Eppingen: Baugebiet "Wolfsgasse II" in Elsenz wird deutlich größer
Von Armin Guzy
Eppingen. Wegen der großen Nachfrage nach Bauplätzen haben Gemeinderat und Stadtverwaltung beschlossen, das Baugebiet "Wolfsgasse" in Elsenz in einem Rutsch um 3,3 Hektar zu erweitern und baldmöglichst zu erschließen. Ursprünglich war das gesamte Baugebiet mit 2,7 Hektar Fläche geplant, von denen 0,9 Hektar bereits 2017 erschlossen und bebaut wurden. Mit nun insgesamt 4,3 Hektar hat sich die "Wolfsgasse" also erheblich vergrößert, weshalb auch die Erschließungskosten deutlich teurer werden, als ursprünglich geplant war. Nun hat sich auch der Technische Ausschuss mit der Erweiterung befasst, die Entwurfs-, Bau- und Finanzierungsplanung aber lediglich billigend zur Kenntnis genommen, weil noch Klärungsbedarf hinsichtlich der Rechtssicherheit der Planung besteht.
Dass das Vorhaben bei einzelnen Anwohnern nicht unumstritten ist, zeigte sich auch in der Sitzung, als sich zwei Anwohnerinnen in einer Sitzungsunterbrechung zu Wort meldeten. Sie baten eindringlich darum, den bestehenden, nun aber überplanten Feldweg nahe der Weisenbergstraße zu erhalten. Der Weg bestehe seit 30 Jahren und diene den Anwohnern seither als Anfahrtsweg, beispielsweise für Holzanlieferungen. Das Gremium solle auch an die Leute denken, die dort seit Jahrzehnten wohnen, und die auch Zeit und Geld in die Pflege des Feldwegs investiert hätten. Überdies wäre der Weg sicher auch für die neuen Grundstücksbesitzer nützlich, befanden die beiden Frauen. Bürgermeister Peter Thalmann verwies auf die weiteren Verfahrensschritte: Die Anwohner hätten noch Gelegenheit, ihre Bedenken zu formulieren, sagte er.
Je nach Grundstücksgröße und Bebauungsart bietet die "Wolfsgasse II" Platz für 50 bis 60 Ein- beziehungsweise Mehrfamilienhäuser, die laut der bisherigen Planung Anfang 2023 gebaut werden könnten. Durch die einziehenden Neu-Elsenzer würde der kleine 1800-Einwohner-Stadtteil dann binnen kurzer Zeit um gut zehn Prozent wachsen. Auch daran gibt es Kritik.
Das überplante Gelände wird derzeit noch überwiegend landwirtschaftlich genutzt, eine Hecke in der Verlängerung der Weisenbergstraße hat jedoch den Status eines "besonders schutzwürdigen Biotops" und muss folglich an anderer Stelle durch eine separate Ausgleichsmaßnahme ersetzt werden.
Die Erschließung des teilweise deutlich abfallenden Geländes wird derzeit mit Gesamtkosten von 2,8 Millionen Euro kalkuliert. Man habe sich dabei an den aktuellen Marktpreisen orientiert, sagte Simon Schuster vom Sinsheimer Ingenieurbüro "Willaredt" und verschwieg dabei nicht, dass die "Kostensituation derzeit relativ spannend ist".
Wenn die noch offenen rechtlichen Fragen geklärt sind und der Gemeinderat zustimmt, sollen die Aufträge für die Bauarbeiten noch vor der Sommerpause ausgeschrieben und im September beschlossen werden. Dann könnten die Arbeiten Anfang 2022 beginnen. Dieser Zeitplan sei allerdings "optimistisch", gab Schuster zu bedenken, zumal auch ein neues, 500 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken gebaut werden muss. Damit soll sichergestellt werden, dass das Oberflächenwasser bei starkem Regen gedrosselt in die Kanalisation geleitet wird.
Alleine dafür sind 945.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen 700.000 Euro für den Straßenbau und 275.000 Euro Planungs- und Honorarkosten – Geld, das in diesen Größenordnungen in den Haushaltsplänen bislang nicht vorgesehen ist. Folglich muss die im laufenden Haushalt bestehende Verpflichtungsermächtigung über 170.000 Euro voraussichtlich im Herbst in einem Nachtragshaushalt auf mehr als eine Million Euro erhöht werden – vorausgesetzt, die Bau- und Materialkosten steigen bis dahin nicht weiter.