MAZ: Durch Buschfunk zu den Adlern gekommen
Handball 3. Liga: Norman Flödl will mit den Drittliga-Handballern des VfL Potsdam den Aufwärtstrend bestätigen.
Wenn man als Verein einen echten Leistungsträger ziehen lassen muss, dann ist das vor allem sportlich, meist aber auch menschlich ein großer Verlust. Genau so war es im Sommer 2017 zwischen dem VfL Potsdam und Julius Dierberg. Nach vier Jahren verließ der Linksaußen die Adler und schloss sich dem Dresdner Zweitligist HC Elbflorenz, für den er noch immer auf der Platte steht, an. Beim 31:26-Heimerfolg der Potsdamer Drittliga-Handballer gegen die Reserve der Füchse Berlin stattete Dierberg seinen ehemaligen Kollegen einen Besuch ab. Doch nicht nur freundschaftliche Gespräche und Umarmungen bewiesen, dass der VfL einen Platz im Herzen des 27-Jährigen hat. Eben jener Dierberg spielte nämlich Vermittler und hat einen Anteil - wenn auch nur einen kleinen - daran, dass es Norman Flödl vor dieser Saison nach Potsdam zog. "Julius hat sehr positiv über den VfL und insbesondere auch Trainer Daniel Deutsch, den er noch als Spieler kannte, berichtet", verrät Flödl, der gemeinsam mit Dierberg für den HC Elbflorenz auf Punktejagd ging und in diesem Sommer von der sächsischen in die brandenburgische Landeshauptstadt wechselte.
Ein wesentlicher Grund für die neue sportliche Aufgabe sei zudem die Liebe gewesen, wie der 30-jährige Kreisläufer zugibt: "Die letzten achteinhalb Jahre habe ich mit meiner Freundin eine Fernbeziehung geführt. Das hat jetzt ein Ende, worüber wir beide sehr froh sind." In Berlin-Friedenau hat das Paar eine Wohnung gefunden, die Anbindung aus dem Südwesten der Hauptstadt nach Potsdam ist für Norman Flödl, der als gelernter Industriekaufmann nun als Sachbearbeiter bei einem VfL-Sponsor arbeitet, ideal: "Ich hatte hier keine Startschwierigkeiten, bin sowohl privat als auch sportlich gut angekommen. Potsdam war auch meine erste Option - für die erste Liga bin ich zu schlecht, einen Zweitligisten gibt es in der Umgebung nicht." Das Handball-Abc erlernte der gebürtige Altmärker in der Heimat bei der SG Eintracht Glinde - "Mama war meine erste Trainerin" -, ehe es den Rechtshänder auf die Sportschule nach Magdeburg zog. Dort spielte Flödl vor allem für die Youngsters, der SCM-Reserve. "Danach war ich in Dessau, Hildesheim und bei Empor Rostock aktiv", weiß der Neu-Adler, dass er mit seinem neuen Verein gleich mehrfach auf ehemalige Clubs trifft und bereits traf.
"Grundsätzlich bin ich beim VfL hochzufrieden, die Rahmenbedingungen sind super und es gibt wenig zu beanstanden. Natürlich hatten wir uns aber einen anderen Start in die Saison gewünscht", stellt der ehrgeizige Kämpfer am Kreis klar: "Nach der tollen Vorbereitung war ich sehr optimistisch, dass wir vielleicht sogar ganz vorne mitmischen können. Von irgendwelchen Platzierungen wollen wir aktuell nicht reden, sondern so schnell wie möglich Punkte sammeln, um den Anschluss an das Mittelfeld nicht zu verlieren." Nach zwei Siegen in Folge und mehreren hoffnungsvollen Auftritten hat sich die Mannschaft von Trainer Daniel Deutsch vorerst aus dem Tabellenkeller gekämpft, blenden lassen will sich Norman Flödl vor dem Duell am Sonntag (16 Uhr, MBS-Arena) gegen Hannover-Burgwedel, mit 4:18-Punkten Letzter, davon jedoch nicht: "Wir haben für die letzten Partien in der Hinrunde eine klare Vorstellung, uns interne Ziele gesteckt. Alles andere als ein Sieg wäre am Wochenende eine Enttäuschung, den Grundstein für die nächsten zwei Zähler wollen wir wieder in der Abwehr legen."
Dabei helfen soll auch Norman Flödl, der im Adler-Trikot bereits durch lautstarke Anweisungen in der Defensive als auch Durchsetzungsvermögen im Angriff überzeugen konnte. "Mit Christian Schwarzer teile ich mir die Arbeit am Kreis gut ein. In den letzten Wochen habe ich nur wenig trainiert, plage mich mit einer Bauchmuskelzerrung rum. Für Sonntag sollte es aber reichen, zumindest als Entlastung", schmunzelt der gebürtige Sachsen-Anhaltiner, dessen Vorbild der Schwede Marcus Ahlm, welcher von 2003 bis 2013 beim THW Kiel spielte, ist. Für vorerst zwei Jahre ist Norman Flödl, der in der Bundesliga dem SC Magdeburg die Daumen drückt, beim Potsdamer Drittligist eingeplant, wie es danach weiter geht, steht noch in den Sternen: "Das ist Zukunftsmusik, vielleicht lasse ich das Handballer-Dasein irgendwann einmal in Berlin bei einem unterklassigen Verein ausklingen. Nach meinen ersten Eindrücken kann ich mir aber sehr gut vorstellen, dass der VfL meine letzte leistungsorientierte Station sein wird."
Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, Böttcher, Marius (2019) (https://www.sportbuzzer.de/artikel/potsdam-neuzugang-norman-flodl-durch-buschfunk-zu-den-adlern-gekommen/) [07.11.2019]