Sinsheimer Retentionsraum: Keine Umleitung, sondern Hochwasserschutz
Von Christian Beck
Sinsheim-Hoffenheim. Es ist nicht die von manchen ersehnte Umgehungsstrecke, die zwischen Sinsheim und Hoffenheim gerade gebaut wird. Vielmehr geht es um Hochwasserschutz: Dort wird im Bereich der Elsenz sogenannter Retentionsraum angelegt. Dabei handelt es sich um Fläche, auf der sich Wasser sammeln und ausbreiten kann.
Zu diesem Zweck wird dort auf etwa 6000 Quadratmetern der Boden 60 Zentimeter tief ausgehoben. Bis zum Ende der Woche soll der Aushub abgeschlossen sein, berichtet Infrastrukturamtsleiter Bernd Kippenhan. Dabei handelt es sich laut Lothar Knödl, bei der Stadtverwaltung für Hochwasserrückhaltebecken zuständig, um guten Boden, der nicht auf die Deponie sollte. Er wird deshalb im Industrie- und Gewerbegebiet „Hinter der Mühle“ zwischengelagert und soll dort für das geplante Hochwasserrückhaltebecken „Am Leitzelbach“ verwendet werden. Das Bauwerk ist zwischen Sinsheim und Dühren geplant, laut Kippenhan steht dafür die Genehmigung des Wasserrechtsamts noch aus. Sobald diese erteilt ist, beginne der Bau.
Zurück nach Hoffenheim: Sobald es das Wetter zulässt, wird dort nach dem Aushub der Oberboden wieder eingebaut werden. Danach werde dort eingesät. Ab dem Frühjahr soll dort wieder eine Wiese entstehen, die regelmäßig gemäht wird. Dabei werde es sich aber nicht mehr um eine gedüngte Fettwiese, sondern um eine Feuchtwiese handeln, die artenreicher ist.
120.000 Euro sind laut Knödel für das Projekt eingeplant. Nach momentanen Planungen sollen so etwa 2000 Kubikmeter zusätzlicher Raum entstehen, in dem sich Wasser ausbreiten kann.
Künftig sollen weitere dieser Retentionsräume entstehen, erklärt Kippenhan. Denn bereits jetzt müssen Bauherren für Ausgleich sorgen, wenn sie in Gebieten, die hochwassergefährdet sind, beispielsweise ein Haus oder eine Garage bauen möchten und so ein mögliches Hochwasser verdrängen. Häufig bietet sich auf deren Grundstück dafür aber keine Möglichkeit. Deshalb schafft die Stadt künftig diese Flächen, wird dafür aber auch Geld verlangen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie jenes des Ausgleichs über Ökopunkte: Hier werden versiegelte Flächen durch neu angelegte Streuobstwiesen oder wieder aufgebaute Trockenmauern ausgeglichen.
Laut Kippenhan muss der Gemeinderat dazu noch eine Satzung beschließen. Des Weiteren soll ein sogenanntes Retentionsraumkataster angelegt werden. Laut Oberbürgermeister Jörg Albrecht handelt es sich dabei um ein besonderes Projekt: Bislang verfüge im Rhein-Neckar-Kreis lediglich Sandhausen über ein solches Kataster.
Was Bauherren für einen Ausgleich durch angelegte Retentionsflächen bezahlen müssen, ist laut Kippenhan bislang nicht klar. Dies müsse der Gemeinderat noch beschließen.
Der erhofften Umleitungsstrecke bei Hoffenheim erteilt Baudezernent Tobias Schutz indes eine klare Absage: „Die wird es nicht geben.“ Stattdessen gebe es Pläne, den Schienenübergang zu verändern. Die vor vielen Jahren erstellten Planungen für eine Unterführung wurden laut Schutz jüngst von einem Fachmann auf Aktualität überprüft. Voraussichtlich im März soll sich der Gemeinderat damit befassen. Im Anschluss könne sich die Stadtverwaltung um Förderung bemühen. Falls alles klappe, kann laut Schutz in vier bis fünf Jahren der Bau beginnen.