Sehnsucht nach Kultur: Welche Konzerte, Lesungen und Museen es online zu erleben gibt (Update)
Von Lydia Dartsch
Mannheim/Heidelberg. Der Vorhang zu und alle Fenster offen: Während die einen Theater und Kulturbetriebe coronabedingt geschlossen bleiben müssen, finden in anderen Häusern Lesungen, Konzerte und Museumsrundgänge online statt. Ein Überblick:
> Kulturhaus Karlstorbahnhof: Gestreamt werden Konzerte, Lesungen und Comedyprogramme - beispielsweise mit dem Carambolage-Festival. Der Eintritt für die Onlineveranstaltungen ist frei. Die Organisatoren bitten aber um Unterstützung mit einer Spende oder einer Mitgliedschaft im Förderverein. Als nächstes sind am Freitag und Samstag die Comedians Jacqueline Feldmann und Fee Brembeck zu sehen. Eine Anmeldung unter info@karlstorbahnhof.de ist erforderlich.
> Stadtjugendring Heidelberg: Der deutsch-französische Tag 2021 ist Anlass für das Online-Konzert des Duos "Zweierpasch" am Freitagabend um 19 Uhr. Das Konzert wird kostenlos auf der Website gestreamt. Informationen zur anstehenden Landtagswahl gibt es eine Woche später in einer Podiumsdiskussion.
> Heidelberger Kunstverein: In einem virtuellen Rundgang lässt sich zur Zeit die Ausstellung "Wir sind hier" begehen. Mit dreidimensionalen Fotografien von Eyal Pinkas können sich die Besucher durch die Räume bewegen, sich interaktiv umsehen und ganz nah an die Werke heranzoomen. Gezeigt werden Werke der Heidelberger Künstler, die sonst hinter den Kulissen des Kunstvereins arbeiten.
Zusätzlich bietet das Museum virtuelle Führungen über den Onlinekonferenz-Anbieter "Zoom" an. Darin führen die Künstler durch die virtuelle Vorstellung und erzählen von den Werken. Teilnehmende können ihnen dabei Fragen stellen. Die Teilnahme ist kostenlos.
> DAI - Deutsch-Amerikanisches Institut: Auf der Website und auf dem YouTube-Kanal werden kostenfrei Lesungen, Diskussionen und Konzerte gezeigt. So liest der amerikanische Schriftsteller Tom Franklin aus seinem Roman "Crooked Letter", der auch Thema im Englisch-Abitur ist. Cihan Acar liest aus seinem ersten Roman "Hawaii" über einen Sommer in Heilbronn. Die Videos sind auch nach dem Livestream abrufbar.
> Interkulturelles Zentrum Heidelberg: Gesprächsrunden, Lesungen und Performances werden auf dieser Seite geboten. So liest die mehrfach ausgezeichnete Publizistin Carolin Emcke aus ihrem Buch "Gegen den Hass" und die Autorin Sibylle Berg liest aus ihrem Roman "GRM. Brainfuck". In der Reihe "Lockdown Conversations" gibt es zahlreiche Gesprächsrunden - unter anderem mit dem Internetaktivisten und Journalisten Sascha Lobo.
> Ella & Louis: Im Jazzclub des Mannheimer Rosengartens lassen sich Konzerte der Jazz-Größen aus der Region erleben; zuletzt der 95-jährige Saxofonist Emil Mangelsdorff. Am kommenden Freitag stehen das Gismo Graf-Trio auf der Bühne und am Montag Stelter/Baldu. Der Eintritt kostet ab 18 Euro. Mit sogenannten "Soli-Tickets" kann man auch mehr zahlen.
> Capitol Mannheim: "Rockt zu Hause" heißt die Benefizkonzert-Reihe von Sascha Kleinophorst und Sascha Krebs. Wöchentlich streamen die Sänger und ihre Band auf Facebook und YouTube ein etwa zweistündiges Konzert. Unterstützt werden sie dabei von namhaften Gästen: The Twionlins, Rolf Stahlhofen, Stefan Ullmann, Marion La Marché und Andreas Kümmert waren schon da. Am 22. Januar sind Tom Seegert und Horizontes auf der Bühne.
Zwar sind die Konzerte kostenfrei. Die Veranstalter bitten aber um eine Spende an die Mannheimer Bürgerstiftung, die damit Künstlerinnen und Künstler unterstützen will, die während des Lockdowns nicht arbeiten dürfen und trotzdem laufende Ausgaben haben. Die Konzerte sind auch nach dem Livestream noch auf YouTube verfügbar.
