Aglasterhausen: Für den neuen Schulhof wird es Zeit
Von Heiko Schattauer
Aglasterhausen. Wer sich in Aglasterhausen auf den Weg an die Grundschule macht, der kommt ganz einfach zurück in die (eigene) Kindheit. Über einen Schulhof nämlich, der zu großen Teilen aus den 1960er-Jahren stammt. Doch die alte Waschbetonplattenlandschaft soll verschwinden, aus ihr ein zeitgemäßer Aufenthalts- und Bewegungsraum für die Grundschule mit Ganztagskonzept werden. Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung (bei einer Enthaltung) für eine aufwendige Um- und Neugestaltung der weitläufigen Flächen vor dem Haupteingang der Schule – rund 617.000 Euro will die Gemeinde in den neuen Schulhof investieren.
Vor der Abstimmung über den bedeutendsten Tagesordnungspunkt verdeutlichte Bürgermeisterin Sabine Schweiger, wie wichtig sie das Vorhaben findet. "Es ist mir ein großes Anliegen", so Schweiger, denn seit Aufnahme des Ganztagsbetriebs an der Grundschule habe man bei den Verantwortlichen, Lehrern, Eltern und Schülern immer wieder um Geduld werben müssen. Für die Maßnahme sei es nun einfach Zeit, so die Bürgermeisterin. Eine Einschätzung, die Schulleiterin Natascha Lettau und Architekt Thomas Müller teilten. Lettau ließ den Gemeinderat wissen, dass man die Schüler in die Planungen eingebunden hat: "Da kamen vielen nützliche Anregungen." Die Umgestaltung des Schulhofes sei seit Langem ein "echter Herzenswunsch". Architekt Thomas Müller erläuterte in öffentlicher Runde dann detailliert, wie der Schulhof künftig aussehen soll, warum man welche Maßnahmen vorsieht – und mit welchen Kosten selbige verbunden sind.
Dass die Umgestaltung "stattliche Beträge" fordere, räumte Müller offen ein. Lieferte aber auch gleich stimmige Erklärungen, warum dies so ist. So sind große Flächen umzuarbeiten, unter anderem wird auf dem eigentlichen Schulhof ein Fußball- und Spielfeld mit Kunststoffbelag und Fangzäunen angelegt. Darüber hinaus werden auch die alten Terrassenbeläge mehrerer Klassenzimmer erneuert, ein Fahrradunterstand und ein neuer Klassenzimmer-Außenzugang errichtet sowie die Laufbahn erneuert. "Da kommt schon was zusammen", so Müller. Zwei Varianten hatte der Architekt ausgearbeitet, mit 617.000 Euro bzw. 559.000 Euro Kosten kalkuliert. Die günstigere Variante verzichtet auf einen Teil der Spielgeräte, die neue Spielfläche ist reduziert, bei der Umgestaltung der Zufahrt gibt es gewisse Abstriche bei der Barrierefreiheit. Die Empfehlung des Architekten fiel zugunsten der kompletteren Variante aus, die Einsparungen seien die Abstriche nicht wert, so Müller.
Aus dem Gemeinderat kamen ähnliche Einschätzungen. Abstriche bei der Barrierefreiheit seien "nicht zeitgemäß" befand Simone Heitz (Grüne) und lobte zugleich die Beteiligung der Schüler in den Planungsprozess. Jochen Herkert (UWV) sieht in der Umgestaltung "ein tolles Zeichen" für diejenigen, die aktuell schwer zu leiden hätten: die Schüler. Bemängelt wurde indes von mehreren Mitgliedern des Gremiums die "Kurzfristigkeit" des Vorhabens. Die erst in der jüngsten Ausschusssitzung vorgestellten Planungen hätte man von Gemeinderatsseite gerne deutlich früher zu Gesicht bekommen – und mit begleitet. "Wir hatten keine Möglichkeit, Änderungswünsche vorzubringen", so Georg Schöner (UWV), Thomas Wellenreuther (SPD) bat hier für die Zukunft um "frühzeitigere Beteiligung. Jessica Römmele (CDU) befand die Zeit für ein stimmige Betrachtung und Abstimmung zu knapp, auch wenn die Maßnahmen an sich "grundsätzlich gut" sei.
Sorge bereitete dem Gemeinderat auch die finanzielle Seite, mancher sah die Gefahr, dass andere Bereiche unter der stattlichen Investition leiden bzw. man sich andere (wichtige) Einrichtungen nicht mehr leisten könnte. "Wir fahren nicht an die Wand", versicherte Bürgermeisterin Schweiger. Kämmerer Frank Herion untermauerte diese Einschätzung mit den Haushaltsprognosen und kam zum Schluss: Die Umgestaltung des Schulhofs ist im Haushalt 2021 darstellbar. Gefördert wird die Maßnahme laut Herion über den Ausgleichsstock (25 Prozent der Kosten/rund 154.000 Euro). Diese Förderung sorgte indes für einen gewissen Zeitdruck, Anträge hierfür sind nämlich bis 31. Januar einzureichen.