Mit Auto und Zeltdach durch Europa: Heidelberger Paar plant große Fahrt unter Corona-Regeln
Von Joris Ufer
Heidelberg. Dieses Jahr erlebte die Tourismusbranche in aller Welt einen beispiellosen Niedergang. Durch die Pandemie war es fast unmöglich zu reisen, und viele Menschen entschieden sich auch aus Sorge dagegen. Ist es unverantwortlich, in einer solchen Situation zu verreisen? Zwei Heidelberger wollen es trotzdem versuchen und planen ihre große Fahrt.
Kennengelernt haben sich Ulrike Williges und Johannes Inhoffen erst im April – durch Zufall und in einer Zeit, in der es so schwer wie nie war, neue Menschen zu treffen. Schon bei der ersten Verabredung erzählte Inhoffen von seinen Reiseplänen. "Für mich war damals schon klar, dass ich auf Reisen gehen wollte", erinnert er sich. "Ursprünglich wollte ich schon im Oktober gehen, was wegen der pandemischen Situation aber ohnehin nicht funktioniert hätte." Pläne hatte auch Ulrike Williges, doch ihr schwebte eher ein beruflicher Aufenthalt im Ausland vor. Nachdem die beiden sich näher kennengelernt hatten, konnte auch sie sich aber für die Vorstellungen ihres neuen Partners begeistern.
Doch wie vernünftig ist es, das Fernweh während einer Pandemie zu stillen? Diese Frage beschäftigt auch die beiden Reiselustigen, denn dass nicht jeder von ihrer Idee begeistert sein könnte, sei ihnen bewusst. Inhoffen ist Arzt an der Uniklinik und Williges Qualitätsmanagerin, die auch in der Pharmabranche gearbeitet hat. Die Problematik sei ihnen deshalb vertraut. "Unsere Verträge laufen Ende März aus", sagt Williges. Ihre Jobs hätten sie zugunsten ihrer Pläne gekündigt und im Mai solle es losgehen, mit dem Auto und Zeltdach quer durch Europa. "De facto passen wir die Reise täglich an", erklärt der Mediziner. "Wenn es nicht möglich ist und die Grenzen zu sind, werden wir natürlich eine andere Lösung finden müssen." Der Gedanke, dass es auch im Mai nicht möglich sein könnte, schmerze zwar, aber sie müssten realistisch sein.
Doch an Alternativen, falls die Reise tatsächlich ins Wasser fiele, haben die beiden gedacht. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns hier etwas suchen," berichtet Williges. "Sei es eine ehrenamtliche Tätigkeit oder etwas Virtuelles." Für Inhoffen käme auch in Frage, sich als Impfarzt zu melden, da diese derzeit gesucht würden. Falls alles glattgehen würde, sei es ihnen in jedem Fall wichtig, die Regeln des Infektionsschutzes zu befolgen.
Inhoffen betont: "Mir persönlich ist es sehr wichtig, gerade jetzt auf Social Distancing zu achten und sich mit weniger Leuten treffen." Zurzeit bekomme er im Klinikalltag täglich mit, wie gravierend sich das Virus auswirke. Er selbst sei in der Psychosomatik tätig und beobachte, dass immer mehr seiner Kollegen auf die Coronastationen abgezogen werden müssten.
Das Paar ist sicher, dass es bei seiner Reise die Vorsichtsmaßnahmen einhalten könne. Zudem seien sie im Auto relativ autark und würden für sich selbst kochen. Zuerst möchten sie durch Europa fahren, um später – je nachdem, was das Infektionsgeschehen zulässt – auch andere Orte zu besuchen. Ob ihre Reise wirklich stattfinden kann, ist zurzeit aber kaum abzusehen. Wichtig sei ihnen das Abenteuer, da diese unplanbare Reise im krassen Gegensatz zu ihrem strukturierten Alltag stünde. Williges stellt fest: "Corona ist ein guter Grund, es nicht zu tun. Wir werden es trotzdem versuchen, aber das ist auch mit Ängsten verbunden."