Neckargemünd/Heidelberg: B37-Radspur soll Anfang März fertig sein
Von Christoph Moll
Neckargemünd/Heidelberg. Es war angekündigt und dennoch ist es etwas überraschend: Die Bauarbeiten für die Radspur auf der Bundesstraße B37 zwischen Neckargemünd und Heidelberg beginnen bereits am kommenden Montag, 1. Februar. Dies erfuhr die RNZ auf Nachfrage bei der Stadt Heidelberg, die das Projekt betreut. Anfang März sollen die ersten Radler sicher im Neckartal unterwegs sein. Zuletzt war es ruhig um den auf zwei Jahre ausgelegten Verkehrsversuch geworden, doch im Hintergrund kamen die Planungen gut voran.
Da es bisher keinen sicheren Weg gibt, soll die provisorische Radspur (siehe auch "Hintergrund") auf einer Länge von 3,6 Kilometern zwischen dem Ortsausgang von Neckargemünd und dem S-Bahnhof des Heidelberger Stadtteils Schlierbach entstehen. Von dort aus führt ein bestehender Radweg neben der Fahrbahn zur Heidelberger Altstadt. Eine der vier B37-Spuren – jene am Neckar – wird zur Radspur gemacht, auf der in beide Richtungen gefahren werden kann. Für Laster und Autos verbleiben drei Spuren. Bis zur Hälfte der Strecke stehen zwei Spuren in Richtung Heidelberg zur Verfügung, ansonsten besteht die Zweispurigkeit in der Gegenrichtung. So sollen langsame Fahrzeuge an den Ortsausgängen überholt werden können.
Für den Radweg werden Bushaltestellen umgebaut, neue Markierungen aufgebracht, Schutzeinrichtungen und neue Schilder aufgestellt sowie Ampelanlagen angepasst. Zum Schutz der Radler werden "massive Schutzwände" aufgebaut. Außerdem werden die Bushaltestellen so umgebaut, dass Radler nicht gefährdet werden. Der Radweg wird an der Haltestelle vorbeigeführt. Die Parkplätze für Reisebusse in Schlierbach sollen bestehen bleiben. Am Ortsausgang von Neckargemünd wird zudem eine neue Ampel installiert.
"Im Zuge der Arbeiten kann es zu Beeinträchtigungen für den Autoverkehr kommen", teilte die Stadt Heidelberg mit. Die "Vormarkierungen" für die Betonwände finden tagsüber statt. Aufgebaut werden diese aber nachts. Dann stehen noch zwei Spuren zur Verfügung. Während der Arbeiten an Bushaltestellen werden Ersatzhaltestellen eingerichtet, um den Nahverkehr nicht zu behindern.
Die Gesamtkosten von rund 400.000 Euro teilen sich der Bund, das Land und die Stadt Heidelberg. Für den Abschnitt zwischen dem neuen Rewe-Markt und Schlierbach-Bahnhof, für den die Stadt Heidelberg zuständig ist und der Kosten von 250.000 Euro umfasst, hat das Land der Stadt Fördermittel von 75 Prozent zugesagt. Außerdem fördert das Land die Planungskosten pauschal mit 15 Prozent. Die Stadt Heidelberg zahlt für diesen Abschnitt deshalb nur rund zehn Prozent der Kosten. Der Bereitstellung der benötigten überplanmäßigen Mittel hatte der Haupt- und Finanzausschuss im Oktober zugestimmt. Den restlichen Abschnitt finanziert der Bund.
Besonders groß ist die Freude bei Hermino Katzenstein. Der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Neckargemünd hatte die Idee zu dem Verkehrsversuch und sieht dessen Durchbruch im Besuch des Ministerialdirektors und Vize-Verkehrsministers Uwe Lahl im vergangenen Jahr. Bei dem Besuch wurde die Finanzierungsfrage final geklärt.
Damals sollte die Radspur eigentlich längst errichtet sein. Doch unter anderem eine Datenpanne hatte zu Verzögerungen geführt. Zuletzt habe es noch Diskussionen über die Betonelemente gegeben, für die noch ein Experte konsultiert werden musste, so Katzenstein: "Nun sind sämtliche Hürden aus dem Weg geräumt." Er lobt die Stadt Heidelberg, die das Projekt trotz Corona vorangetrieben habe. Die temporären Einschränkungen in den kommenden Wochen sieht er wegen des derzeit geringeren Verkehrsaufkommens entspannt.
Umso wichtiger ist das Projekt laut Katzenstein, da ein sicherer Radweg auf der anderen Neckarseite zwischen Ziegelhausen und Kleingemünd nicht in greifbarer Nähe ist. Hier sei ein Zwei-Richtungs-Radweg auf der Fahrbahn ohne aufwändige bauliche Trennung und bei Tempo 70 für Autofahrer geplant gewesen, der jedoch von der Verkehrsbehörde als zu unsicher abgelehnt worden sei.
Der Abgeordnete hofft nun, dass der B37-Radweg pünktlich zum besseren Wetter freigegeben werden kann. "Dann können endlich Menschen egal welchen Alters sicher zwischen Neckargemünd und Heidelberg radeln", sagt er. Die Stadt Heidelberg hat angekündigt, dass es zu witterungsbedingten Verzögerungen kommen kann. Die offizielle Freigabe mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann ist allerdings bereits für den 5. März geplant. Eine Woche später ist Landtagswahl ...