> Theater & Orchester Heidelberg: Lesungen und ausgewählte Stücke vom "Netzmarkt", wie der "Heidelberger Stückemarkt" lockdownbedingt heißt, werden gestreamt. So liest Steffen Ganglof bei der "Lesezeit" am Donnerstag, 28. Januar, aus Friedrich Dürrenmatts "Das Versprechen". Die Lesezeit findet in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek am letzten Donnerstag im Monat ab 16.30 Uhr statt und ist danach 24 Stunden lang abrufbar.
> 38. Heidelberger Stückemarkt: Dieses Jahr bekommt das Festival für zeitgenössische Dramatik mit dem "Netzmarkt" ein digitales Angebot neben den Uraufführungen, Wettbewerben und internationalen Gastspielen. Drei digitale Produktioen werden zur Verfügung stehen und online abrufbar sein.
> Nationaltheater Mannheim: Bis sich Ende März der Vorhang hoffentlich endlich wieder heben darf, bietet das Digital-Angebot Konzerte - beispielsweise das Geburtstagskonzert für Ludwig van Beethoven - Lesungen, kompakte Opern und sogar einen Mitschnitt der Schauspiel-Inszenierung von Schillers "Maria Stuart". Und jeden Freitag um 19.15 Uhr gibt es bei "Augen zu und durch" eine Gutenachtgeschichte per Zoom-Meeting vom Jungen Nationaltheater.
Für Schülerinnen, Schüler und Lehrende bietet das Nationaltheater mit "Schule der praktischen Weisheit" zudem ein digitales Programm zu den Sternchenthemen im Deutsch-Abitur an. Darunter gibt es Videomitschnitte - beispielsweise zu Hermann Hesses "Steppenwolf", Workshops und Diskussionsrunden für einen Beitrag.
> Rhein-Neckar-Theater: "Mannheims Miststück" Celine Bouvier und ihre Crew lassen es mit Comedy, Musik und Travestie auf Youtube krachen. Sogar eine Prunksitzung ist geplant: Am 11. Februar ab 20 Uhr unter Beteiligung "fast aller Mannheimer Karnevalsgesellschaften", wie es auf der Website heißt.
> Gloria-Kino: Zwei Filme stehen bis Ende Januar auf dem Online Programm. "Das neue Evangelium" und "Unser Boden, unser Erbe". Streamen lassen sich die Filme über die Website des Verleihs bzw. dessen Vimeo-Kanal. Ein Teil des Streamingpreises geht an das Gloria-Kino.
> Kurpfälzisches Museum: Das digitale Angebot umfasst einen virtuellen Rundgang durch die Sammlung, einen Sammlungskatalog sowie eine Videoreihe. Darin wird beispielsweise erklärt welche Bedeutung die Kurfürstin Elisabeth Augusta von der Pfalz für Heidelberg und die Region hatte.
> Carl-Bosch-Museum: In der Übersicht der Dauerausstellung gibt es einen kleinen Einblick in das Leben und die revolutionären Erfindungen des Nobelpreistägers.
> Technoseum Mannheim: Die digitalen Angebote bieten neben einen Rundgang durch die Mitmachausstellung zahlreiche Videos, Experimente und eine Museumsrallye, die mit dem Smartphone erlebt werden kann.
> Wilhelm-Hack-Museum: Das Kunstmuseum in Ludwigshafen ist derzeit wegen einer Brandschutzsanierung geschlossen. Auf der Website gibt es neben dem Ausstellungskatalog einige Ausstellungen, die sich in virtuellen Rundgängen erleben lassen. Dabei bewegt man sich mittels Mausklick von Ort zu Ort und kann sich dann in dem dreidimensionalen Foto umsehen und auch ganz nah an die Werke heranzoomen.
> Kunsthalle Mannheim: Ein spezielles digitales Angebot für den Lockdown gibt es auf IG-TV auf dem Instagram-Kanal des Museums. Neben dem Tagebuch des Kunsthallendirektors Johann Holten gibt es dort Führungen durch die einzelnen Bereiche der Kunsthalle und sogar Anleitungen zum eigenen künstlerischen Schaffen. Auf der Website gibt es einen Online-Katalog mit 1488 Werken zu begutachten.
> Reiss-Engelhorn-Museen: Im digitalen Angebot der Reiss-Engelhorn-Museen lassen sich zahlreiche Ausstellungen und Sonderausstellungen in einem virtuellen Rundgang erkunden. Es gibt einen Podcast und Videoführungen.