Edingen-Neckarhausen: UBL will andere Lösung für Hundesportler
Von Nicoline Pilz
Edingen-Neckarhausen. Wohin mit dem Hundesport? Wenn es nach dem Willen der Gemeinderatsfraktion UBL-FDP/FWV geht, dann soll über den bereits beschlossenen Standort auf der Streuobstwiese am Rand des Sport- und Freizeitzentrums noch einmal im Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen im Februar diskutiert werden. Das geht aus einer Mitteilung der Fraktion hervor.
Ihr gehe es darum, angesichts des erwarteten Haushaltsdefizits von sechs Millionen Euro nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. Die Fraktion argumentiert, die Forderungen nach einem Eins-zu-Eins-Ersatz der bisherigen Infrastruktur der Hundesportler würden Kosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro verursachen. Sprich, ein Drittel des Haushaltsdefizits. Ihr Vorschlag lautet, das Vereinsheim in Edingen, die Gaststätte und den Hundeplatz dort zu belassen, den beiden Vereinen, die fusionieren wollen, indes eine zusätzliche, ebenfalls gemeindeeigene, Übungswiese im Gewann "Die Milben" zwischen dem neuen Gewerbegebiet und dem Hebewerk zur Verfügung zu stellen. Damit greift die UBL-FDP/FWV einen Vorschlag ihres Fraktionsmitglieds Helmut Koch auf. Diese Alternative soll, so findet die Fraktion, kostengünstiger, flächenschonender, aber immer noch zumutbar sein.
Eine Idee, die bei den beiden Hundesportvereinen, dem HSV Edingen und dem VfH Neckarhausen, nicht auf Gegenliebe stößt. Nicht nur inhaltlich, sondern auch von der Vorgehensweise her. "Mit uns hat keiner vorher gesprochen", sagt Klaus-Dieter Immerz, Zweiter Vorsitzender des HSV.
Zum Hintergrund: Die Hundesportvereine Edingen und Neckarhausen wollen fusionieren, das Vereinsgelände in Neckarhausen muss der geplanten Wohnbebauung "Neckarhausen-Nord" weichen. Ursprünglich war ein Komplettumzug der Vereine in die "Milben" neben das seinerzeit noch deutlich kleiner geplante Gewerbegebiet beim künftigen Hilfeleistungszentrum vorgesehen.
Dann wurde das Gewerbegebiet größer beschlossen und für den Hundesport eine andere Lösung gesucht. Dabei machten die Hundesportler deutlich, dass sie ihre Situation nicht verschlechtern wollen. Letztendlich waren sie aber damit einverstanden, ihre Vereinsgaststätte "Bei Toni" in der Drechslerstraße zu belassen, um der Gaststätte "Zur Glucke" der Edinger Kleintierzüchter in Steinwurfweite keine Konkurrenz zu machen. Auf der gemeindeeigenen Streuobstwiese am Sport- und Freizeitzentrum soll, so war es seit Dezember 2020 mehrheitlich Konsens, ein Hundesport-Vereinsheim nebst Trainingsgelände und Parkplätzen entstehen. Ganz unproblematisch ist dieser Standort nicht, denn er ist Teil des Grüngürtels, der bei der Planung des Sportzentrums als Ausgleich für die Eingriffe und den Flächenverbrauch angelegt wurde.
Das Biotop wäre zwingend zu ersetzen, betont die UBL. Angesichts seines Alters und seiner Wertigkeit sei das mit weiteren hohen Kosten verbunden, die in besagten zwei Millionen Euro noch nicht enthalten seien.
Zudem fehlten am Standort Streuobstwiese Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen. Sie müssten über teils weite Distanzen kostenaufwendig verlegt werden, sagt die UBL nach einer Begehung mit Bauhofleiter Herbert Stein, der auch im Vorstand der Edinger Kleintierzüchter aktiv ist.
Klaus-Dieter Immerz sagte der RNZ, der Vorschlag der UBL sei "vollkommen an den Haaren herbeigezogen". Ein Clubhaus in der Drechslerstraße und ein Übungsgelände in den "Milben", das funktioniere nicht. Und der bisherige Platz am Edinger Clubhaus entspreche bereits jetzt nicht den vom Deutschen Hundesportverband für überregionale und internationale Turniere geforderten Maßen.
Erst recht sei er nach der Fusion mit dann 400 Mitgliedern und 100 Aktiven zu klein für überregionale und internationale Turniere. Ein Übungsplatz im Gewerbegebiet bringe zudem dieselben Probleme mit sich wie jetzt: Kein Auslauf für die Hunde, Gefährdung durch den Auto- und Lastwagenverkehr und die Parkplatzsituation.
Am neuen Standort Streuobstwiese blieben bei der geplanten Variante die Sträucher fast vollständig erhalten, sagen die Hundesportler. Nicht zuletzt könne die Gemeinde aus der Veräußerung der Areale in Neckarhausen und Edingen sowie dem dann nicht benötigten Gelände in den "Milben" erhebliche Gelder erwarten. "Der jetzige Vorschlag mit Standort Streuobstwiese ist von 2018", sagen die Vorstände der Hundesportvereine in einer Stellungnahme. Das ständige Hin und Her in der Planung sei nicht förderlich und koste auch Geld. "Es wäre schön, wenn man die ‚Ideen‘ auch mit denjenigen besprechen würde, die betroffen sind", heißt es in dem Schreiben weiter.
Bürgermeister Simon Michler zeigte auf Anfrage Verständnis für den Wunsch der Fraktion, den Haushalt weiter zu entlasten. "Ich bin da offen für eine Diskussion mit dem Ziel, Kosten zu drücken." Er sagte aber auch, zwei Millionen Euro für den Hundesport seien lediglich eine Prognose, die Argumente pro Sportzentrum lägen vor. Nicht zuletzt wolle er nicht gegen den Willen zweier Vereine agieren. Und auch die Planung laufe inzwischen auf Basis des Dezemberbeschlusses.