Walldorf: Das Fastenbrechen gemeinsam gefeiert
Walldorf. (agdo) Um Punkt 21.22 Uhr erklang in der IGMG-Mevlana Moschee in Walldorf der Gebetsruf zum Fastenbrechen. Der islamische Fastenmonat Ramadan fing dieses Jahr am Abend des 5. Mai an und endet am morgigen 4. Juni. Beginn und Ende richten sich nach dem islamischen Mondkalender, die Muslime fasten, um die Heilige Schrift des Islam zu würdigen und auch um nachzuempfinden, wie arme Menschen sich fühlen, die wenig zu essen haben.
Gefastet wird von Sonnenaufgang bis Anbruch der Dunkelheit, danach ist das "Iftar", das Fastenbrechen, das in der Astorstadt nun gemeinsam mit Nicht-Muslimen gefeiert wurde. Unter den Gästen waren Bürgermeisterin Christiane Staab, der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci, SPD-Stadträtin Andrea Schröder-Ritzrau, Pfarrerin Wiebke Klomp von der evangelischen Kirchengemeinde sowie Vertreter der Wieslocher Polizei.
Dieses Jahr fasteten die Muslime bei meist angenehmen Temperaturen, vergangenes Jahr war es im Mai bereits sehr heiß, was das Fasten natürlich erschwert. "Das Fasten schaffen wir nur mit dem Glauben an Allah", sagte Fadime Ünal. Bei der Muslimin klingelte morgens um 3.15 Uhr der Wecker, dann frühstückte sie gemütlich. Ab 4 Uhr bis zum Anbruch der Dunkelheit dürfen Muslime dann weder essen noch trinken.
Zum Fastenbrechen in der Mevlana-Moschee gab es Linsensuppe, gefüllte Aubergine mit Käse, Reis mit Rosinen, dazu Fladenbrot. Und Cacik (Joghurt mit Gurken), eine Dattel und natürlich die Süßspeise Baklava, ein unheimlich gut schmeckendes in Zuckersirup eingelegtes Gebäck aus Blätterteig.
"Wir sind mit dem Ramadan großgeworden und von Kind an langsam daran gewöhnt worden", erzählte Medine Sakar. Manchmal sei es aber schwierig, auf Trinken zu verzichten, besonders wenn es sehr heiß sei, erzählten einige Muslime. Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam, damit bauen Muslime eine stärkere Verbindung zu Gott, zu anderen Menschen und zu den Geschöpfen auf. Von der Fastenzeit ausgenommen sind Kranke, schwangere oder stillende Mütter, Reisende und alte Menschen. Kinder werden an den Ramadan langsam gewöhnt.
Bevor das Fastenbrechen begann, las Imam Zekai Arslan Suren aus dem Koran vor, etwa: "Fürwahr, dieser Koran leitet zum Richtigsten und bringt den Gläubigen, die gute Werke tun, die Frohe Botschaft, dass ihnen großer Lohn werden soll." Auch um den Unterschied von Gut und Böse ging es in den vorgetragenen Suren. Pfarrerin Wiebke Klomp griff dieses Thema auf und erzählte davon, dass der Unterschied von Gut und Böse gerade auch Thema der Konfirmanden ihrer Gemeinde gewesen sei.
Ismet Ileri, der Vorsitzende der Moschee begrüßte alle, Grußworte sprachen auch Akif Ünal im Namen der Schura Rheinland-Pfalz, dem Landesverband der Muslime, und Serif Aslan vom IGMG-Regionalverband. Serif Aslan bat darum, nicht den Islam für schreckliche Taten verantwortlich zu machen, sondern zwischen guten und schlechten Menschen zu unterscheiden, die es überall auf der Welt gebe, wie man an den Anschlägen im neuseeländischen Christchurch gesehen habe. Bürgermeisterin Christiane Staab freute sich, dass die islamische Gemeinde sich in der Astorstadt für Flüchtlinge einsetze. Und Lars Castellucci sprach darüber, dass Menschen sich nicht nach Religion oder Hautfarbe beurteilen sollten, sondern nach tieferen Werten wie etwa Hilfsbereitschaft.
Nach dem offiziellen Teil begann das Fastenbrechen, gefolgt vom Abendgebet in der Moschee, das Frauen und Männern getrennt vollzogen. Es wurde auch nach Geschlechtern getrennt gegessen. Nach dem Gebet saßen die Gläubigen nach Geschlechtern getrennt noch gemütlich beisammen und unterhielten sich. Dazu gab es original türkischen Tee oder Kaffee, der Kaffee wurde dabei auf einer mit Sand gefüllten Heizplatte zubereitet. Mithilfe des Sands werde der Kaffee schneller warm, erfuhr man, der Brauch stammt noch aus der Zeit des Osmanischen Reichs.