"Rise with SAP": SAP will mehr Kunden in die Cloud bringen
Von Barbara Klauß
Walldorf. Der Softwarekonzern SAP hat ein neues Softwarepaket geschnürt, um mehr Kunden von der digitalen Transformation und dem Gang Richtung Cloud Computing zu überzeugen. Konzern-Chef Christian Klein stellte die Initiative "Rise with SAP" am Mittwoch bei einer virtuellen Veranstaltung vor. Gemeinsam mit großen Service-Partnern (darunter Accenture, Atos und IBM) wollen die Walldorfer ihren Kunden ein Komplettangebot für das digitale Umgestalten von Geschäftsprozessen und den Umstieg in die Cloud liefern, bei der Software nicht mehr verkauft, sondern als Mietsoftware über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Voller Stolz kündigte der SAP-Chef das neue Paket an und sprach von einem "Game Changer" – also von einem Angebot, das das Geschäft radikal ändern könnte.
"Geopolitische Spannungen, ökologische Herausforderungen und die anhaltende Pandemie zwingen Unternehmen dazu, sich schneller als je zuvor mit Veränderungen ihrer Geschäfte auseinanderzusetzen", sagte Klein. Bei der Präsentation warb er für die digitale Transformation, die er nicht als "Option", sondern als "Muss" bezeichnete. "Die Umwandlung in ein intelligentes Unternehmen war nie wichtiger als heute", erklärte er an die Kunden gewandt.
Mit der neuen Initiative will der SAP-Chef erreichen, dass mehr Kunden als bisher auf die neueste Business-Software S/4Hana umsteigen, vor allem auf die Cloud-Version. Außerdem reagiert er damit auf Kritik von Kunden: So sollen die Komplexität der Verträge reduziert und SAP-Angebote gebündelt werden.
Von den Kunden kam Zustimmung – aber auch Fragen und Forderungen. "Die Anforderungen an Unternehmen hinsichtlich Geschwindigkeit, Effizienz und intelligenten Prozessen wachsen kontinuierlich", erklärte Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), einer Interessenvertretung von mehr als 3700 Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Die IT-Landschaften der Unternehmen seien heterogen, eine Technologiestrategie für alle könne nicht funktioniert. "Daher begrüßen wir die SAP-Initiative." DSAG-Technologie-Vorstand Steffen Pietsch fügte jedoch hinzu, dass derzeit noch zu wenige Informationen vorlägen, um die Tragfähigkeit des Rise-Modells bewerten zu können.
Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Lizenzen & Wartung sagte: "Grundsätzlich ist das Angebot ‚Rise with SAP‘ ein weiterer Schritt in die richtige Richtung." Da sich die Kunden damit jedoch noch stärker in die Hände von SAP begäben, brauche es einen transparenten Prozess über die kompletten Inhalte des Angebots. Das sei auch wichtig, damit sich der Kunde mit dem Schritt in die Cloud und der Umwandlung seiner Lizenzen in eine Subscription – also ein Abo-Modell – dem Hersteller nicht ausgeliefert fühle. "Da er faktisch keine Lizenzen mehr besitzt, sondern nur noch ein Mietverhältnis eingeht, sind die Folgen im Falle einer Kündigung der Cloud-Dienste Stand heute noch ungewiss", so Henzler. Hier sehe er noch großen Bedarf. "‚Rise with SAP‘ darf keine Einbahnstraße sein."
Die neue Initiative passt zum Strategiewandel, den Klein im Oktober eingeleitet und der zu einem historischen Kurseinbruch des Dax-Konzerns geführt hatte. Er wolle SAP noch stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten, die in der Krise schneller in die Cloud kommen wollten, sagte er damals dem "Handelsblatt". Daher kündigte Europas größter Softwarehersteller höhere Investitionen ins Cloud-Computing an, die jedoch die operative Marge erheblich belasten sollten.
Ein Bestandteil zur stärkeren Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden ist auch die Stärkung der Angebote rund um bessere Geschäftsprozesse. Am Mittwoch gab SAP nun den Kauf des Start-Ups Signavio bekannt. Das Berliner Unternehmen bietet Software für das Prozess- und Entscheidungsmanagement an – zur Nutzung aus dem Internet über die Cloud. Sie soll Schwachstellen in Arbeitsabläufen aufdecken und helfen diese zu beseitigen. Die Übernahme soll noch im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden. Finanzielle Details nannten SAP und Signavio nicht nennen. In einem Bericht des "Handelsblatt" ist von knapp einer Milliarde Euro die Rede.