Edingen-Neckarhausen: Wieder 100 Gäste im Schlosshof
Von Stephan Kraus-Vierling
Edingen-Neckarhausen. "Da geht einem das Herz auf!", "Traumhaft!", "Was habe ich das vermisst!" Begeisterte Kommentare wie diese hörte man überall im Publikum beim Auftakt der "Sommergeschichten Vol.2 ", mit denen die Volkshochschule (VHS) Edingen-Neckarhausen an sechs Wochenenden bis Mitte September aus dem Veranstaltungs-Lockdown startete. Das ortsansässige Duo "Deux Cafés longs" beschenkte die rund 100 Gäste im Schlosshof mit französischen Chansons und englischsprachigem Pop. Ein Abend zum Genießen, weit ergiebiger als für zwei Tassen, zumal Susanne Surblys (Gesang, Gitarre) und ihr Gatte Roland (E-Piano, Keyboard, Akkordeon) hier mal von Klarinettistin Pia Wedhorn-Yügrük begleitet wurden. Sie setzte den "2 Cafés" ein feines Sahnehäubchen aus Folk und Klezmer auf.
"Wir können hier viel bewegen!", zeigte sich VHS-Leiter Hermann Ungerer bei der Begrüßung zuversichtlich, dass die Veranstaltungsreihe der "Sommergeschichten Vol.2" einen Impuls für die post-pandemische Kulturentwicklung in der Doppelgemeinde geben kann. Wie im Flyer zum Neustart beworben, will die VHS damit "die Entstehung eines kulturkreativen Umfeldes in der Gemeinde anstoßen", in Zusammenarbeit mit der Kommune, der Kunst- und Kulturinitiative Edingen-Neckarhausen (KIEN), dem neuen kommunalen Kino (Freiraum Kino), dem Förderverein Gemeindemuseum, der Jugendmusikschule sowie dem Impro-Theater "Die Szenemacher".
Alle Altersgruppen sollen angesprochen werden – wobei beim Auftakt "Duett mit Klarinett" die meisten im Publikum in ihrer zweiten Lebenshälfte standen. "Summertime and the living is easy" sang Susanne Surblys den Leitsatz für die zwei Wohlfühlstunden im herrlichen Open-Air von Schloss und Park. Das Leben kann so leicht sein, auch ohne "jumpende" (Neckar-)Fische und reichen "Daddy". Wichtig ist einfach, dass es sich wieder beisammensitzen lässt und es Livemusik gibt. All das verband sich gleich in dieser ersten Zeile der berühmten "Summertime"-Arie aus Gershwins "Porgy and Bess".
Und wo ließen sich "2 Cafés" schwungvoller genießen, als beim "Breakfast in America"? Überhaupt passen die "Supertramp"-Hits, so auch "Take the long way home", bestens ins Surblys-Repertoire, ob im Duo oder mit ihrer Band "Teamplay". Roland Surblys‘ superb Rollen-gesplittetes Keyboardspiel – mit markanten Bassparts in der linken Hand und den typischen Rick-Davies-Synkopen in der rechten, Rodger Hodgsons hoher Gesangspart, in weiblicher Stimmlage ruhiger und souliger klingend, dazu die prägnanten Soli à la John Helliwell, hier per Klarinette statt Saxofon. Das war erstklassig.
Auch im Klezmer-Duo mit Roland Surblys am Akkordeon brachte Pia Wedhorn-Yügrük, hauptberuflich Musikschullehrerin in Ditzingen, durch die Temposteigerungen im packenden Rhythmus eine Extra-Portion Temperament ins Spiel. Zwischen Swingendem und Groovendem, wie Stings "English man in New York", gab es Chanson-Schwärmereien wie Edith Piafs "Sous le ciel de Paris" oder "D‘Allemagne" von Patricia Kaas. Herzerwärmend auch Joe Cockers "N’oubliez jamais" oder, von Susanne Surblys gefühlvoll und kontraststark zur Gitarre gesungen: "Aint´no time to go to sleep" von Tina Dico. Apropos: "Wir waren lange in einer Art Schlaf, doch es war kein Märchenschlaf", meinte Mira Strauß, die mit Markus Rohr durchs Programm führte. Umso schöner war dieses Erwachen.