Landesregierung: Familien- statt Elternzeit - Bayaz will öfter Homeoffice nutzen (Update)
Stuttgart. (dpa/lsw) Können Ministerinnen oder Minister in Elternzeit gehen? Offiziell vorgesehen ist das nicht. Aber seit der neue baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (37) Vater geworden ist, wird über diese Frage heiß diskutiert. Nachdem der Grünen-Politiker mit einer Art Elternzeit geliebäugelt hatte, machte Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) klar, dass Minister nicht in dem Ausmaß Elternzeit machen könnten wie normale Arbeitnehmer. Nun hat Bayaz erläutert, wie er Familie und Beruf unter einen Hut bekommen will: Vor allem mit Hilfe von Homeoffice.
Bayaz, der mit Katharina Schulze, der Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag, liiert ist, erklärte am Donnerstag: "Nach der Geburt meines Sohne bin ich bewusst kürzer getreten, um bei meiner Familie zu sein. Ich arbeite derzeit aus dem Homeoffice, das geht gut, viele Arbeitsprozesse gehen auch digital, das hat die Pandemie gezeigt. Ich werde auch künftig immer wieder im Homeoffice arbeiten und mir Zeit für meine Familie nehmen." Für ihn sei klar: "Ich möchte meinen Sohn aufwachsen sehen und nicht in ein paar Jahren feststellen müssen, dass ich gar nicht mitbekommen habe, wie groß er geworden ist."
Bayaz reagierte auch auf Kretschmanns Statement: "Der Ministerpräsident unterstützt es, dass ich mir Zeit für die Familie nehme." Der Minister schob nach: "Es sollte selbstverständlich sein, dass sich auch männliche Politiker um ihren Nachwuchs kümmern. Ich habe allerdings ein öffentliches Amt, das mich 24 Stunden am Tag begleitet und das mich auch fordert. Da kann man sich natürlich nie gänzlich rausziehen, das ist klar." Er sei aber auch privilegiert, weil sein Büro ihn bei der Terminplanung unterstütze und für die notwendigen Freiräume sorge. "Wie viele berufstätige Eltern mussten gerade in der Pandemie Kinderbetreuung und Job unter einen Hut bringen. Die standen vor echten Herausforderungen."
Der Heidelberger Bayaz ist seit Mitte Mai Landesfinanzminister, vorher saß er im Bundestag. Seine Partnerin Katharina Schulze fungiert seit 2017 als Fraktionschefin im bayerischen Landtag. Der Lebensmittelpunkt der Familie soll München sein, hatte Bayaz jüngst verraten.
Update: Donnerstag, 1. Juli 2021, 16.46 Uhr
Kretschmann sieht wenig Spielraum für Elternzeit von Finanzminister Bayaz
Stuttgart. (sös) Ministerpräsident Winfried Kretschmann würde gerne Regierungsämter familienfreundlicher gestalten – sieht aber gleichzeitig wenig Spielraum für seinen Finanzminister Danyal Bayaz, um in Elternzeit zu gehen. "Er kann natürlich nicht in Elternzeit gehen wie irgend sonst jemand", sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. "Es geht nicht in der Radikalität." Hier hätten Minister eine Sonderrolle. Bayaz könne vielleicht mehr im Homeoffice arbeiten, so der 73-jährige Kretschmann, der selbst drei erwachsene Kinder – eine Tochter, zwei Söhne – und zwei Enkel hat. Das müsse Bayaz selbst entscheiden. "Aber sicher bleibt er Finanzminister und muss das wahrnehmen."
Gleichzeitig sprach sich Kretschmann dafür aus, Regierungsämter familienfreundlicher zu machen. In Schweden etwa mache die Regierung keine Abendtermine. "Ich glaube nicht, dass Schweden schlechter regiert wird."
Der 37-jährige Bayaz war vor gut einer Woche erstmals Vater geworden. "Happy News: Wir sind jetzt zu dritt! Unserem Sohn und uns geht‘s gut – und wir sind mega stolz und super glücklich", verkündete er am 21. Juni auf Instagram. "Wir wollen unser Familienleben privat halten und bitten daher, die Privatsphäre unseres Sohnes zu respektieren." Mutter ist Bayaz Lebensgefährtin, die bayerische Landtags-Fraktionschefin Katharina Schulze. Lebensmittelpunkt der jungen Familie soll daher München sein, hatte der Minister bereits früher gesagt – er selbst stammt aus Heidelberg.
Zum Amtsantritt im Mai hatte Bayaz im RNZ-Interview angekündigt, er wolle "meinen Beitrag leisten und zeigen, dass auch politische Verantwortungsträger Familie und Beruf unter einen Hut bekommen können und müssen". Gerade nach der Geburt wolle er "möglichst viel Zeit zuhause verbringen".