"Alla Hopp"-Anlagen: Ruhestörungen, Verwüstungen und Klagen vor Gericht
Rhein-Neckar. (alb/cba/lew/man) Es ist ein Streit, der kaum aufzulösen ist: Da ziehen die 19 „Alla Hopp“-Anlagen Jung wie Alt in Scharen an und bringen Leben in die Standortkommunen. Doch wo viele Menschen sind, ist es eben meistens auch laut – zu laut, finden manche Anwohner und schalten deshalb sogar Gerichte ein. So etwa in Sinsheim. Seit Eröffnung der Freizeitstätte gehen im Rathaus Beschwerden wegen Lärms ein. Spielende Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene, die sich dort abends oder in der Nacht träfen, machten mächtig Krach, ärgern sich Nachbarn.
Auch ein Wachdienst, der Besucher nach 22 Uhr nicht mehr aufs Gelände lässt, konnte die Anwohner nicht beruhigen. Zwei von ihnen sind vor das Verwaltungsgericht Karlsruhe gezogen. Doch ließ der Richter in der mündlichen Verhandlung bereits durchblicken, dass die Klage wegen Ruhestörung vermutlich abgewiesen wird. Das Urteil soll bald per Post zugestellt werden. Ein weiterer, vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt ausgetragener Rechtsstreit hatte dazu geführt, dass die Gemeinde Abtsteinach die Öffnungszeiten der dortigen Anlage einschränkte. Zuvor konnten vorgeschriebene Lärm-Grenzwerte von 55 Dezibel außer- und 50 Dezibel innerhalb der Ruhezeiten nicht eingehalten werden.
Im pfälzischen Grünstadt haben drei Familien nachträglich Widerspruch gegen die Baugenehmigung der „Alla Hopp“-Anlage eingelegt. Und in Speyer gründete sich nach angeblichen nächtlichen Trinkgelagen auf dem Gelände eine Interessengemeinschaft. In Ketsch umgibt inzwischen ein mannshoher Zaun das gesamte „Alla Hopp“-Areal. Daneben hat die Gemeinde nach Anwohnerbeschwerden eine rund 60 Meter breite, 3,50 Meter hohe und 80 000 Euro teure Schallschutzwand aufstellen lassen. Abends werden die Tore an den zahlreichen Zugängen von einem externen Wachdienst abgeschlossen, morgens öffnen die Mitarbeiter die Anlage wieder.
Ein anderes Problem auf den Begegnungs- und Bewegungsparcours ist Vandalismus. Einbrüche in den Kiosk, Brandschäden an Bänken, Tischen und der Tartanbahn, eine zerstörte E-Bike-Station: Die Liste der Zerstörungen in Heidelberg-Kirchheim war so lang, dass die Stadt dem Beispiel Ketsch folgte und im September das Gelände umzäunte.
Zudem wird die Anlage nachts abgeschlossen. Während der Öffnungszeiten sollen zwei Betreuer Vandalismus verhindern, Präsenz zeigen und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Meckesheim fährt ein ähnliches Konzept – zwar ohne Zaun, aber mit Erfolg. Bürgermeister Maik Brandt freut sich, dass es seit einem Vorfall im Dezember 2018, bei dem Vandalen Teile der Toilettenanlage zerstört hatten, keine derartigen Vorkommnisse mehr gab. Ein Sicherheitsdienst überwache die Anlage vor allem in den Abend- und Nachtstunden. Bis heute habe die Gemeinde nicht eine einzige Beschwerde in Bezug auf Ruhestörungen erhalten.
Auch in Schwetzingen haben schon Vandalen zugeschlagen. Unbekannte verwüsteten dort im Juni einen Teil jenes Bistros, das die Gäste der „Alla Hopp“-Anlage bewirtet. „Wir werden wohl nicht umhinkommen, außerhalb der Nutzungszeiten eine Videoüberwachung zu installieren“, erklärte damals der Schwetzinger Oberbürgermeister René Pöltl in einem Facebook-Kommentar.
In Buchen kam es Anfang des Jahres zu zwei Vorfällen. Nachdem im Januar ein Teil der Anlage von Vandalen großflächig mit Lackstiften, Textmarkern und Farbspray beschmiert worden war, entfachten Unbekannte kaum einen Monat später einen Brand, der sich auf mehrere Quadratmeter der Ziergrasfläche am Skaterplatz erstreckte.