Walldorf: Storchenwiese soll Naturschutzgebiet werden
Walldorf. (rö) Leicht hat sich der Gemeinderat die Entscheidung nicht gemacht. Am Ende folgte die Mehrheit des Gremiums aber dem Wunsch des Nabu Walldorf-Sandhausen, die Ausweisung der Storchenwiese als Naturschutzgebiet beim Regierungspräsidium zu beantragen. Dieser Beschluss fiel mit 13 Ja-Stimmen. Mit Nein stimmten Lorenz Kachler (SPD), Dagmar Criegee und Matthias Renschler (beide FDP), Enthaltungen kamen von Dr. Andrea Schröder-Ritzrau, Petra Wahl und Manfred Zuber (alle SPD), Dr. Günter Willinger, Fredy Kempf und Günter Lukey (alle FDP).
Klaus Brecht, Fachbereichsleiter Ordnung und Umwelt, erläuterte den Hintergrund. Demnach war 2003 im Gemeinderat beschlossen worden, im Gewann Röhrig links der Nußlocher Straße zwischen Wald und Hardtbach ein Biotopentwicklungskonzept umzusetzen. Mit der Umwandlung von Ackerflächen, die teilweise vernässt wurden, wollte man die Wiederansiedlung des Weißstorchs forcieren, erste Bruterfolge stellten sich ab 2007 ein. Zwar habe sich die Verwaltung um den Erwerb der privaten Grundstücke bemüht, etliche Eigentümer wollten laut Brecht ihre Grundstücke aber nicht veräußern. Mit den meisten habe man aber Pachtverträge abschließen können.
Heute sei die Wiese „in jeder Hinsicht außergewöhnlich“, so Brecht. Neben den vier Nisttürmen waren in diesem Jahr auch ein Hochsitz und ein Baum mit Storchennestern belegt. Darüber hinaus ist die Wiese durch konsequente Pflege und ein durchdachtes Mähmanagement zu einem bedeutenden Brut- und Rastgebiet für mindestens 80 Vogelarten geworden. Nachgewiesen wurden in den letzten Jahren zudem 168 Blütenpflanz- und mindestens 120 Insektenarten, darunter 42 Schmetterlingsarten. 38 der beobachteten Arten stehen auf der Roten Liste. Dass die Storchenwiese in ihrer Naturausstattung das benachbarte Landschaftsschutzgebiet „Walldorfer Wiesen“ übertrifft, dürfte laut Brecht auch darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung das Storchenaufzuchtgebiet weitgehend respektiert. Dennoch sei der Zustand fragil und es gebe immer noch viel Publikumsverkehr auf der Wiese. Um den aktuell guten Zustand zu sichern und die Storchenwiese als bedeutendes Biotop weiterzuentwickeln, habe die Nabu-Ortsgruppe die Ausweisung als Naturschutzgebiet vorgeschlagen.
Anfangs, so Dr. Joachim Ullmann (CDU), habe sich die Wiederansiedlung des Storchs schwierig gestaltet, inzwischen herrschten auf der Wiese „beste Bedingungen“ und das Ziel scheine erreicht. Wenn man einen Beitrag zur Erhaltung des Gebiets leisten könne, „sollten wir das tun“, damit betreibe man „aktiven Umweltschutz“. Man müsse die heimische Natur schützen, sagte Maximilian Himberger (Grüne). Aktuell sei der Weißstorch wieder zahlreich vertreten, „aber wie sieht es in zehn oder 15 Jahren aus?“ Dafür brauche es „gesetzliche Regelungen“, dann könne man ein „nachhaltiges Naturschutzgebiet schaffen“.
Dr. Andrea Schröder-Ritzrau berichtete über die Diskussion in der SPD-Fraktion, ob es die formale Ausweisung brauche. Das Gebiet werde respektiert, es gebe einen ungeschrieben „Vertrag“ zwischen Stadt, Grundstücksbesitzern, Nabu und Bürgern. Sie hinterfragte die Notwendigkeit, diese Lösung durch eine gesetzliche Regelung zu ersetzen. Mit einem Naturschutzgebiet seien hohe Auflagen verbunden, man wolle aber keinesfalls eine „temporäre Sperrung für Menschen“ oder eine Einzäunung des Gebiets. Den Eigentümern, die bereits ihren Beitrag zum Naturschutz leisteten, lade man zudem „restriktive Grundstücksauflagen“ auf, das sei ein „Vertrauensbruch“. Petra Wahl sah sogar „fast eine Enteignung“. Für die FDP kann das Gebiet laut Dagmar Criegee „ohne Schutzstatus wertvoller und vielfältiger werden als mit“. Die Ausweisung sei aus Sicht ihrer Fraktion „nicht notwendig“, „wir beschränken uns ohne Not selbst“. Ähnlich argumentierte Lorenz Kachler. Dr. Günter Willinger war zudem wichtig, dass die Fläche auch in Zukunft für jedermann begehbar sind. Den Eigentümern sollte man kommunzieren, dass die Stadt bereit sei, ihre Flächen zu erwerben.
Aus Sicht von Bürgermeisterin Christiane Staab bestand zwar keine akute Notwendigkeit für die Ausweisung, für den Nabu wäre das aber „die Krönung“ seines Handelns. Das unterstütze man als Verwaltung gerne. Klaus Brecht sagte, es sei zwar „keine Gefahr im Verzug“, aber die Möglichkeit, dass Pachtverträge gekündigt werden, bestehe jederzeit.