbergs Bürgermeister Ralph Matousek, die aktuellen Ortsvorsteher Katja Wölfel (Bronnacker) und Sven Baumann (Rosenberg), Markus Meyle (ehemaliger Gemeinderat aus Bronnacker) sowie die Zeitzeugen Gunter Schiff (ehemaliger Ratsschreiber), Helmut Pölcz (ehemaliger Ortsvorsteher von Bronnacker) und Kurt Albrecht (langjähriger Gemeinderat), dass die damalige Entscheidung richtig gewesen sei, und man den Zusammenschluss zu keinem Zeitpunkt bereut habe. Im Gegenteil, beide Seiten hätten in verschiedener Hinsicht voneinander profitiert, und man sei sich heute noch genauso zugetan, wie zu Beginn des Zusammenschlusses. So betonen alle Gesprächsteilnehmer übereinstimmend: "Wir sind 50 Jahre immer gut zusammen ausgekommen und haben ein harmonisches Miteinander gepflegt!"
Ein Erfolgsrezept für das gute Funktionieren ist zweifelsohne, dass sich die Bürger aus Rosenberg und Bronnacker stets als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe gesehen haben. Dies ist sicherlich nicht selbstverständlich, zumal Rosenberg mit 1200 Einwohnern aufwarten kann, während es im kleinen Bronnacker gerade mal 150 sind. Aber der Größenunterschied war in den letzten Jahrzehnten nie ein Thema bei der objektiven Bewertung von Dingen.
Das Zusammengehen von Rosenberg und Bronnacker war quasi ein Vorgriff und bildete den wichtigen Grundstein für die Entstehung der späteren Gesamtgemeinde Rosenberg, zu der sich am 1. Januar 1972 auch noch Sindolsheim und Hirschlanden hinzugesellten.
Der amtierende Rosenberger Bürgermeister Ralph Matousek sagt, dass man in diesem Jahr den Fokus auf den Zusammenschluss Rosenberg und Bronnacker legen und dies entsprechend würdigen wolle. Und dazu gehöre natürlich auch ein (kleines) Fest. Ein richtig großes soll dann im nächsten Jahr folgen.
Rosenbergs langjähriger Bürgermeister Gerhard Baar, der selbst aus Bronnacker stammt, betont: "Der Zusammenschluss von Bronnacker und Rosenberg (und wenig später auch mit Hirschlanden und Sindolsheim) hat sich absolut bewährt. Man muss sehen, dass die Kleinstgemeinde Bronnacker nie in der Lage gewesen wäre, die heutigen Anforderungen an eine Gemeinde zu erfüllen: Ein ehrenamtlicher Bürgermeister, der nur stundenweise im Rathaus war und ein ehrenamtlicher Ratsschreiber bildeten die Verwaltung. Mit geringen Grundsteuereinnahmen und Gewerbesteuer gleich null hätte man sich allein nicht entwickeln können. Man kann sagen: von der Hebamme bis zu den Friedhöfen (Bronnacker hatte nie einen) bestanden die engsten Kontakte zu Rosenberg. So betrachtet, war die Eingliederung nur folgerichtig!"
Die enge Verbindung der beiden Orte kann auch historisch belegt werden, wie Helmut Pölcz erläutert: "Bronnacker hatte im gesamten Verlauf seiner Geschichte ein enges Verhältnis zu Rosenberg. So wurden und werden die gemeinsamen Einrichtungen wie der Friedhof, die Kirchen, die Schule und der Kindergarten (ab 1960) in Rosenberg schon seit vielen Jahrzehnten genutzt."
Für Markus Meyle ist Fußball das verbindende Element. "Viele junge Kicker aus Bronnacker haben in Rosenberg gespielt. So etwas verbindet."
Und Bürgermeister Matousek sagt: "Durch den gemeinsamen Besuch von Kindergarten und Schule ist historisch hier einiges gewachsen."
Helmut Pölcz ergänzt: "Nicht zu vergessen die Feste, durch die gegenseitigen Besuche entstanden enge Kontakte und Freundschaften."
Markus Meyle: "Rosenberg hatte Strukturen, die wir nicht hatten. Von daher zog es uns immer schon nach Rosenberg."
