Rhein-Neckar Löwen: Gensheimer-Gala am Gärtner-Geburtstag
Von Tillmann Bauer
Düsseldorf. Klaus Gärtner mag Berge. Er bezwingt sie mit Freude, wenn er sich bei gutem Wetter auf sein Mountainbike schwingt. Zweimal, so erzählte der (in)offizielle Cheftrainer der Rhein-Neckar Löwen mal, als er noch in Österreich Trainer war, habe er dabei sogar den deutschen Radprofi Emanuel Buchmann gesehen. "Leider nur von hinten", sagt Gärtner. Er lacht: "Er ist ein bisschen schneller unterwegs als ich."
Doppeltes Comeback
Doch gerade der Radsport lehrt uns, dass Ausdauer, Durchhaltevermögen und Konstanz entscheidend sind, um am Ende den Gipfel zu stürmen. Weil für Gärtner die bisherige Zeit als Boss der Löwen ein stetiges Auf und Ab mit mehr Tiefen als Höhen war, sind ihm diese Eigenschaften nur zu wünschen.
Schließlich feierte er am Mittwoch seinen 46. Geburtstag. Dabei ging’s (quasi in der nächsten Etappe) in der Formkurve wieder nach oben – auf den Sieg gegen Melsungen folgte im viertletzten Rundenspiel ein 28:26 (14:13)-Auswärtssieg beim Bergischen HC.
Gab’s ein Ständchen? "Nein, die können ja nicht singen", sagte Gärtner zur RNZ. Er lachte: "Aber ja, die haben schon alle dran gedacht. Für mich ist es super, jetzt haben wir zweimal hintereinander gewonnen. Das macht die vier Stunden Heimfahrt angenehmer."
Gärtner durfte also viele Glückwünsche annehmen. Unter anderem die von Sebastian Hinze. Das war deshalb so speziell, weil der momentane Trainer des Bergischen HC ab dem Jahr 2022 für die Löwen arbeiten wird, bis dahin aber Gärtner die Zeit überbrücken soll, um dann schließlich unter Hinze wieder als Co-Trainer zu arbeiten – eine Konstellation, die nicht nur in der Handball-, sondern in der ganzen Welt seinesgleichen sucht.
Zum Sportlichen: Uwe Gensheimer gelang es in beeindruckender Manier, an seine Zehn-Tore-Gala aus der vergangenen Woche anzuschließen. Ob Heber, Leger oder Dreher – der Kapitän erwischte den nächsten Sahnetag und versüßte seinem Trainer mit zwölf Treffern (ohne Fehlwurf) im Alleingang den Ehrentag.
Sonstige Vorkommnisse? Im Tor zeigte David Späth eine solide Leistung, Patrick Groetzki und Andreas Palicka feierten ihr Comeback – der schwedische Schlussmann sicherte in der Endphase mit vielen Paraden den Sieg. Sonst spielentscheidend war, dass die Badener in der Viertelstunde nach der Pause einen Fünf-Tore-Vorsprung erspielten – der konnte ausnahmsweise ins Ziel gebracht werden.
Nach einigen verkorksten Etappen scheinen die Löwen wieder einen Gang hochgeschaltet zu haben. Zumindest die Qualifikation für Europa ist gesichert. Gärtner: "Das haben wir uns verdient. Es war wichtig für den Verein." Die Spitzenteams der Liga – quasi die Ausreißer-Gruppe – ist aber weit enteilt.
Da könnte selbst ein motorisiertes E-Bike nichts mehr ausrichten.
Bergischer HC: Gutbrod 8, Schmidt 1, Darj 6, Nippes 2, Damm 2, Arnesson 2, Boomhouwer 1, Szücs 1, Stutzke 1, Babak 1.
Löwen: Nilsson 4, Gensheimer 12/4, Lagergren 2, Schmid 4, Kohlbacher 3, Kirkelokke 1, Lagarde 1.
Strafminuten: Szücs 2 – Kohlbacher 2, Schmid 2, Gislason 2, Patrail 2, Lagergren 2.
Stenogramm: 2:1 (5.), 4:4 (10.), 5:8 (15.), 9:9 (20.), 11:10 (25.), 13:14 (Halbzeit), 15:17 (35.), 18:20 (40.), 19:24 (45.), 22:24 (50.), 23:27 (55.), 26:28 (Ende).
Zuschauer: 1000.