Was kommt 2021 auf uns zu, Herr Precht?
Reihe Ausblick 2021: Richard David Precht äußert sich im Interview zu Fragen und Folgen der Corona-Krise und über Zukunftsfelder der deutschen Wirtschaft. Der Philosoph, Buchautor und Fernsehschaffende sagt auch, wie er Deutschland in zwanzig Jahren sieht.
„Was kommt 2021 auf uns zu?“ mit: Wolfgang Kubicki / Roland Tichy / Sarna Röser / Richard David Precht / Dorothee Bär (14.1.21)
Der Philosoph und Bestseller-Autor, der im Juni 2021 auch beim Innovations-Festival sprechen wird, sieht die aktuellen Debatten um doie Corona-Maßnahmen auf gutem Stand. Der Staat habe bei seinen Maßnahmen ingesamt gut reagiert und diese auch ausgiebig abgewogen und diskutiert. Wünschbar gewesen sei indes eine stärkere Mitwirkung des Parlaments: „Das kann man noch besser demokratisieren“, meint Precht.
Zwar hieße der erste Grundgesetzartikel „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und nicht „die Gesundheit des Menschen ist unantastbar“, so Precht. In der Tat sei das Leben sei das Wichtigste der Güter, aber nicht das einzige. Doch: „Von all seinen anderen Grundrechten hat man nichts, wenn man nicht mehr lebt“, so Richard David Precht.
Precht: „Verschwörungstheoretiker konstruieren Sinnzusammenhänge, wo keine sind“
Globale Pandemien habe es immer schon zu Hülle und Fülle gegeben. Neu sei jedoch die mediale Sichtbarkeit, die einen globalen Ereignischarakter habe. „Die Globalisierung wird um keinen Deut rückgängig gemacht“, erwartet Richard Dabvid Precht. Er vermutet aber, dass es verstärkt so etwas wie „regionale Backups“ gäbe, damit man nicht mehr in solch enormen Lieferkettenprobleme gerate, wie man sie zu Beginn der Pandemie erlebt habe. Historisch hätte es bei früheren Pandamien immer nach Schuldigen gesucht und gewisse Gruppen gebrandmarkt, oder „den lieben Gott“ verantwortlich gemacht. An diese Stelle seien heute die Verschwörungstheoretiker gerückt, „die Sinnzusammenhänge konstruieren, wo keine sind“, so Precht.
Richard David Precht äußert sich auch zur Entwicklung von Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz. In seinem jüngsten Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“ habe er versucht, einen „vernünftigen Fortschritt“ zu definieren, in dessen Mittelpunkt der Mensch stehe.
Welche Zukunftsmärkte Richard David Precht für Deutschland sieht
Gefragt nach den großen Entwicklungen und Trends nennt Precht an erster Stelle die Nachhaltigkeit: „Das ist ein gigantischer Markt“. Bei der Digitalisierung sieht Precht Deutschland „gar nicht so schlecht aufgestellt, zum Beispiel im Bereich der Quantencomputer und der Industrievernetzung.“ Nachholbedarf bestehe hingegen bei der Umsetzung der hervorragenden Grundlagenforschung in Produkte, Anwendungen und Unternehmen. Das liege auch am Bildungssystem: „Das Selbstmanagement, was die Grundlage eines guten Unternehmers ist, spielt in der schulischen Bildung nur eine Nebenrolle“.
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