Zwischenlager Kinderzimmer: Sinsheimer Stadtbücherei bereitet sich auf Umzug in die Sieber-Halle vor
Von Christiane Barth
Sinsheim. Lesen verändert. Und die Art zu lesen verändert sich auch. Der bundesweite Trend, dass sich Bibliotheken immer mehr zum Aufenthaltsort entwickeln, ist auch in Sinsheim deutlich spürbar. Und die Stadtbibliothek verändert sich ebenfalls. Momentan sitzen die zehn Mitarbeiter gerade auf gepackten Kisten. Der Umzug von der Werderstraße in die neue Dr.-Sieber-Halle war gut geplant. Die Bibliotheksnutzer wurden zuvor aufgefordert, den Umzug zu unterstützen, indem sie ausleihen, was das Zeug hält.
„Die Besucher haben körbeweise Bücher mitgenommen“, freut sich Bibliotheksleiterin Daniela Kemmet. Von 34.000 Medien sind ganze 19.000 in Umlauf. Fast alle der 1100 Bilderbücher sind zwischengeparkt in den Kinderzimmern: All das ist Material, das gar nicht erst in Umzugskisten verpackt und dann wieder ausgepackt werden muss. Auch für die Leser lohnt sich das: Rückgabedatum ist erst der 15. Februar, obwohl die Stadtbibliothek ihre Pforten schon wieder am 19. Januar öffnet und sich beim Tag der offenen Tür der Dr.-Sieber-Halle neu präsentiert.
Dass sich das Format einer Bibliothek geändert hat – diesem Wandel wurde bei der Planung der Einrichtung bereits Rechnung getragen. „Wir haben mehr Raum für Menschen als für Bücher eingeplant“, sagt Kemmet. Die Bibliotheken entwickelten sich immer mehr zum Aufenthaltsort, zum Treffpunkt, an dem es erlaubt sei, „ohne die Verpflichtung, etwas zu konsumieren, ein paar schöne Stunden zu verbringen“.
Doch eine unerfreuliche Entwicklung muss die Bibliotheksleiterin ebenfalls zur Kenntnis nehmen. Die Bücherei hat Leser verloren. 5000 Nutzer waren noch im Bestand vor dem Umzug in die Werderstraße. Inzwischen sind lediglich noch knapp 3000 registriert. Woran das liegt? „Wir waren einfach zu klein“, erklärt Kemmet. Auch das einstmals breit gefächerte Angebot war nicht mehr im gleichen Umfang haltbar. Wenn sich die Bibliothek künftig Stück für Stück neu erfindet, profitierten die Leser außerdem von einem Bestseller-Service. Angesagte Titel seien dann doppelt im Bestand.
Nun aber freuen sich die Mitarbeiter darauf, im nächsten Jahr wieder „einen ganz normalen Job“ machen zu können und „wieder Zeit für die eigentliche Arbeit zu haben“, sagt Kemmet.
Zuvor gehen noch einige Veranstaltungen für Bücherwürmer über die Bühne: Beim Flohmarkt vom 19. bis 23. November, der noch in den Räumlichkeiten der Werderstraße angeboten wird, sollen die Medien verkauft werden, die den Umzug gar nicht erst mitmachen sollen. Dabei lasse sich so manches Schnäppchen ergattern. Die Bücherei-Leiterin spricht auch von einem „Schlussstrich“.
Weiter geht es am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr im städtischen Kulturquartier „Würfel“: Der Autor Oliver Pötzsch liest aus seinem neuen Roman „Der Lehrmeister“. Kemmet schwärmt jetzt schon von der Veranstaltung: „Der Mann ist ein richtiger Entertainer und bereits zum zweiten Mal zu Gast bei uns.“
Am 15. November präsentiert sich die Stadtbibliothek zum bundesweiten Vorlesetag in der Klima Arena um 18.30 Uhr, einer Veranstaltung für Kinder und Erwachsene. Ein Höhepunkt soll die Adventslesung am 3. Dezember in der Buchhandlung Doll um 19.30 Uhr werden. Zu Gast ist die Autorin Kerstin Müller. Ebenfalls in der Klima Arena findet das letzte Literaturcafé des Jahres statt: Die beliebte Veranstaltung am 14. Dezember ist allerdings bereits ausverkauft.