Brühl: Zukunft des Real-Markts ist weiter ungewiss
Von Stefan Kern
Brühl. Seit Monaten wissen die Mitarbeiter bei "Real", dass die SB-Warenhausgruppe verkauft werden soll. Nicht wenige der rund 37.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Nun hätte der Verkaufsvertrag am vergangenen Freitag eigentlich unterschrieben werden sollen. Doch die Hängepartie geht in eine weitere Runde – für die Mitarbeiter, aber auch für die Kunden. Erst zum Valentinstag am 14. Februar soll während der Hauptversammlung des Mutterkonzerns "Metro" der Real-Verkauf im Düsseldorfer Congress Center offiziell verkündet werden. Und auch erst dann werden die 350 Mitarbeiter, die bei den drei regionalen Real-Märkten Brühl, Edingen-Neckarhausen und Mannheim beschäftigt sind, erfahren, wie es für sie beruflich weitergeht.
Eine Absichtserklärung zwischen Metro und dem deutsch-russischen Handelsimmobilien-Konsortium "SCP Group" und "x+bricks" sieht vor, dass ein Kern von Real-Märkten weiter betrieben wird. Doch dem Großteil der insgesamt 277 Märkte steht eine ungewisse Zukunft bevor. Von Verkauf bis Schließung sind alle Optionen denkbar. Keine schönen Aussichten also für die knapp 150 Mitarbeiter des Brühler Real-Marktes. Nervös macht viele von ihnen, dass das Konsortium seinen Schwerpunkt eher im Immobilienhandel denn im Einzelhandel hat.
Nur rund 80 der 277 Realmärkte befinden sich in konzerneigenen Immobilien. Das Gebäude in Brühl gehört zu den gepachteten Häusern und scheint für das Konsortium nicht oberste Priorität zu genießen. Heißt für Brühl wohl Verkauf oder im schlimmsten Fall Schließung. Für die Beschäftigten, die nicht wissen, wie es für sie weitergeht, ist das Ganze natürlich eine Tortur.
Es wird zwar immer wieder von Bemühungen gesprochen, während der Verhandlungen darauf zu achten, dass Mitarbeiter von den Folgeunternehmen übernommen oder Sozialpläne für Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, entwickelt werden.
Doch was das für jeden einzelnen Mitarbeiter wirklich bedeutet, bleibt bislang völlig offen. Nicht zur Beruhigung taugen die Äußerungen des Gesamtbetriebsrats, der damit rechnet, dass rund ein Drittel der 34.000 Arbeitsplätze verloren gehen könnte. Eine Schätzung, die dem Metro-Chef Olaf Koch zu weit geht. Die hier ins Spiel gebrachte Zahl, so erklärte er in der "Wirtschaftswoche", sei seiner Einschätzung nach zu hoch.
Noch weiß niemand, was die Investoren genau vorhaben. Für Unruhe sorgten auch Meldungen von Lieferanten, zur finanziellen Situation des Käufers rund um die Oligarchenfamilie Wladimir Jewtuschenkow, die hinter dem Käufer-Konsortium steht. Für die Lieferanten, so meldete das "Manager-Magazin", scheinen die Investoren keine seriösen Schuldner zu sein. "Es ist an der Zeit", so ein Mitarbeiter gegenüber der RNZ, "dass die Hängepartie endlich ein Ende hat".