Hardheim: Eröffnungsfahrt der Regiobuslinie 82 nach Miltenberg
Hardheim. (jasch) Circa drei Kilometer trennten Miltenberg bis Januar von einer ÖPNV-Verbindung nach Hardheim. Dank der Verlängerung der bestehenden Buslinie 82 gehört die "Lücke" der Vergangenheit an. Zuvor schlängelte sich die Buslinie vom Bahnhof Miltenberg über Eichenbühl und die bayrischen Höhenorte von Neunkirchen bis Guggenberg. Seit Anfang dieses Jahres fährt der Bus nun auch darüber hinaus weiter auf die baden-württembergische Seite durch Rütschdorf und Dornberg bis nach Hardheim – und das fünfmal am Tag.
Dem länderübergreifenden Gemeinschaftsprojekt entsprechend, versammelten sich am Dienstagnachmittag auf dem Miltenberger Bahnhof die Kooperationspartner zur coronabedingt verschobenen "Jungfernfahrt". Darunter waren Bernd Kahlert, Bürgermeister von Miltenberg, Günther Winkler, Bürgermeister von Eichenbühl sowie Hardheims Bürgermeister Volker Rohm, durch deren Gemeinden die Linie 82 fährt. Für den ÖPNV waren Busunternehmer Stefan Ehrlich sowie Wolfgang Klar und Georg Pfleiderer von der Verkehrsgesellschaft Untermain vertreten. Zudem hieß der Miltenberger Landrat Jens-Marco Scherf Landrat Dr. Achim Brötel und Elmar Brümmer vom Fachdienst Öffentlicher Personennahverkehr und Schulträgerschaft aus dem Neckar-Odenwald-Kreis willkommen.
Karl-Heinz Betz, Nahverkehrsbeauftragter des Landratsamts Miltenberg und Aschaffenburg, erläuterte die Streckenplanung: "Es hat Sinn gemacht, die Höhenorte anzufahren und den Leuten mehr Möglichkeiten zu geben. Das hätte man mit einer Expresslinie zwischen Miltenberg und Hardheim nicht erreichen können." Die Linie fährt jeweils am Morgen und am Nachmittag, in der Hoffnung auch für Berufspendler und Auszubildende aus den Ortschaften attraktiv zu sein.
"Als Knotenpunkt in die verschiedensten Richtungen ist es eine deutliche Aufwertung für Hardheim. Damit die Leute jenseits von Berg und Tal zusammenkommen, brauchen wir den ÖPNV. Auch für die Tagestouristen und Fahrradfahrer. Miltenberg hat touristisch einiges zu bieten", beleuchte Bürgermeister Volker Rohm weitere Aspekte der neuen Buslinie. "Von daher sind das fantastische Möglichkeiten. Wir schaffen Verbindungen für Menschen, wir schaffen Chancen für den ländlichen Raum", freute sich Scherf.
"Auch Landkreise können eine Freundschaft haben. Die pflegen wir in besonderer Weise, denn wir haben eine gemeinsame Staatsstraße, Radwege nach Mudau und ins Erftal und jetzt endlich auch diese Busverbindung", lobte Scherf die gute Zusammenarbeit mit dem angrenzenden Neckar-Odenwald-Kreis.
Landrat Achim Brötel führte diese auch auf den betriebswirtschaftlichen Grundsatz "Angebot schafft Nachfrage" zurück: "In diesem Fall gab die neue Schnellbusverbindung des Regiobusses 999 den Ausschlag, die von Buchen über Hardheim nach Tauberbischofsheim führt." Miltenberg ergriff daraufhin die Chance, die bestehende Linie 82 bis Hardheim zu verlängern.
Brötel schlussfolgerte: "Hardheim ist auf einmal zu einem interessanten Busknotenpunkt geworden. Ich habe inzwischen gelernt, dass nicht nur Menschen ein Rendezvous haben können, sondern auch Busse. Rendezvous-Punkt ist jetzt die Haltestelle ,Hardheim-Post‘." Denn an dieser Haltestelle befindet sich laut Fahrplan der Anschluss jeweils zur Minute 27 nach Tauberbischofsheim und zur Minute 36 nach Buchen.
Im Ausblick auf weitere Vernetzungsvorhaben habe man in der vergangenen Woche im Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr beschlossen, auch zwischen Hardheim und Eubigheim das Busangebot verbessern zu wollen, um auf diese Weise die Verknüpfung zur Schiene herzustellen. Insofern würden sich Anknüpfungspunkte zur Frankenbahn ergeben, die am Bahnhof Eubigheim hält und bis nach Würzburg fährt. "Wenngleich zunächst nur in einem dreijährigen Probebetrieb für die kleineren Bahnhöfe", schränkte Brötel ein.
Ganz ohne Kosten geht es jedoch nicht: 145.000 Euro pro Jahr kostet die verlängerte Buslinie 82. Auf den Neckar-Odenwald-Kreis entfallen rund 41.672 Euro. Auch für die Buslinie 82 verständigte man sich zunächst auf einen dreijährigen Probebetrieb. In allen Projekten im Bereich des ÖPNV liege es jedoch immer auch an den Menschen, dieses Angebot zu nutzen. "Hilft ja nichts, wenn die Menschen vehement zusätzliche Busse fordern, dann im Falle eines Falles aber mit dem Auto fahren", betonte Brötel.
Die tariflichen Fragen bezeichnete er als "echte innerdeutsche Grenzen", die aber gut gelöst seien. Auf der Verbund- und Ländergrenzen überschreitenden Strecke gibt es bisher nur Einzelfahrscheine und Tageskarten. Ein Erwachsener kann mit einem Einzelticket für 2,70 Euro die gesamte Strecke Miltenberg- Hardheim oder umgekehrt zurücklegen, ein Kind für 1,90 Euro. VAB (Verkehrsgemeinschaft am bayrischen Untermain)- und VRN-Abos werden wechselseitig anerkannt. Seit Dezember kann der Tarif auch in der RNV-App sowie der DB-App gebucht werden. "Ganz so wie die jungen Menschen es haben wollen", schloss Landrat Jens-Marco Scherf.