Und doch hätte alles ganz anders kommen können: Denn Bronnacker wurde Anfang der 70er Jahre auch von der Stadt Osterburken heftig umworben. Markus Meyle: "Mein Vater hat mir viel aus dieser Zeit erzählt. Seine Ortskollegen und er hatten damals den Eindruck, dass Bronnacker innerhalb der Stadt Osterburken das fünfte Rad am Wagen geworden wäre. Dagegen hat man den Zusammenschluss mit Rosenberg als Gewinn gesehen." Zudem gab es die ja schon länger bestehenden engen Verflechtungen mit Rosenberg. Dies in Addition hat schließlich zu einem Zusammenschluss zum 1. Juli 1971 mit Rosenberg geführt. Einen großen Anteil hieran hat Alt-Bürgermeister Emil Kistner aus Hirschlanden, dem es gelungen ist, die Ortsteile zur Gesamtgemeinde Rosenberg zu einen. Hätte sich Bronnacker damals nicht für Rosenberg entschieden, wäre alles vielleicht ganz anders gekommen ...
Auf die Frage, ob Bronnacker für den Entscheid für Rosenberg zusätzliches Geld in Aussicht gestellt worden sei, antwortet Gunter Schiff, ein verdienter Brückenbauer im Verhältnis Rosenberg-Bronnacker, bekannt salopp: "A woher!" Sehr zufrieden war man im Ort, dass relativ zeitnah die Kanalisation gebaut werden konnte. Das war Anfang der 70er Jahre im Zuge des Neubaugebiets. "Das bedeutete einen erheblichen Mehrgewinn für Bronnacker", betont Markus Meyle
Jetzt soll noch ein Geheimnis gelüftet werden: Wenn Auswärtige nach Bronnacker kommen, dann sind sie zunächst einmal verblüfft, denn direkt am Ortsschild befindet sich der Zusatz "Golan". Was es damit auf sich hat, erklärt Helmut Pölcz: "Damals gab es natürlich noch kein Handy. Es wurde noch per Walkie-Talkie kommuniziert. Richtfunk, auf der Frequenz 403. Da dort jeder mithören konnte, wurden Passwörter vereinbart. Bronnacker war ,der Golan‘, weil er tatsächlich halb so hoch liegt wie die richtigen Golanhöhen in Israel."
Was hat sich in den vergangenen 50 Jahren in Bronnacker getan? Einiges! Bronnacker war eine recht arme Gemeinde, die immer stark von der Landwirtschaft geprägt war. Auf der 417 Hektar großen Gemarkungsfläche gab es keinen Wald. Somit fehlte eine wichtige Einnahmequelle. Zudem gab es im ganzen Ort keine geteerten Straßen. Hier konnten in den letzten Jahrzehnten einige Verbesserungen erreicht werden. Neben dem Bau von Innerorts- und Zufahrtsstraßen, wurde eine Abwasserbeseitigung installiert, und Baugebiete kamen dazu. Das alte Schulhaus wurde zu einem schmucken Bürgerhaus umgebaut und ansprechend saniert. Im Erdgeschoss ist ein moderner Versammlungsraum. Ferner hat der Ort einen Bolz- und Spielplatz sowie eine Grillhütte. Ralph Matousek: "An Einrichtungen ist alles da!"
Helmut Pölcz misst dem Dorfplatz eine wichtige Funktion zu: "Das ist ein wichtiger Ort der Kommunikation, da kommen auch die Rosenberger gerne hin."
Fazit: Bronnacker muss sich sicherlich vor den anderen Ortsteilen in Rosenberg nicht verstecken, der Ort steht gut da. Heute ist Bronnacker ein begehrter Ortsteil mit einer guten Infrastruktur und viel Natur – Und das ist doch ein Grund, heute ganz ausgiebig zu feiern!
Info: Zum 50-jährigen Bestehen des Zusammenschlusses Rosenberg-Bronnacker soll im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit Vertretern aus Bronnacker und Rosenberg am heutigen Donnerstag um 19 Uhr an der Landesstraße/Bronnacker Weg eine Baumpflanzung stattfinden, um an diesen Moment zu erinnern. Die Bevölkerung ist willkommen. Es wird um Anmeldung im Bürgerbüro gebeten.