Zivilcourage-Preis 2019: Sie verhinderten eine Vergewaltigung in Mudau
Neckar-Odenwald-Kreis. (tra) In Neckar-Odenwald-Kreis werden diejenigen, die bei Straftaten hin- statt wegschauen und couragiert eingreifen, statt ignorant weiterzugehen, vom "Förderverein kommunale Kriminalprävention – Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis" öffentlich geehrt, um andere dazu zu animieren, ebenso zu handeln. Dieses Jahr fand die Preisverleihung zum zehnten Mal statt.
Da aufgrund der Corona-Pandemie keine Preisverleihung im großen Stil möglich war, konnte die Verleihung des Zivilcouragepreises nur im kleinen Kreis stattfinden: Nur die drei Hauptpreisträger waren präsent, alle anderen Preisträger wurden von den Revierleitern Achim Küller (Mosbach) und Werner Broßmann (Buchen) zu Hause besucht, wo sie ihnen von der Firma Seitenbacher gespendete Geschenkkörbe überreichten.
Die Preisverleihung 2019 hätte schon im Frühjahr 2020 stattfinden sollen, musste dann aber wegen Corona mehrfach verschoben werden. Nun wurde sie nachgeholt. Als Ort wurde der Bürgersaal des Mudauer Rathauses gewählt. "Das ist auch deshalb eine besonders schöne Geste, weil der Fall, um den es bei unserem Hauptpreis geht, eben hier in Mudau spielt", sagte Landrat Achim Brötel. Die drei Hauptpreisträger sind Daniel Grimm und Christian Peterhänsel, die beide aus Mudau kommen, sowie Michael Röckel aus Wagenschwend.
"Durch beherztes Eingreifen haben sie eine Vergewaltigung verhindert", so der Landrat. "Vergewaltigung ist eines der abscheulichsten Verbrechen, die es gibt. Für die Opfer ist die Tat in aller Regel schwer traumatisierend und mit oft langfristigen psychischen Folgen verbunden. Deshalb kann man das, was Sie hier mit der Verhinderung einer solchen Vergewaltigung getan haben, gar nicht hoch genug bewerten", lobte Brötel die drei Männer, die in den frühen Morgenstunden des 2. Juni 2019 dazwischengingen, als ein rumänischer Landwirtschaftshelfer versuchte, eine junge Frau zu vergewaltigen, die sich auf dem Weg zum Fest des Mudauer Motorradclubs befand, das am "Galgen" stattfand. Wie die RNZ bereits berichtete, musste sich der Täter vor dem Landgericht Mosbach verantworten und wurde zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.
Achim Brötel schilderte den Vorfall: Daniel Grimm, Christian Peterhänsel und Michael Röckel wurden durch die Hilfeschreie der Frau aufmerksam und rannten vom Festgelände zum Tatort. Grimm und Peterhänsel zogen den Täter von der Frau weg, Röckel kümmerte sich um sie und verständigte die Polizei. "Die drei Hauptpreisträger haben mustergültig gehandelt und ich kann für dieses bemerkenswerte Beispiel in Sachen Zivilcourage nur ausdrücklich Danke sagen", so der Landrat.
Die couragierten Männer wurden für ihr nachahmenswertes Verhalten nicht nur durch Polizeipräsident Hans Becker geehrt, sondern dürfen sich auch über einen Flug mit dem Polizei-Hubschrauber über den schönen Odenwald freuen.
Auch der Mudauer Bürgermeister Norbert Rippberger dankte Grimm, Peterhänsel und Röckel seitens der Gemeinde für ihr vorbildliches Einschreiten: "Jeder einzelne Bürger sollte sich an Euch ein Beispiel nehmen."
Neben Hans Becker waren bei der Preisverleihung auch die beiden Revierleiter Achim Küller und Werner Broßmann anwesend. "Wir haben heute somit eine vergleichsweise hohe Polizeidichte in Mudau", sagte Brötel augenzwinkernd. "Das ist aber auch ein Sinnbild für unser hervorragendes Miteinander im täglichen Leben. Es handelt sich um eine gelebte Sicherheitspartnerschaft. Wir leben diese Sicherheitspartnerschaft vor allem im Rahmen der kommunalen Kriminalprävention. Das ist eine Aufgabe, die der Gesetzgeber der Polizei und den Stadt- und Landkreisen zu Recht gemeinsam übertragen hat, weil Kriminalität auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist und ein gemeinsames Vorgehen erfordert."
Ein zentraler Akteur sei, so Brötel, der "Förderverein kommunale Kriminalprävention – Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis", der den Zivilcouragepreis auslobt. "Zivilcourage beweist, wer in Aktion tritt, um anderen Menschen in einer gefährlichen Situation zur Seite zu stehen", sagte Brötel. Wer so handle, verhalte sich gegenüber Schwächeren, Gefährdeten oder Bedrohten solidarisch.
Er griff ein Beispiel aus der Reihe der weiteren Preisträger heraus: In einer voll besetzten S-Bahn griff ein Fahrgast einen anderen mit brutaler Gewalt an. Während alle wegschauten, stellte sich nur eine Frau dem Täter entgegen und rief dann die Polizei. "Sie verhält sich vorbildlich, während zugleich ein erschreckendes Alarmsignal für unsere Gesellschaft insgesamt ausgesendet wird: Für die anderen war das scheinbar wie im Kino: zuschauen, aber nicht helfen", kritisierte der Landrat.
Er unterstrich jedoch, dass er niemanden zu falsch verstandenem "Heldentum" auffordere: "Zivilcourage heißt immer, anderen zu helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen." Dies könnte man tun, indem man Hilfe organisiere, andere auf das Geschehen aufmerksam mache, die Polizei verständige, sich um das Opfer kümmere oder den Rettungsdienst rufe. "Wer wegschaut, hilft nämlich immer nur dem Täter", so Brötel.
Auch in Corona-Zeiten gelte es, Zivilcourage zu zeigen. Vielleicht sei Zivilcourage gerade jetzt besonders nötig: "Wir alle spüren doch latent, dass Corona nicht nur den Egoismus der Menschen, sondern durch Frust, Existenzängste und häusliche Enge auch ein gewisses Aggressionspotenzial befördert."
Auch Polizeipräsident Hans Becker bedankte sich bei allen Preisträgern für ihr vorbildliches Einschreiten. "Was mich besonders freut ist, dass die Preisträger aus allen Altersgruppen kommen und dass es sich um Menschen mit und ohne Migrationshintergrund handelt." Er ging zudem darauf ein, dass sich im Laufe der Jahre auch das Kriminalitätsgeschehen im Landkreis verändert habe: "Früher hatte die Polizei es mit Diebstahl zu tun, heute verstärkt mit Betrugsversuchen an Senioren. Auch die Verkehrsunfallfluchten haben stark zugenommen."