Darmstadt/Schwetzingen: Landwirte packen die Spargelfelder ein
Von Oliver Pietschmann und Stefan Kern
Darmstadt/Schwetzingen. Im April ist er wieder auf dem Markt: der Spargel. Vielerorts beginnen jetzt die Bauern auf ihren Feldern mit dem Abdecken des Edelgemüses mit Folie. Der Grund: mehr Schutz und höherer Ertrag. Umweltschützer sehen das Vorgehen kritisch. Und in Schwetzingen verzichtet man auf die Folien gleich ganz.
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Die Spargelbauern in der Rhein-Main- und in der Rhein-Neckar-Region stehen in den Startlöchern für die neue Saison des Edelgemüses. Viele Landwirte haben in diesen Tagen begonnen, die Folien zum Schutz des Spargels auf den Feldern auszulegen. "Die Voraussetzungen sind gut, Sonneneinstrahlung ist jetzt wichtig", sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt. Wenn es so bewölkt und regnerisch bleibe, sei das kontraproduktiv.
In den kommenden Tagen und Wochen werden überall in den Spargelregionen wieder lange Folien zu sehen sein, die die weißen Stangen bis zur Ernte vor Niederschlägen schützen und wärmen sollen. In Südhessen, etwa um Hüttenfeld, wird Spargel auf rund 2000 Hektar angebaut. Im südlichen Rheinland-Pfalz sind es rund 1500 und in Nordbaden 500 bis 600 Hektar. Bundesweit gibt es eine Anbaufläche von rund 23.000 Hektar.
In Hessen soll Meinhardt zufolge die Spargelsaison bereits am 1. April beginnen: "Das ist aber sehr sportlich, wir können auch daneben liegen." Die Voraussetzungen für den Spargel nach den beiden trockenen Ernteperioden mit viel Sonne und kaum Regen in den vergangenen Jahren sehen die Spargelbauern derzeit positiv. "Der Winter dieses Jahr kommt uns eigentlich entgegen", sagte Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. "Die Wasserversorgung ist gegeben." Im Moment sei keine Sorge angebracht. Im Vergleich zu anderen Teilen Deutschlands sehe es in seiner Region sehr gut aus.
Vorsichtig ist zunächst Hans Lehar von der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden: "Ich wage keine Prognose bei diesen Wetterkapriolen." Wenn im Februar noch einmal eine Kältewelle komme, gebe es eine neue Situation. Mit dem ersten Spargel auf Betrieben mit Bodenheizanlagen rechnet er Mitte März. Bei den anderen sei dies schwer absehbar. Wenn es die nächsten Wochen mild bleibe, gebe es Anfang April das Edelgemüse aus der Region.
Die Spargelernte beginnt in Deutschland normalerweise in der zweiten Aprilhälfte und dauert bis zum "Johannestag", dem 24. Juni. In den vergangenen Jahren ging sie aber auch schon früher los – nicht zuletzt wegen der eingesetzten Folien. War das vor 20 Jahren noch eher die Ausnahme, ist es heute eher die Regel und nimmt auch beim Beerenanbau zu. "Fachlich sehen wir das eher kritisch", sagte Thomas Norgall vom hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Diese Folien entziehen der Natur Fläche. In Schutzgebieten ist das besonders kritisch", sagte Norgall unter anderem mit Blick auf das Naturschutzgebiet Griesheimer Düne bei Darmstadt, in dem es Anbau mit Folien gibt. "Vielen ist nicht bewusst, dass man sich so etwas in Schutzgebieten genehmigen lassen muss." Einer Initiative von Folienherstellern, der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und Recycling-Spezialisten zufolge kommen deutschlandweit jährlich Zehntausende Tonnen Kunststoff in der Landwirtschaft zum Einsatz. Alleine im vergangenen Jahr wurden an mehr als 400 Sammelpunkten 20.500 Tonnen Silo- und Stretchfolien zusammengetragen und recycelt, so die Initiative "Erde".
In diesem Jahr soll auch Spargelfolie wiederverwertet werden. Die besondere Herausforderung sei dabei der hohe Verschmutzungsgrad. Spargelfolie könne im Schnitt sieben Jahre lang verwendet werden. In Schwetzingen zerbrechen sich die Spargelbauern darüber nicht den Kopf, denn sie garantieren ihren Kunden einen folienfreien Anbau. Die sechs Erzeuger Fackel-Kretz-Keller, Renkert, Spilger, Schäufele, Schuhmacher und Gress warten lieber. Gemeinsam kommen sie auf rund 25 Hektar Anbaufläche. Aus Schwetzingen, so sagt Elfriede Fackel-Kretz-Keller, gebe es "nur reinsten Freilandspargel".
Und wann es für diesen losgehe, entscheide alleine Petrus: "Für den Freilandspargel brauchen wir mehrere Nächte mit durchgehend zweistelligen Temperaturen." Dabei ist die Spargelbäuerin überzeugt davon, dass sich das Warten lohne. Der Spargel sei ein Frühlingsbote, und der wahre Genuss entfalte sich erst in dieser Zeit.