Ablehnung im Ausschuss: Wie "Terranets BW" die Erdgasleitung durch Heidelberg plant
Von Jonas Labrenz
Heidelberg. Die Planungen für die "Süddeutsche Erdgasleitung" (SEL) sind auch im Stadtentwicklungs- und Bauauschuss des Gemeinderats (Seba) auf Ablehnung gestoßen. Nachdem bereits der Bezirksbeirat Rohrbach den angedachten Trassenverlauf durch Felder und Weinstöcke kritisiert und angeregt hatte, Alternativen zu prüfen, schlossen sich dem am Dienstag auch der Seba und der Bezirksbeirat Emmertsgrund an. Erstmals berichtete eine Vertreterin des Transportnetzbetreibers "Terranets BW" in einem städtischen Gremium über die Planungen: Die SEL wird als 250 Kilometer lange Erdgasleitung geplant und soll von Dossenheim nach Wieblingen führen, über Eppelheim in die Stadtteile Kirchheim und Rohrbach gelangen und auf der Gemarkung Emmertsgrund Heidelberg in Richtung Leimen verlassen.
Um 30 Prozent steigt der Gastransportbedarf laut "Terranets BW" bis 2030. "Diese Zahl haben wir uns nicht ausgedacht", erklärte Maren Raubenheimer, Projektleiterin für den Abschnitt der SEL von Mannheim bis Hüffenhardt, im Ausschuss. Verteilnetzbetreiber, Stadtwerke und Industrieunternehmen hätten diesen Bedarf angemeldet. Von 2012 bis heute sei der Bedarf ebenfalls um 30 Prozent gestiegen. "Die Gründe liegen in der Energiewende", so Raubenheimer. Eine sichere Wärme- und Energieversorgung nach dem Atom- und Kohleausstieg würde gewährleistet "durch eine zuverlässige Versorgung mit Gas, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint". Gaskraftwerke würden dann für die Systemstabilität im Stromnetz sorgen. Langfristig könne man dann "grüne Gase", etwa Biomethan oder Wasserstoff durch die Pipeline transportieren.
"Es ist wenig tragbar, was Sie uns da erzählt haben", konterte Stadtrat Arnulf Weiler-Lorentz (Bunte Linke). Gas sei ein fossiler Brennstoff und deshalb keineswegs positiv für die Energiewende. Ein Projekt wie die SEL mit Umweltschutz zu begründen, sei "etwas irritierend". Darüber hinaus sei es nicht möglich, Wasserstoff im gleichen Maße wie Gas durch die Infrastruktur zu transportieren. Da verwies Raubenheimer allerdings auf aktuelle Forschungen, die genau das in Aussicht stellten.
Um die Belange der Rohrbacher Landwirte und insbesondere der Winzer ging es Stadträtin Larissa Winter-Horn (Die Heidelberger): "Was wollen Sie diesem Stadtteil noch alles antun?", fragte sie etwa im Hinblick auf das geplante Straßenbahndepot in Richtung der Verwaltung. Auch wenn, wie Raubenheimer es in ihrer Präsentation dargestellt hatte, Weinbau nach den Bauarbeiten wieder möglich sei, werde "der Ertrag nie wieder so wie zuvor, sowohl was die Quantität als auch die Qualität anbelangt".
Die Stadtverwaltung kann allerdings wenig gegen die Erdgasleitung ausrichten. Oberbürgermeister Eckart Würzner hatte bereits Vorbehalte gegen die Trasse durch Heidelberg geäußert, den Verlauf legt aber das Regierungspräsidium Karlsruhe fest. Dort hatte man schon 2003 einen Korridor für die Gasleitung genehmigt, der immer noch gilt. 2006 folgte ein grundstücksscharfer Trassenverlauf, für den die Genehmigung 2016 allerdings ausgelaufen war, nachdem die Planungen nach massiven Protesten eingestellt wurden.
Damals war das Unternehmen "Open Grid Europe" zuständig, "Terranets BW" hat diese Planungen übernommen, zeigt sich aber gesprächsbereit. Noch in diesem Jahr soll es eine "umfassende und frühe Öffentlichkeitsbeteiligung" geben. Jetzt möchte das Unternehmen noch mit einem Ingenieurdienstleister Möglichkeiten ausloten. Die Stadt, so erklärte Baubürgermeister Jürgen Odszuck im Ausschuss, wolle sich jetzt mit Nachbarkommunen über die Haltung zur SEL austauschen.