Januar 2021: Das sind die aktuellen stern-Bestseller des Monats
Jede Woche erscheint der neue stern mit aktuellen Bestsellern: Die in der Printausgabe rezensierten Bücher stellen wir Ihnen ab sofort einmal im Monat gesammelt auch online vor.
Etwas verwunderlich ist es schon, dass immer noch so viele Menschen – trotz der zunehmenden Digitalisierung – echte Lektüre kaufen. Andererseits ist es auch ein gutes Zeichen, dass immer noch so viele Leser ein gutes Buch zu schätzen wissen. Aus diesem Grund finden Sie die stern-Besteller der Printausgaben, die jeden Donnerstag veröffentlicht werden, zukünftig auch online. Im Folgenden werden die neuen Januar-Titel vorgestellt.
"Simple. Das Kochbuch" von Yotam Ottolenghi
Yotam Ottolenghi ist der Barack Obama des Kochens – zumindest in dieser Liste. Wie der amerikanische Ex-Präsident ist er hier gleich zweimal mit seinen Werken vertreten. Und das völlig zu Recht. Alle lieben diesen Mann. Er ist "The Man", der Koch, über den alle reden. Auch dem Autor dieser Zeilen – er versteht wenig vom Kochen und liest keine Kochbücher – ist der Name dieses Küchenhelden schon aufgefallen. Allerdings – kein Scherz – dachte er bis zum Betexten dieser Liste, dass der Mann Otto Längi heißt, irgendwo hierzulande ein Restaurant namens "Opi" betreibt und zudem tolle Kochbücher mit traditionellen Rezepten schreibt. So kann man sich irren. Und blamieren. Hier gibt es das Buch.
"Kat Menschiks und des Diplom-Biologen Dr. Rer. Med. Mark Beneckes illustrirtes Thierleben" von Kat Menschik und Mark Benecke
Vielleicht ist es mit diesem Buch wie mit dem Karneval. Die einen begeistern sich über so viel Verrücktheit. Die anderen wundern sich, wie man diesen Steifsinn lustig finden kann. Mit dem Kölner Kriminalbiologen Mark Benecke mag es manchen ähnlich gehen. War zirka 2005 mal spannend, wie er in Talkshows über den forensischen Nutzen fieser Käferlarven erzählte. Viele hören ihm in seinem Podcast immer noch gern zu. Wirkt in Buchform, wenn auch sehr hübsch von Kat Menschik illustriert, für alle Nicht-Kölner aber leider: hölzern bis langweilig. Hier gibt es das Buch.
"Sauerländer BBCrew Dutch Oven" von T. Ziegeweidt, S. Bucher, Sauerländer BBCrew
Auf den ersten Blick: Verwirrung. Was hat das Sauerland mit dem britischen Sender BBC zu tun und welche Crew und warum ein Ofen aus Holland? Kurzer Blick ins internationale Netz, und flugs ist alles entwirrt. Hinter der Sauerländer BBCrew verbergen sich zwei sympathische Herren namens Tim Ziegeweidt und Sebastian Bucher, die man sich durchaus vor einer Bühne in Wacken vorstellen kann. Die beiden sind Grillmeister, geben Seminare, machen Catering, füllen einen eigenen Youtube-Kanal und haben mit diesem Buch einen satten Bestseller gelandet. Den Dutch Oven, einen dreibeinigen Eisentopf, stellt man übrigens draußen ins offene Feuer. Kurzer Blick nach draußen – bibber. Aber wenn's schmeckt… Hier gibt es das Buch.
"Weil ich es wert bin!" von Biyon Kattilathu
In Zeiten, in denen die Erklärung für komplexe Gefühlslagen wie Liebe und Glück von der Wissenschaft in den Molekülen gesucht wird, kommt die Botschaft Biyon Kattilathus so gut an wie Freibier im Fußballstadion. Liebe und Glück stecken in uns selbst, dort draußen werden wir sie kaum finden – wer wüsste das besser als jemand, der in Hagen an der Ruhr aufgewachsen ist? Sein Geld verdient sich der 36-Jährige nicht nur mit Motivationsbüchern, er hält auch Workshops für Konzerne wie Vapiano (vor der Insolvenzanmeldung?) oder Bosch (ehe sie dort ankündigten, Tausende Stellen abzubauen?) Spätestens jetzt ist wohl Misstrauen angesagt. Hier gibt es das Buch.
