Heidelberg: Heideldruck plant Kurzarbeit bis April
Von Matthias Kros
Heidelberg. Nach der neuerlichen Gewinnwarnung Mitte Januar ist die Kreditwürdigkeit der Heidelberger Druckmaschinen AG weiter gesunken. Die amerikanische Agentur Moody’s senkte ihr sogenanntes Rating für das traditionsreiche Unternehmen von der ohnehin schon schwachen Bewertung B3 (hochspekulativ) auf Caa1 (substanzielle Risiken, negativer Ausblick). Die Herabsetzung spiegele "einen weiteren Rückgang der operativen Leistung und einen Anstieg des Verschuldungsgrads wider", schreibt Moody’s in der Begründung.
Ein Rating dient Investoren und Banken bei der Solvenz-Einschätzung von Unternehmen, indem es die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten bewertet. Dazu gibt es eine Skala, die von Aaa (fast kein Risiko) bis C (Zahlungsausfall) reicht. Heideldruck rangiert dabei mittlerweile im unteren Viertel der Skala. Das Moody’s-Rating für die Heidelberger kommt zu dem Schluss, dass "nur bei günstiger Entwicklung keine Ausfälle zu erwarten" sind.
Weltweit gibt es mit Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch nur drei große Agenturen, die solche Ratings erstellen. In der Regel gilt, dass sich ein Unternehmen mit einer besseren Bewertung zu besseren Konditionen Geld beschaffen kann. Das bestätigte am Dienstag auch ein Sprecher des mit Liquiditätsengpässen kämpfenden Druckmaschinenbauers: "Die Herabsetzung bedeutet, dass Kredite für uns mittelfristig teurer werden können". Er erinnerte aber daran, dass die Finanzierung bis 2022 gesichert sei.
Heideldruck hatte am 20. Januar seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr (endet am 31. März) ein weiteres Mal nach unten korrigiert. Das Management um Vorstandschef Rainer Hundsdörfer rechnet jetzt mit einem Umsatzrückgang und unter dem Strich mit roten Zahlen. Der Aktienkurs rauschte in der Folge weiter in die Tiefe und liegt mittlerweile bei nur noch 90 Cent. "Das Debakel geht weiter", schrieb das Analysehaus Kepler Cheuvreux in einer am vergangenen Mittwoch vorgelegten Studie mit Blick auf die jüngste Gewinnwarnung. Die bilanzielle Situation sorge nicht gerade für Entspannung.
Auch nicht im Unternehmen, wo die Konzernführung an einem Sparprogramm arbeitet - "mit Hochdruck", wie der Sprecher betont. So sollen die Produktpalette entschlackt, Randbereiche verkauft und Abläufe effizienter gestaltet werden, um die Kostenbasis deutlich zu senken. Auf diese Weise soll das Eigenkapital gestärkt und dem Unternehmen dringend benötigte Liquidität zugeführt werden.
Das werde für die Belegschaft nicht ohne Folgen bleiben, sagte der Sprecher weiter: "Es wird Veränderungen geben", kündigte er an. Künftig werde man sich auf die profitablen Bereiche des Konzerns konzentrieren, die etwa 80 Prozent ausmachten. Für den Rest suche man Partner oder Käufer. Gespräche mit Interessenten würden bereits geführt. Die Maßnahmen sollten bereits im neuen Geschäftsjahr wirksam werden, das im April beginnt, beschreibt der Sprecher den Zeitdruck, unter dem das Management arbeite.
Als kurzfristig wirkende Maßnahme setzt der Druckmaschinenbauer, der am Stammsitz in Wiesloch rund 5000 Mitarbeiter beschäftigt, zudem auf Kurzarbeit. Nach aktueller Planung sei vorgesehen, dieses Mittel bis Ende April einzusetzen, auch in der Produktion, so der Sprecher. Man handhabe das je nach Auftragslage so flexibel wie möglich. Wie viele Mitarbeiter betroffen seien, wollte der Sprecher nicht sagen.
Er warnte gleichzeitig davor, die Lage wegen der schwachen Zahlen allzu schwarz zu sehen. "Es gibt auch einen klaren Weg nach vorne", sagte er zum Beispiel mit Blick auf die wichtige Branchenmesse drupa, die Mitte Juni in Düsseldorf stattfindet. Hier präsentiere Heideldruck unter anderem die neuste Generation der "Speedmaster"-Offset-Druckmaschine, die so effizient und intelligent sei wie nie zuvor. Kunden erreichten damit eine deutlich höhere Produktivität. Die drupa findet nur alle vier Jahre statt. Viele Druckereien warten mit ihren Bestellungen auf die Neuheiten der Branchenmesse. Heideldruck plant zu diesem Anlass Kundenveranstaltungen auch in Wiesloch.