"Huller dich frei!" von Elli Hoop
Einige Trends der letzten Jahre hatten die Ehre, mit einem eigenen Verb bedacht zu werden: Planking zum Beispiel (mit dem Gesicht nach unten flach auf den Boden legen) oder Flanking (nackte Knöchel zeigen). Nun also Hullern. Man hätte auch Hula-hoopen sagen können, aber die Buchautorin hat sich für eine alte Nebenform des Verbs kullern entschieden, die laut Grimm'schem Wörterbuch etwa in Bechsteins Märchen (19. Jhd.) auftauchte: "der kopf flog ihm vom rumpf und hullerte den berg hinab". Im Raum Fulda war "Huller" außerdem eine "halb scherzhafte bezeichnung eines unverhältnismäszig dicken kindes". Da schließt sich wieder der Kreis bzw. Reifen zu diesem Fitness- und Diätbuch. Hier gibt es das Buch.
"Fürchte die Schatten" von Michael Robotham
Was, wenn nicht das Tollste, dürfen wir von einem Australier erwarten, der in dem Städtchen Casino aufgewachsen ist? Als junger Mann schon war Robotham als Gerichtsreporter in Sydney unterwegs, später finden wir ihn in London wieder, wo er irgendwie an den 50 Jahre lang vermissten Hitler-Aufzeichnungen von Josef Stalin beteiligt ist, die im Pappkarton in Moskau entdeckt wurden (auf so was fallen wir beim stern nicht mehr rein!). Die Biografie von Geri "Spice Girl" Halliwell hat er auch noch verfasst, das Thriller-Genre für sich entdeckt und – sein eigentliches Opus magnum – drei Töchter großgezogen. Der Pfundskerl aus Casino! Hier gibt es das Buch.
"Die Ernährungs-Docs – gesund und schlank durch Intervallfasten" von Fleck, Klasen, Riedl
16:8 ist nicht etwa das Ergebnis eines Fußballspiels zwischen Spanien und Deutschland, sondern eine Diätformel. 16 Stunden fasten, dann innerhalb von acht Stunden zwei oder drei Mahlzeiten einnehmen – das ist der Weg zum Traumgewicht. Behauptet zumindest ein Quartett von Ärzten, das sich "Die Ernährungs-Docs" nennt. Interessant, dass ein solches Buch gerade jetzt reißenden Absatz findet, wo das Leben sowieso ein einziger Verzicht ist. Nicht mehr reisen, nicht mehr ausgehen, kein Theater und Kino – und jetzt auch noch drei Viertel des Tages hungern? Kleiner Trost: Im Sommer wird alles besser. Dann essen und trinken und tanzen wir 16 Stunden täglich und schlafen acht. Wenn überhaupt. Hier gibt es das Buch.
"Von hier an anders" von Robert Habeck
"Anders" ist ein ziemlich faules Wort, es fordert viel und liefert selbst sehr wenig. "Anders" sagt einfach nur: "So nicht!", verrät aber nicht, wie denn sonst. Wie wenig hilfreich dieser Begriff ist, konnte man etwa Ende der 1980er Jahre in der TV-Spielshow "Ruck Zuck" beobachten, in der Kandidaten einander Begriffe umschreiben sollten. Kam das Gegenüber nicht drauf, brüllte der Erklärer, statt besser zu erklären, oft hilflos immer wieder: "Anders! Anders!!" Es führte selten zum Erfolg. Dieses Buch verspricht natürlich, dass es das Anders auch konkretisiert. Wollen wir das mal hoffen. Sonst lesen wir was anderes. Hier gibt es das Buch.
"Ohne Schuld" von Charlotte Link
Die wahren Abenteuer passieren im Kopf – auch von Karl May wissen wir, dass er Amerikas Prärien nie betreten hat, über die Apachen aber schrieb, als wäre er Winnetous Blutsbruder. Bei Krimiautoren ist es genauso: True Crime kennen sie alle nur vom Hörensagen. Mit Ausnahme James Ellroys, dessen Mutter ermordet wurde – und Charlotte Links! Während eines Einbruchs in ihr Ferienhaus in Südfrankreich verletzte sich der Täter beim Einschlagen der Fensterscheibe schwer: "Der ganze Raum schwamm im Blut", berichtet Link. "Ich kam mir vor wie der Tatortreiniger." Schon möglich, dass ihre Bücher deshalb so gut sind. Hier gibt es das Buch.
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